„Via Nova“: von Freyung bis zur Landesgrenze

Ressorts: Reiseberichte, Bayern, Region, Hintergrund, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Montag, 13 August 2012 15:20

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Der Freyunger Stadtteil Kreuzberg liegt auf 800 Metern und bietet einen weiten Panoramablick über die Landschaft, durch die sich die „Via Nova" bis zur tschechischen Grenze schlängelt

Dies ist der Erfahrungsbericht eines eher beobachtenden Wanderers, auf der Suche nach neuen Eindrücken, um dabei Land und Leute einer ihm bisher nur als „Transitregion" bekannten Gegend auch einmal in Augenschein zu nehmen, keiner der eines suchenden Pilgers, was eigentlich auch möglich wäre, nachdem es hier um einen Teil der „Via Nova" handelt.

 

Nach ihren Organisatoren ist die „VIA NOVA" „ein spiritueller Weg ins 21. Jahrhundert, ein Zeichen für Hoffnung, Frieden und Umkehr zum Leben." Entlang des Weges sind Wallfahrtskirchen und Wegkreuze, „Orte der Kraft und der Ruhe, der Schönheit und Geschichte." Hinein also in eine traditionell gut-katholische Gegend im Naturpark Bayerischer Wald am Übergang zum Böhmerwald, wo sich bei klarem Wetter ein Fernblick bis hin zu den Alpengipfeln unverbaut bietet...vorausgesetzt, man wandert nicht gerade durch das Reschbachtal in Richtung Finsterau.

Freyung im Wald

Freyung trägt den Beinamen die „kleine Stadt am großen Wald" – und dies mit Fug und Recht, denn sie liegt im Südosten der Grenzregion des Bayerischen Waldes. Von Freyung aus sind es 17 Kilometer bis zur tschechischen Grenze und 27 Kilometer bis nach Österreich. Und dies alles bei einer Höhenlage von 654 bis 860 Metern ü.NN. Hinzu kommt, dass die Stadt ein staatlich anerkannter Luftkurort ist, ein Mittelzentrum sowie Hochschulstandort. Auch die Bundeswehr hat hier Garnison bezogen und die Kaserne trägt den Namen „Am Goldenen Steig" in Anknüpfung an den regen Salzhandel zwischen Bayern und Böhmen. Durch Freyung führte Jahrhunderte lang einer der Saumwege, die als „Goldene Steige" berühmt wurden. In Freyung selbst führt der Via Nova-Pilgerweg direkt am Schloss Wolfstein vorbei hinauf zum Stadtkern, wo das „Wolfsteiner Heimatmuseum" zu finden ist. Zum Museum gehört ein weitläufiger Garten mit dem seit 2010 angelegten Themenweg zum „Leben am Goldenen Steig".

In der „kleinen Stadt" hat man aber viel Großes vor und daher engagiert man sich hier, neben allen ihren anderen Highlights, sehr intensiv um die Vermarktung der Via Nova. Deshalb hat man sich das Via Nova-Motto „Den Blick weiten" besonders zu Herzen genommen. Für den Freyunger Via Nova-Streckenabschnitt, gilt aber vor allem der Leitgedanke des Kreuzberger Kapellenweges, „Weg der Besinnung" genannt, um eben den Blick zu weiten.... Dieser vier Kilometer lange Weg, beschildert mit deutschen und tschechischen Texttafeln, führt mit seinen zehn Stationen um Kreuzberg herum und ist ebenfalls in die Pilgerroute mit integriert. Hier steht auch. die 1599 gestiftete Veit-Kapelle, dem Schutzpatron von Böhmen, Prag, Sachsen und Sizilien zu Ehren.

