Nationalparkzentrum Falkenstein. Wo die Wölfe wieder heulen dürfen und der Luchs herumstreift.

Zurück zur Natur, auf in den „Wald“.

Ressorts: Naturschutz, Umweltbildung, Umweltschutz, Umwelt

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Mittwoch, 08 Mai 2013 05:57

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Grenzüberschreitende Natur erfordert grenzüberschreitenden Naturschutz. Denn wieder einmal zeigt es sich, dass der Natur als solcher staatliche Linienführungen, oder Grenzen, im Grunde genommen total egal sind und es im Grunde genommen nichts gibt, was von ihr nicht irgendwann wieder in Beschlag genommen werden könnte. Die Pflege und Bewahrung der Natur im „Nordwald" als Ganzes teilen sich zwei große Nationalparks in Bayern und Böhmen: der Nationalpark Šumava/Böhmerwald und westlicher gleich anschließend der Naturpark Bayerischer Wald. Alles schön geordnet. Der eigentliche, heimliche Herrscher des gesamten Waldgebirges ist allerdings der „Scolytina", gemeinhin auch als Borkenkäfer bekannt. Wozu er zu verursachen in der Lage ist, darüber hat bereits Karl Klostermann in seinen Veröffentlichungen über den Böhmerwald berichtet. Er ist der unerbittliche Konkurrent der auf Ertrag orientierten Waldbesitzer, die es lieber sehen, wenn sich das Holz in bare Münze umwandelt, als wenn aus ihm – im übertragenen Sinne – nur ein Zerfallsprodukt wird. Dabei bleibt gerne der Umstand unberücksichtigt, dass auf oder aus diesem Zerfall wieder neues und frisches Leben im Wald nachwächst. Und schuldlos sind sie auch nicht daran, denn in höheren Gebirgslagen hat der Mensch „mit ausgedehnten Fichtenreinbeständen optimale Borkenkäferbiotope geschaffen. Hier können sich bei klimatischen Extremen (lange Hitze- oder Trockenperioden, Winter mit viel Schneebruchholz)" Borkenkäfer explosionsartig vermehren.

 

Wie gerne würde er sie vertrieben haben, wie viele andere der einstigen „Waldbewohner", die er jetzt wieder mit viel Liebe und Geduld wieder zurückzuholen versucht, wie Wolf und Luchs. Wer sie zu Gesicht bekommen möchte, braucht entweder viel Ausdauer oder noch mehr Geduld. Am einfachsten wäre da ein Abstecher in das Nationalparkzentrum Falkenstein, wo die Suche belohnt wird. Vorausgesetzt natürlich, man nimmt einen der Aufstiege vom Parkplatz oder der Bahnhaltestelle hinauf zum „Haus zur Wildnis" auf sich, bei dem die beiden Tier-Freigelände angelegt worden sind, wo sich jetzt Wolf und Luchs gute Nacht sagen, nachdem Fuchs und Hase von den neuen eingezogenen Bewohnern verproviantiert wurden. Die einen kommen, die anderen werden gefressen, oder so ähnlich. Vielleicht sind sie sich aber freiwillig verzogen. Jetzt sind also Isegrim und Lynx hier beheimatet, während Reineke und Meister Lampe das Weite gesucht haben. – Lynx = Luchs. Wem wäre das auf Anhieb sofort eingefallen? Wozu gibt es aber ein „Deutsches Jagd-Lexikon? – So viel Ehrlichkeit wurde aber belohnt, nach dem Aufstieg bergan zum „Haus zur Wildnis". Dieser Name erinnert ganz leise irgendwie an den Film „The Patriot", aber es besteht kein Zusammenhang dazu. Weder Engländer noch Amerikaner wurden gesichtet und selbst die Luchse hatten sich in ihren Bau zurückgezogen – oder besser, sie hatten sich hinter einem hohen Maschendrahtzaun verschanzt und blieben unsichtbar. Die Wölfe dagegen ließen es sich keinesfalls nehmen, die Gäste persönlich in Augenschein zu nehmen! Offensichtlich genossen sie es, gesehen zu werden und poussierten provokativ Aug' in Aug' mit wedelnden Ruten. Kalte Schauer könnten da den Rücken herunterlaufen, wenn der Besucher sich nicht auf einer höheren Warte befinden würde, vielleicht auf der überdachten Brücke aus Rundholz oder dem Aussichtsturm daneben, bei einem Höhenunterschied von ca. 5 Metern. Da lässt es sich leicht in Erinnerungen schwelgen, wenn die direkte Begegnung im Freundeskreis genüsslich den erstaunten Zuhörern geschildert wird. Natürlich weit ausholend, fabulös sozusagen. Was füchsisch nach Effekten haschend, wird dieses Zusammentreffen in den Tiefen des Bayerischen Waldes ausgemalt. Echt heldenhaft eben.

Werfen wir im Nachhinein aber einen Blick in das mitgenommene Faltblatt vom „Nationalparkzentrum Falkenstein" , wo das „Tier-Freigelände" eingehend beschrieben wird. In dieser Schilderung heißt es: „Beobachten Sie die Luchs, das heulende Wolfsrudel oder die friedlich weidenden Wildpferde und Urrinder in den naturnah gestalteten Freigehegen. Luchs und Wolf zählen zum natürlichen Artenspektrum des Bayerischen Waldes wurden jedoch verfolgt und ausgerottet. Mittlerweile durchstreifen wieder frei lebende Luchse das Grenzgebirge," in der „schier endlosen Waldlandschaft zwischen Arber, Falkenstein und Rachel." Aber keine Angst, wem die Kräfte beim Aufstieg hinauf geschwunden zu sein scheinen, den erwartet eine ökologisch geführte Gastronomie im „Haus zur Wildnis", wo neue Kräfte für weitere Abenteuer zugeführt werden können.

 

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Karl W. Schubsky