Neualbenreuth und sein Sibyllenbad in der „Fraisch“

Ressorts: Städte, Reiseberichte, Tschechien, Bayern, Reisen, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Donnerstag, 23 Februar 2012 19:37

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Im Grenzgebiet der Oberpfalz liegt an Westböhmen angrenzend der Markt Neualbenreuth mit dem Sibyllenbad.

Ein regionales Gebiet der besonderen Art ist der nicht mehr existierende Verwaltungsbezirk „Fraisch" in der Oberpfalz mit seinem Zentrum, dem Markt Neualbenreuth im Landkreis Tirschenreuth. Zur „Fraisch" gehören eine Reihe kleinerer Ortschaften und Gehöftansammlungen, verteilt über ein Gebiet, das von der bayerisch-böhmischen Grenze durch die Festlegung der Staatsgrenze im Jahre 1862 endgültig in zwei Teile aufgeteilt worden ist. Der Hausberg ist der Tillenberg oder Dyleň, mit seinen 939 Metern die zweithöchste Erhebung im Oberpfälzer Wald.. Die Bewohner von Neualbenreuth bezeichnen sich selbst, laut 1. Bürgermeister Albert Köstler, als „Egerländer".

 

Natürlich könnte man die Frage stellen, weshalb „Egerländer", aber die Fraisch war eben ein „Wechselgebiet", das teils zur Reichstadt Eger, teils zum Kloster Waldsassen gehörte. Beide Herrschaften wechselten sich jährlich in der Ausübung der „Hohen Gerichtsbarkeit" ab. - Somit könnte die über Jahrhunderte andauernde „Wechselwirkung" als eine Art frühe „EFTA", also kleine Freihandelszone, bezeichnet werden. Eigentlich herrschten hier bereits heutige europäisch-unionistische Zustände und der Hauptstadt-Bürgermeister weist in seiner bescheidenen egerländer Art immer wieder gerne darauf hin, dass seine Marktgemeinde schließlich geographisch auch „am Mittelpunkt Europas" liege. Andererseits darf dabei nicht unberücksichtigt bleiben, dass hier nicht nur beiderseits der heutigen Grenze die gleiche Sprache gesprochen wurde, sondern die politische Lage von damals mit der heutigen nicht vergleichbar ist. Von verwandtschaftlichen Beziehungen einmal zu schweigen.

Das Sibyllenbad

Genau hier liegt der Markt Neualbenreuth mit seinem Sibyllenbad, die Therme der Oberpfalz - und bislang auch das einzige Kur- und Heilbad im Regierungsbezirk. Es grenzt unmittelbar an das westböhmische Bädergebiet an und hält direkten Blickkontakt nach Bad Königswart, Marienbad und Franzensbad. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass man sich in Neualbenreuth-Sibyllenbad in gewisser Form den westböhmischen Kurtraditionen verpflichtet fühlt, denn immerhin wurde hier bereits 1689 der erste Säuerling in der Gegend um Neualbenreuth gefasst, von dessen Wirkung schon Goethe zu berichten wusste, der bekanntlich öfter im benachbarten Eger zu Besuch war. Das Sibyllenbad besitzt eine seltene Kombination an Heilwässern. Da wären einmal die radonhaltige Katharinenquelle und die kohlesäuremineralhaltige Sibyllenquelle. - Beide Quellen sind offiziell als staatliche Heilquellen anerkannt und werden „zur Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychovegetativen Erschöpfungszuständen angewandt."

Was lag also näher, als den Versuch zu starten, die sprudelnden Gesundheitswässer in sprudelnde Einnahmequellen umzusetzen? So wurde im Jahre 1994 der Grundstein für das Kurmittelhaus gelegt, dem folgte 1996 die staatliche Anerkennung der Sibyllenquelle als „Heilquelle" sowie die Eröffnung des Kurmittelhauses Sibyllenbad. Die Anerkennung als Heilquellenkurbetrieb sowie die Eröffnung des orientalischen Badetempels kamen im darauffolgenden Jahr. In diesem Jahr, also 1997, besuchten bereits 200.000 Besucher das Bad. Von diesem Erfolg, das jüngste Kurbad Deutschlands zu sein motiviert, ging es an die Erweiterung der Kurlandschaft. So eröffnete man am 6. Dezember 2006 die „Wellnesslandschaft" mit ihren sieben unterschiedlichen Saunen sowie einem Dampfbad in der Form eines türkischen Hamams mit verschiedenen Ruheräumen. Hinzu kam ein Whirlpool im Außenbereich des Kurmittelhauses. Neben dem Wellnessbereich bietet das Bad auch eine medizinische Abteilung mit Fango, physikalischer Therapie, Massagen und alternative Heilmethoden an. Da bekanntlich in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist ruhen soll liegt es nahe, mit wechselnden Ausstellungen von Werken regionaler Künstler die Attraktivität des Sibyllenbades zu erhöhen.

Werfen wir nun noch einen Blick in den Jahresbericht der Gästeinformation von Neualbenreuth-Sibyllenbad in dem es unter anderem heißt: „Im Jahr 2010 ist bei den Übernachtungszahlen ein Zuwachs von 97.246 auf 100.488 zu verzeichnen, ein Plus von 3,3 Prozent. Die Gästeankünfte stiegen um 3,3 Prozent von 23.085 auf 24.842. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 4,2 Tagen." Weiterhin steht darin geschrieben:

„Geht man von den durchschnittlichen Tagesausgaben der Erholungsurlauber von 67,00 Euro pro Person aus, bedeutet dies bei 97.246 Übernachtungen einen Umsatz in unserer Region von etwa 6,73 Millionen Euro. Hinzu kommen die zahlreichen Tagesgäste."

Was sagt uns dies alles? Es ist auch noch heute durchaus möglich, in einer beinahe einsam gelegenen, malerischen Naturlandschaft, abseits des Verkehrslärms, eine Oase der Erholung zu schaffen, die zwar klein und überschaubar ist, sich aber trotzdem mit der größeren und bekannteren westböhmischen Bäder-Landschaft messen kann, zu der das Sibyllenbad aber irgendwie doch auch gezählt werden kann.

 

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Karl W. Schubsky