Burg Hohenberg an der Eger

Ressorts: Städte, Reiseberichte, Bayern, Tourismus

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Montag, 26 März 2012 13:39

Empfehlen

Artikel drucken

Die Hohenberger Burg ist eine uralte Festung an der bayerisch-böhmischen Grenze, wo sie einmal der Bewachung des Passes von Schirnding und der von Prag nach Nürnberg führenden Handelsstraße diente.

Vor Jahrzehnten hatte die Augsburger Puppenkiste in ihrem Programm den Vierteiler „Bill Bo und seine Bande", oder so ähnlich. Es handelte sich um die Geschichte einer Räuberbande am Rhein, deren Hautmann Bill Bo hieß. Dieser pflegte seinen Miträubern stets seinen Lieblingswunsch zum Ausdruck zu bringen, indem er sagte: „Ich will eine Bursch [Burg], mit Mauern so dick wie du lang!" Kindheitserinnerungen setzen sich irgendwie im Laufe der Jahrzehnte im Unterbewusstsein fest, aber der Anblick der Burg Hohenberg schwemmte diese Erinnerung wieder ins Bewusstsein.

 

Das Alter der Burg in Hohenberg ist nicht genau bestimmbar, aber die beinahe noch vollständig erhaltene Anlage kann auf eine lange, lange Geschichte zurückblicken. Eigentlich befindet sich in den alten Gemäuern der Burg Hohenberg heutzutage ein Landschulheim, aber aufgrund ihrer Bauweise, mit einem direkten Zugang über die ehemalige Zugbrücke, ist sie nur durch den Torturm durch die ebenfalls ummauerte Vorburg zugänglich, daher der perfekte Veranstaltungsort von Seminaren jeglicher Art. Sind die Tore verschlossen, ist die Anlage eine fast isolierte Einrichtung, fast ausbruchsicher. Ob Schulklassen, internationale Gruppen oder eben deutsch-tschechische Begegnungsseminare, für sie alle ist Unterkunft innerhalb der alten, hoch über der Eger gelegenen ummauerten Burganlage. Das Landschulheim Burg Hohenberg ist mit sämtlichen notwendigen Einrichtungen ausgestattet, die für Gruppenarbeiten notwendig sind. Vom Verteidigungsstandpunkt her gesehen befindet sich die Gesamtanlage in einem optimalen Zustand mit ausgezeichneten Kontrollmöglichkeiten. - Pädagogisch hilfreich, daher so wertvoll, ist die in einem der ehemaligen Geschütztürmen untergebrachte Folterkammer! Hier könnten z. B. auch viele Paare entspannende Möglichkeiten an Wochenenden finden.

Die Burg als solche

Die gesamte Burg von Hohenberg steht auf einer Felskuppe 125 Meter über der Eger im Sechsämterland, in direkter Nachbarschaft zur tschechischen Grenze. Der Ausblick reicht weit in die Umgebung und tief hinein in das westböhmische Egerland. Hohenberg war nach der Plassenburg über Kulmbach die wichtigste Festungsanlage der einstigen Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth. Über sehr viele lange Jahre sicherte die Befestigungsanlage den einst verkehrstechnisch und strategisch wichtigen Pass von Schirnding, „der den Zugang von der Fichtelgebirgshochfläche zum Egerer Becken und damit nach Böhmen vermittelte. Die Burg entstand in staufischer Zeit im Zusammenhang mit der Sicherung der Reichsburg Eger; der Ortsname erschien erstmals 1222 mit einem als Urkundenzeugen auftretenden Berchtoldus de honberg. Um 1300 gelangte Hohenberg an die Burggrafen von Nürnberg, die ihre ältesten Erwerbungen im Egerland im Amt Wunsiedel/Hohenberg zusammenfassten." 1433 widerstand die Burg selbst den Hussiten und auch beim Einfall der Böhmen 1462 konnte sie nicht erobert werden.

In ihren wesentlichen Bestandteilen, wie der Ringmauer und den Rundtürmen bzw. den sog. „Stucktürmen", entstand die Anlage um 1480. Zwischen 1499 und 1504 wurde die Vorburg erbaut. „In den Jahren 1621 und 1622 ließ Markgraf Christian mächtige, mit sieben Bastionen versehene Erdwälle um die Burg schütten, die mit Palisaden zusätzlich befestigt wurden. Diese Vorkehrungen nützten allerdings wenig, als im Juni 1632 kaiserliche Truppen den Pass von Schirnding einnahmen, das Grenzhaus Hohenberg eroberten und drei Jahre lang besetzt hielten." Danach verlor die Burg ihre strategische Bedeutung. Ab 1666 wurde sie als Jagdschloss genutzt und daher von Markgraf Christian Ernst das Fürstenhaus errichtet, ein Gebäude mit angebautem Küchentrakt und einem Wohnhaus für den Amtmann. Bis 1799 war mit dem Privileg einer kaiserlichen Freistätte ausgestattet, von der noch steinerne Säulen geben, die einmal an den Eingangswegen des Ortes standen und damit einen Schutzbereich anzeigten. Wer den Schutzbereich erreichte, stand im Asyl des Kaisers und war zunächst frei von Verfolgung. 1791 kamen Markgrafschaft zum Königreich Preußen und 1810 zum Königreich Bayern. „Seit 1936 gehörte die Burg dem NS-Lehrerbund und war Landschulheim. Am Ende des Zweiten Weltkriegs im April 1945 fielen einige Wehrtürme, die Vorburg sowie ein Drittel des Ortes dem Beschuss amerikanischer Truppen zum Opfer, als SS-Truppen den Ort verteidigten." Ab 1951 begann der allmähliche Wiederaufbau der Burganlage durch den bayerischen Staat.

Heute dient die Burg Hohenberg als Jugendherberge und Begegnungs- und Tagungsstätte des Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerks, wofür 1984/1985 auch die Vorburg wieder aufgebaut wieder, die jetzt vorwiegend als Jugendgäste- bzw. Seminarhaus genutzt wird. Das im alten Stil neu errichtete Gebäude verfügt über 35 Betten in Ein- und Zweibettzimmern. Im Erdgeschoss liegt ein Saal für Seminare und Tagungen, ausgestattet mit einer großen Leinwand und einer Videobeamer-Anlage. Im weithin sichtbare Hauptgebäude der Burg, dem Fürstenhaus, speisen alle Gäste. Auch die Jugendherberge im Fürstenhaus verfügt über 70 Betten in Ein- bis Achtbettzimmern und dazu zwei große Gruppenräume. Auch im ehemaligen Gefängnisturm, in dem einst das Burggefängnis und die Folterkammer untergebracht waren, stehen insgesamt 35 Betten. Diese Turmanlage wurde 2010/2011 modernisiert.

Burg Hohenberg ist somit ein idealer Ort für Begegnungen jedweder Art an der Grenze, seien es tschechische Schulklassen aus den Nachbargemeinden, die sich hier mit befreundeten Klassen aus Bayern treffen oder aber von noch weiter her in das Schullandheim kommen. Einst war die Burg beinahe uneinnehmbar, heute wird sie regelmäßig von den Schulklassen und Seminargruppen erstürmt.

 

Über den Autor

Karl W. Schubsky