Das Wasser von der Eger verbindet Menschen und Orte

Ressorts: Reiseberichte, Tschechien, Bayern, Hintergrund, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Sonntag, 10 Mai 2015 10:13

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An der „offiziellen" Quelle der Eger im Fichtelgebirge trafen sich bayerische und böhmische Egerländer und feierten gemeinsam. – Christliche Geistliche aus Leitmeritz und Weißenstadt weihten gemeinsam mit zahlreichen Gästen aus Oberfranken und der Tschechischen Republik das Wasser der Eger. – Böhmisches Bier und Buchteln sorgten für die weitere Einstimmung.

 

Im bewaldeten und wassereichenen Fichtelgebirge entspringen mehrere Flüsse und verteilen ihr Wasser in alle vier Himmelsrichtungen. Bekanntlich nimmt Wasser keinerlei Rücksichten auf menschliche Grenzziehungen und ist damit eigentlich auch ein im wahrsten Sinne des Wortes verbindendes Element bei fließenden Grenzziehungen. Die im Fichtelgebirge oberhalb von Weißenstadt entspringende Eger durchfließt eine vielfältige völkerverbindende Kulturlandschaft, die auch durch vorhandenen Rad- und Wanderwege noch enger verbunden wird, die vom Fichtelgebirgeverein (FGV) und vom Klub Tschechischer Touristen (KCT) angelegt wurden oder noch weiter ausgebaut werden. So besteht die Absicht, einen Radweg von der Eger-Quelle bis zur Einmündung in die Elbe bei Leitmeritz anzulegen. – Steht dabei vielleicht die Wanderung entlang der Eger von ihrer Quelle bis zur Mündung um 1840 von Prof. Dr. Karl Heinrich Wilhelm Münnich als Vater des Gedankens Pate? - Für die Bewohner des Egertals auf tschechischer Seite war die Egerquelle lange Jahre unerreichbar und besaß daher für sie beinahe eine Art mystische Bedeutung.

Dies wurde deutlich, als an einem herrlichen „egerländer Frühsommertag" im April, an dem passend zu einer grenzübergreifenden deutsch-tschechischen Veranstaltung, zu der zahlreiche in mehreren Bussen und zahlreichen PKWs angereiste böhmische Egeranwohner bis hinunter nach Leitmeritz gekommen waren, ein konstanter „Böhmischer" wehte, wodurch diese sich gleich noch heimischer fühlen konnten. Größtenteils kamen die Böhmen tschechischer Zunge aus denjenigen Städten entlang des Flusses angereist, die auf den Steinen der Quelleinfassung mit ihren deutschen Namen zu lesen sind. – Der Kopfstein symbolisiert natürlich die Hauptstadt der Region Egerland, nämlich die Stadt Eger. - Organisiert hatten diese Begegnung an der Quelle der Eger der tschechische Tourismusverband „Dolní Poohří" - „Niederegertal" mit Sitz in Saaz, die Kur-& Tourist-Information Weißenstadt sowie die Tourismuskoordination Nördliches Fichtelgebirge.

An dieser Feier nahmen auch politische Vertreter sowie zwei religiöse Repräsentanten teil. Letztere, Vikar Martin Davidek vom Bistum Leitmeritz und der Weißenstädter evangelische Pfarrer Hermann Münch übernahmen quasi die Verantwortung dafür, daß die Quelle als Symbol für den gesamten Flussverlaufes den Zusammenhalt der deutsch-tschechischen Nachbarschaft „segensreich" noch weiter vertiefen soll. Schließlich heißt es ja auch: Aller Segen kommt von oben! – Und auch die Eger kommt aus den Höhen des Fichtelgebirges und sorgte über die Jahrhunderte mit ihrer Wasserkraft für wirtschaftliche und landwirtschaftliche Prosperität, manchmal allerdings zeigte sie sich auch mit ihren Eisgängen während der Frühjahrsschmelze sehr „ungehalten" und verursachte dabei verheerende Schäden.

Grußworte auf Deutsch und Tschechisch wurden gesprochen und der Heimatkundereferent Dietmar Herrmann vom Fichtelgebirgsverein erzählte den Teilnehmern etwas über die Geschichte des Flusses Eger: Der Flussname wird erstmalig im Jahr 805 im Chronicon Moissiancense als „Agara" genannt, eine mittelalterliche Handschrift in lateinischer Sprache, in der nach Jahren geordnet Ereignisse aus dem Fränkischen Reich niedergeschrieben wurden.

Somit sind es nun 1210 Jahre der Ersterwähnung, Grund genug, noch weitere Veranstaltungen im Jahreslauf anzuknüpfen. - Die erste Veranstaltung anlässlich der Namenserstnennung fand im April an der Quelle selbst statt, der weitere Veranstaltungen in Kaaden und in Leitmeritz folgen sollen.

Die zahlreichen tschechischen und deutschen Besucher zeigten sehr viel Interesse an den regionalen Prospekten und nahmen diese auch zahlreich mit. Die Imagebroschüre der kommunalen Allianz begeisterte auch ohne tschechische Übersetzung dank der vielen Fotos. Der Tourismusverband „Dolní Poohří" präsentierte die „Region Niederegertal" mit einer kleinen Ausstellung, warb ebenfalls mit Informationsmaterialien und vertiefte die entstandenen Eindrücke durch Saazer Bier, untermauert mit böhmischen Buchteln. Es entstanden bei der Feier an der Eger-Quelle viele persönliche neue Kontakte, welche für eine weitere Zusammenarbeit ja wichtig sind.

Besonders eindrucksvoll war für die tschechischen Besucher die Anwesenheit eines echten „Eghalanders" mit allem Drum und Dran – und zum Anfassen! Zusammen mit diesem „Original" ließ man sich gerne am Stein der Eger-Quelle zur Erinnerung an das Zusammensein ablichten – oder aber auf Tschechisch vielleicht „Mobilisieren", wenn die Aufnahmen über ein Handy entstanden.

 

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Karl W. Schubsky