Wie optimistisch darf es sein?

Ressorts: Reiseberichte, Hintergrund, Reisen, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Donnerstag, 12 September 2013 13:50

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Ortsfremdes Volk fiel in die Dörfer und Weiler entlang der Grenze ein und wollte den Bewohnern mit der Waffe in der Hand klarmachen, dass sie hier nichts verloren hätten und historisch hier Fremde wären. Dabei beriefen sie sich auf alte Dokumente, von denen selbst der Ur-Großvater von seinem Großvater nie ein Wort der Erwähnung gehört hatte. Beschlossen wurden die Schicksale in weiter Ferne, entweder schon bereits im „Exil" in London oder dann „endgültig" bei den „Preißen", den alten Erbfeinden, also in Potsdam, wo sich kaum bekannte Siegerheroen trafen und neue Grenz- und Einflusszonen auf dem Papier zogen. – Irgendwie erinnert diese Vorgehensweise an die der alten Imperialmächte England, Frankreich, Spanien - oder auch das Deutsche Reich mit dessen Suche nach einem „Platz an der Sonne" – in Afrika, Asien, Amerika. - Die Russen mussten ja nicht nach Übersee. Ihnen standen genügend zu erobern oder zu besetzende Landmassen vor der Haustür zur Verfügung.

 

Also dieses Volk kam aus dem Landesinnern und machte sich breit, obwohl es daheim im eigenen Dorf hätte bleiben können, und schlug alles kurz und klein. Sogar vor den Heiligen und den Kirchen schreckten sie wie einst die Hussiten und andre Bilderstürmer nicht zurück! Sie dienten zunächst einmal für total sinnlose Schießübungen bei Manövern oder als billige Filmkulissen, um später dann in der „Versenkung" zu verschwinden. – Derartige Barbareien kannte man eigentlich bisher nur aus den Erzählungen der Alten an den langen und dunklen Winterabenden über die „Preißen" oder Panduren. – Damals galt ja auch noch das gesprochene Wort. Wer hatte schon eine Zeitung oder sogar schon einen Radio?

Nun, als „rasender Reporter" fühlt man einen gewissen Zwang zur „Unterwegsheit" in den Auen und Fluren des lieblichen Landes namens „Grenzregionen". Mit den Augen, quasi eher mit dem Fotoapparat, werden Bildern verschlungen und Augenblicke gebannt und fixiert. Dabei wird vieles optisch erfasst, das freudig, aber teils auch sehr traurig stimmen kann.

Die Grenzregionen sind Gebiete für Optimisten die zu hoffen wagen, was vermutlich wohl nicht wieder sein wird, dass die „versunkenen Dörfer" entlang der Westgrenze wieder auferstehen werden, wie es etwa in einer alten egerischen Legende über die sagenhafte „Tillenstadt" zum Ausdruck kommt. Der „Tillen" oder „Dylen" ist ein hoher Berg im „Woid" (Böhmischer – oder Oberpfälzer Wald), der eine Grenzmarke des Eghalands ist.

Warum dieser scheinbare Optimismus im „Böhmischen Wald"? Dazu eine kurze Erinnerung an die Ausstellung über „Gerettete Denkmäler" im Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee, im „Oberpfälzer Wald". Diese erinnert an die finanziellen Unterstützungen des „Zukunftsfonds", dank derer so manches Denkmal im Grenzgebiet gerettet oder wiederhergestellt werden konnte.

Eines dieser Ergebnisse lässt sich dann auch in Natura kontrollieren, da nicht allzu weit von der Stadt Schönsee, dem Sitz des „Centrums Baviaria-Bohemia", der Markt Eslarn liegt, von dem aus es eine alte Poststraße über Tillyschanz nach Eisendorf (Zelezna) und weiter nach Weißensulz gibt. Dabei überquert der heutige Sorglose eine teils jetzt unsichtbare Linie, manifestiert aber als „Staatsgrenze", und betritt dabei, von welcher Seite auch immer kommend, immer eine völlig neue Welt: die Wandlung vom „Oberpfälzer Wald" in den „Böhmischen Wald" bzw. anders herum. Und beinahe genau an dieser „unsichtbaren" Demarkationslinie (Grenzübergang) liegt im Böhmischen Wald die frühere Ortschaft „Eisendorf". Im Dorf stand die Kirche St. Barbara (erbaut nach 1718). „Die Kirche mit angrenzendem Friedhof wurde nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung (1930 lebten hier in 174 Häusern 1092 deutsche, 35 tschechische und 11 ausländische Bewohner) nach 1945 zerstört. Die Gebeine der Toten und die Grabsteine wurden 1992 als Straßenunterbau verwendet." Und gleich vor der Kaserne an der Durchgangsstraße, wo er zerstörte Friedhof gelegen hat, steht nun wieder das „Gefallenendenkmal aus Granit, das nach dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde". Das Denkmal wurde durch eine Initiative des „Heimatvereins Eisendorf" realisiert, also einer Gruppierung der ehemaligen deutschen Bewohner des Ortes. Die Inschrift auf dem wiederhergestellten Kriegerdenkmal erinnert an die gefallenen, vermissten und verstorbenen Einwohner Eisendorfs sowie der umliegenden Ortschaften und wurde festlich am 8. Juni 2012 eingeweiht. Eine weitere Gedenktafel wurde zur Erinnerung an den zerstörten Friedhof angebracht. – Die Maßnahme wurde vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds finanziell gefördert. Im CeBB wurde dieser Aktion im Rahmen der Ausstellung „Gerettete Baudenkmäler" eine Rubrik gewidmet, deren Überschrift wie folgt lautet: „Restaurierung des Krieger- und Friedhofsdenkmals der ehemaligen deutschen Bewohner von Železná (Eisendorf)." – In der tschechischen Übersetzung taucht der Name „Eisendorf" überhaupt nicht auf. Bei Gelegenheit sollte man einen früheren Einwohner von „Železná" mit der Frage konfrontieren, in welchem Ort er jetzt eigentlich gelebt hat?

Nachdem man ja nicht unbedingt alles selbst zu wissen braucht bzw. auch nicht kann, übernimmt man daher gerne bereits zusammengestellte Informationen in der Hoffnung, diese könnten inhaltlich auch korrekt sein. Daher nun auch das folgende übernommene Zitat: „Heute (2013) sind von der ursprünglichen Ortschaft Eisendorf nur noch etwa 15 Häuser auf der Ostseite erhalten. Die gesamte Bebauung der Westseite der Ortschaft wurde in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts beseitigt. Die 1718 erbaute St. Barbara-Kirche wurde in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts abgerissen und an ihrer Stelle eine Kaserne errichtet. Am Nordwestufer des Mühlweihers, wo das Schloss früher stand, befindet sich jetzt ein kleiner Park mit einem Pavillon über Kellergewölben, die bei Grabungsarbeiten entdeckt wurden. Ende des 20. Jahrhunderts waren diese für die Öffentlichkeit zugänglich. Später wurde der Eingang wegen Baufälligkeit verschlossen. Um den Mühlweiher herum führt ein Spazierweg. Am Grenzübergang befinden sich ein Duty Free Shop, ein Restaurant, ein Bistro, eine Tankstelle und mehrere von Vietnamesen betriebene Verkaufsstände."

 

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Karl W. Schubsky