Ein kleiner Bio-Hof mit eigener Menagerie im südlichen Böhmerwald

Der Mini-Zoo Wapiti am Moldaustausee Lipno

Ressorts: Haus und Garten, Naturschutz, Tschechien, Hintergrund, Umwelt, Tourismus

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Mittwoch, 18 April 2012 22:58

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Gelegentlich sollen sich manche Eltern doch noch selbst mit der Frage konfrontieren, wie sie ihre Heranwachsenden aus den Stuben locken und ein wenig wieder an die Natur heranführen könnten. Können sie, denn in der kaum noch existenten Ortschaft Pernek, am heutigen Moldaustausse im südböhmischen Böhmerwald gelegen, steht ein Hofanwesen, das Familien diese Möglichkeit bietet. Pernek, das heute nach Oberplan/Horni Planá eingemeindet ist, liegt an der Straße, die von Wallern/Volary nach Krummau/Č. Krumlov entlang des Stausees führt. Hier, aus Richtung Wallern kommend, liegt gleich neben der Straße der „Mini Zoo Wapiti" von Štĕpánka Hanousková J. Maňák, der nach ökologischen Prinzipien betrieben wird und wo ganzen Familien, neben hausgemachten Produkten und Erholung für die Elternteile, mit angereisten Kindern der Zugang zu den hier lebenden Tieren geboten wird. Hier sind Tiere daheim, denen man in der freien Natur kaum ansichtig wird. Dazu eine weite Landschaft mit viel Natur pur.

 

Wer sich allerdings dafür entscheidet, in Pernek-Samoty 23, im Bio-Hof, bei hausgemachten Käsesorten und leckerem Honig einige Tage verbringen zu wollen, um sich hier und der ganzen Familie ein wenig natürliche Abwechslung zu bieten, der sollte sich zuerst mit der hier herrschenden Hausordnung vertraut machen, denn „Rauchen, das Trinken von alkoholischen Getränken, Abfall und Kaugummis wegwerfen, beschädigen von den Pflanzen, die Tiere bedrohen" sind hier ausdrücklich untersagt. Andererseits sind diese „Vorschriften" eigentlich mehr als sinnvolle Vorschläge zu interpretieren, denn Gäste sollen schließlich nicht nur kommen, sondern auch willkommen bleiben, schließlich leben auf dem Hof auch zahlreiche weitere Lebewesen, die einen Anspruch auf Respekt und Zuwendung haben. Zudem dienen sie auch dem eigenen körperlichen sowie gesundheitlichen Wohlergehen, schließlich sind alle Tiere des Mini-Zoos an Besucher gewöhnt, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht auf einen Fuß steigen oder kratzen könnten. Das Pferd ist groß und könnte ausschlagen und selbst die ansässigen Ziegen haben Hörner und könnten zustoßen. Auch Hennen und Enten sollte man nicht zu fangen versuchen, da sie sich sowieso meist nicht erwischen lassen. Und die Volieren sollten ebenfalls geschlossen bleiben.

Hält man sich an diese Vorgaben, dann wird man sich auf dem Hof seines Aufenthalts erfreuen und die Kinder werden vielen Tieren begegnen, die sie ansonsten nur in Büchern oder den Medien lebendig zu sehen bekommen, wie etwa der Schneeeule, die in der arktischen Tundra, Grönland, Kanada, Asien oder Nordamerika daheim ist. Daneben gibt es den Großraben zu sehen, den größten Singvogel in Tschechien, der über 60 Zentimeter groß wird und bis zu 1,5 Kilo wiegen kann. Seine Spannweite beträgt 1,2 Meter. Neben weiteren geflügelten Freuden sind auch Pfaue vertreten, die man früher in den Schlossgärten zur Dekoration gezüchtet hat. Pfaue sind ursprünglich in Indien und Sri Lanka zuhause.

In den großen Freigehegen vom Mini-Zoo leben neben Wapiti- auch einheimische Damhirsche.

Wapitis leben vor allem in den Bergen Nordamerikas und werden nur selten in europäischen Zoos gezüchtet. Der Körper wird bis zweieinhalb Meter hoch und sein Widerrist erreicht eine Höhe von bis zu eineinhalb Metern. Der Hirsch kann bis zu 450 Kilogramm wiegen, die Hindin 150 Kilo. In der Gefangenschaft können Wapiti bis zu 20 Jahre, in der Natur zehn bis13 Jahre alt werden. Sie fressen vor allem Gras, Blätter, Nadeln, Baumrinde und Äste. Die Zoo-Wapiti in Pernek heißen Bert, Adélka, Arabelka und Dorotka und bekommen daneben noch Hafer, Mais, Gerste, Vitamine, Minerale, Äpfel, Karotten, Eicheln, Kastanien, trockenes Brot, Gimpel und Steinsalz.

Pferde, Ziegen und Schafe gehören auf jeden guten Bauernhof. Besonderheiten auf diesem Hof sind aber u. a. australische Emus und Kängurus und zahlreiches weiteres Getier, das hier auf künftige Gäste wartet. Alle tragen sie einen Namen und werden damit persönlich.

Es gibt zahlreiche Gründe, an den Lipno zu fahren, segeln, surfen oder angeln, aber es gibt auch die Möglichkeiten des Wanderns und die Möglichkeit des Lernens, mit der Natur in Eintracht zu leben. Wer Erholung sucht und dabei auch seinen Kindern die Möglichkeit der Naturnähe bieten möchte, der mache für einige Tage einen Abstecher nach Pernek.

 

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Karl W. Schubsky