Kreuzberg an der Via Nova

Kreuzberg, einst eine selbständige Gemeinde, liegt auf einem auf einem 819 Meter hohen Bergkegel und ist das Ziel einer der ältesten St. Anna-Wallfahrten Deutschlands. Am 26. Juli fand auch 2012 wieder eine Sternwallfahrt nach Kreuzberg auf den „Anna-Berg" statt. Dafür kamen selbst aus dem über 20 Kilomter entfernten Spiegelau Wallfahrer mit ihrer Traditionsfahne anmarschiert. Die örtliche Dominante Kreuzbergs bildet die 1517 geweihte St. Anna-Kirche.

Wenn das rund vier Kilometer entfernte Freyung sowie die Umgebung unter dichtem Nebel verborgen und eingehüllt liegen, dann zeichnen sich Kreuzbergs Konturen beim Vorbeifahren noch immer klar und scharf vor dem Horizont ab, da es Freyung um „Haupteslänge" überragt. Dies bedeutet klare Sicht auf die Bayerwald- und Böhmerwaldberge. – Lassen wir aber die winterlichen Zustände einmal außen vor. Hierzu ließe sich bemerken: Ski und Rodel gut!

Für Cineasten: Im September 1960 wurden in Kreuzberg Szenen für den Film „Der Gauner und der liebe Gott" gedreht. Während dreier Wochen verwandelten damals Filmemacher Kreuzberg in das Filmdorf „Seebrücken".

Den Stempel für ihren Pass finden die „Pilger" im Gasthof „Lebzelter" in der Ortsmitte, im Schatten der Kirche sowie auch eine gute Übernachtungsmöglichkeit, wo die müden Knochen Erholung finden.

Der Weg ist das Ziel

Der Pilgerbegleiter in Kreuzberg heißt übrigens Wolfgang Matzke, den es hierher vor Jahrzehnten verschlagen hat und der sich als „Neuling" daher mit den Gegebenheiten und der Geschichte bestens kundig gemacht hat. Wie meist sind es „Ortsfremde", die ihre Wahlheimat besser kennen und zu schätzen wissen, als dies bei den „Urgesteinen" häufig der Fall ist.

So kennt der Pilgerbegleiter Matzke (alte Pädagogenschule eben) die Wege, Pfade und Steige in der Nachbarschaft um Freyung und weiß auf der Route viel Wissenswertes zu berichten, dabei aber auch die gelegentlich zu leichter Erschöpfung neigenden Wanderer während der Pausen mit an besonderen spirituellen Plätzen abgehaltenen Meditationen wieder kräftemäßig aufzubauen.

Diese Pausen sind bei der zu bewältigenden Strecke, die von Finsterau durch das Reschbachtal mit seinen „Lusengeistern" und Alpakas, vorbei an Zwölfhäuser, nach Mauth und von hier aus durch Vierhäuser mit seiner Johannes-Kapelle nach Kreuzberg führt, auch notwendig. Es ist ein hinauf und wieder hinunter, immer im „Waldschatten". - Dafür gibt es aber auch in Mauth oder Finsterau als Trophäe den Pilgerstempel zum Beweis für die in Kauf genommenen Strapazen. - Das letzte Wegstück der Via Nova, die hier wieder dem „Goldenen Steig" folgt, zeigte nach vorherigen Regenfällen, welche Torturen die alten Pilger oder Wallfahrer auf sich genommen haben: ein steiniger Weg, eine „Via Dolerosa", lag unter den Füßen bis kurz vor Kreuzberg. Dieser letzte Kilometer, zwar ohne Steine im Schuh, dafür aber unterm Schuh, belohnte aber mit seinem Blick auf das hoch oben liegende Kreuzberg und selbst der ansteigende Weg hinauf zum Ruhelager beim „Lebzelter" fiel letztendlich leicht. Somit werden alle für die auf sich genommenen Strapazen, selbst die ungeübteren Wanderer und „Pilger", wahrlich hoch belohnt! Auf Wiedersehen in Freyung!

Und wie heißt es bei Gotthold Ephraim Lessing: „Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als der, der ohne Ziel herumirrt."

 

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Karl W. Schubsky