Minibrauerei Groll hält an der Biertradition fest

Ressorts: Städte, Reiseberichte, Tschechien, Hintergrund, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Sonntag, 16 Dezember 2012 14:12

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Vor 170 Jahren zeigte der Bayer Josef Groll den Pilsnern, was unter bayerischem Reinheitsgebot zu verstehen ist. Das CeBB in der Oberpfalz unterstützt „Maßgebend" Pilsen auf dem langen Weg zur Kulturhauptstadt.

Man darf doch wohl ohne zur Übertreibung zu neigen behaupten, dass die Stadt Pilsen in der gesamten Bier-Welt ein gerüttelt Maß an Ansehen genießt. Nun ist die Maß ja eigentlich ein mehr ureigenes bayerisches Quantum, aber zwei Halbe gehen ja auch auf die Maß. Und nicht nur in Pilsen gehen zahllose frischgezapfte Halbe über die Theken, für deren Ausschank die ortsansässigen „Hospodianten" Sorge tragen, für deren reibungslose Belieferung aber die „lokalen" Brauereien zuständig sind. Wer also etwas über das alte bayerische Vorgehen beim Bierbrauen lernen möchte, der komme nach Pilsen – und lasse dann das Fahrzeug aber vorsichtshalber stehen.

 

Eine gemischte deutsch-tschechische Journalistengruppe hatte das einfacher, denn sie folgte einer Einladung westböhmischer Kollegen nach Pilsen, um hier mehr von der einheimischen Braukunst „ertrinken" zu können. Daher gab es auch einen Sammelbus ab Schönsee. - Und damit der weitere Gang nach dem Biertest nicht etwa ins Torkeln geriet, fand die Unterbringung gleich in einer Brauerei selbst statt, also über den „Sudtöpfen". Dies ist in der Pilsner Minibrauerei Groll nämlich durchaus gängig, nach dem Biertest problemlos seinen Weg zu Bett zu finden. Die kleine Pivovar an der Miesa trägt ihren Namen nach dem Vilshofener Josef Groll. Hier lernten die normalerweise abstinenten Journalisten, nach einem gepflegten böhmischen Abendessen und dem dazugehörigen Groll'schen Hausbräu, etwas über den namengebenden niederbayerischen Bierbrauer Josef Groll und seine Braukunst, zu der natürlich der Saazer Hopfen unumgänglich gehört. Und während ihrer Brauereiführung erklärte die Dame des Hauses, dass Josef Groll am 5. Oktober 1842 zum ersten Mal die Sudpfanne im neu errichteten Bürgerbrauhaus in Pilsen angeheizt und ein neues untergäriges Bier erfunden habe. Einen Monat später wurde Grolls Bier erstmals in einigen Pilsner Gaststätten ausgeschenkt. „Hell geröstete Maische verleiht dem Getränk eine goldgelbe Farbe, edler Saazer-Hopfen eine charakteristische bittere Note. Den Bürgern schmeckt's."

Die Pivovar Groll braut rund 1.000 Hektoliter Gerstensaft jährlich, der sich auch verflüssigt. Sie ist in einer historischen Brauerei untergebracht, verfügt über einen Biergarten und, was besonders von Vorteil für die Gäste ist, eine angeschlossene Pension, direkt über dem Brauhaus. Hier können sich erschöpfte Bierkoster bzw. Tester notfalls auch einmieten und gegebenenfalls ihren Rausch ausschlafen. Die rustikalen Zimmer im Dachgeschoss sind modern eingerichtet und komfortabel. Hochaufgeschossene sollten allerdings auf die Köpfe achten. Falls es daher bei „Groll" zu Kopfschmerzen kommt, muss das nicht etwa am Bierkonsum in der Brauerei liegen, sondern könnte auch einen anderen Hintergrund haben. - Die gemischte Journalistenfraktion genoss den Aufenthalt bei Groll und lernte hier nicht nur, dass in Pilsen seit einiger Zeit auch andere Brauereien durchaus existieren können, selbst wenn sie in Sichtweite der mächtigen „Urquell" liegen, sondern auch mehr über grenzübergreifende Zusammenarbeit. Es ist immer gut, die Kollegen zu kennen – und dann auch besser zu verstehen.

Die Pivovar Groll liegt 800 Meter entfernt von der Großen Synagoge und 500 Meter sind es bis zur Pilsner Urquell Brauerei. In einer Entfernung von 200 Metern fährt der Bus ab, zum Pilsner Hauptbahnhof sind es von der Penzion - Pivovar Groll 500 Meter – also alles beisammen..

 

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Karl W. Schubsky