Gespräche zur weiteren Verbesserung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Niederbayern und Südböhmen

Verbesserung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit

Ressorts: Bayern, Tschechien, Europa, Politik, Region

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Dienstag, 13 Oktober 2015 10:17

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Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Vorsitzender des „Europaregion Donau Moldau e. V." in Niederbayern, traf sich vor kurzem zusammen mit einer Delegation der Freyunger Geschäftsstelle der Europaregion Donau Moldau und Euregio mit Jiři Zimola, Kreishauptmann der Region Südböhmen (Republik Tschechien), in Budweis zu einem Gedankenaustausch zur Erweiterung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit und Verbesserung der Regionalentwicklung.

 

Eines der Hauptthemen waren die Hochschulkooperationen zwischen Südböhmen und Niederbayern, die sich seit dem letzten Treffen der Gesprächspartner vor etwas mehr als einem Jahr außerordentlich positiv entwickelt haben. Die Universität Budweis erwies sich mit acht Fakultäten als starker Hochschulpartner. 2015 fand eine gemeinsame Veranstaltung mit der „Wissensplattform Hochschulen" der Europaregion Donau Moldau an der deutsch-tschechischen Grenze in Nove Udoli statt – dies soll 2016 wiederholt werden.

Außerdem wurde im Juli dieses Jahres eine Forschungskonferenz des Technologie-Campus Grafenau mit der Management-Fakultät der Wirtschaftsuniversität Prag im böhmischen Jindřichův Hradec (Neuhaus) durchgeführt.

Gemeinsame EU-Projekte der Hochschulen

Große Übereinstimmung gab es zwischen den Gesprächspartnern, die Zusammenarbeit der Hochschulen in Zukunft weiter zu intensivieren. So ist vorgesehen, dass die Universitäten Passau und Budweis gemeinsame EU-Projekte planen und die „Geschichtsbausteine Bayern-Böhmen" weiterführen. In Vorbereitung auf die „Interreg-Programmperiode 2014 – 2020" soll die Technische Hochschule Deggendorf Projekte mit den südböhmischen Hochschuleinrichtungen ausarbeiten.

„Diese und andere aussichtsreiche Entwicklungen im Bereich der Hochschulkooperationen machen die Gründung einer bayerisch-tschechischen Hochschule mehr als nur denkbar", legte Dr. Heinrich dar. Jiři Zimola betonte, dass er solche Pläne begrüßen würde und ergänzte, dass die Kooperationen nicht nur auf Hochschulen beschränkt bleiben, sondern auf Mittel- und Grundschulen ausgedehnt werden sollten. Um gemeinsame, langfristige Ziele zu erreichen und nachhaltig zu gestalten, müssten Sprachbarrieren abgebaut werden. „Dabei sollten wir schon bei den Kleinsten beginnen", so Zimola. Dies könne beispielsweise durch eine gemeinsame „Sprachoffensive" realisiert werden, um Kindern die Sprache des jeweils anderen Landes zu näher bringen. "Ideal wäre natürlich, wenn ein Zentrum für Sprachkompetenz im Grenzraum eingerichtet werden könnte", so Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich.

Entscheidender infrastruktureller Lückenschluss

Ein entscheidender Faktor für die regionale Entwicklung beidseits der Grenze sei das Schließen von infrastrukturellen Lücken, erläuterten Dr. Heinrich und Euregio-Geschäftsführer Kaspar Sammer im weiteren Verlauf des Gesprächs. Dazu gehöre auf tschechischer Seite der Aus- beziehungsweise Weiterbau der Schnellstraße R4, die an die B12 bei Philippsreut anschließen solle.

Zu den sogenannten „Missing Links" zählt zudem die Ilztalbahn mit der Strecke Nove Udoli nach Waldkirchen. Dazu Kreishauptmann Zimola: „Zum Thema Bahnverbindungen nach Niederbayern gibt es derzeit Gespräche mit unserem Verkehrsminister". Südböhmen werde sich für den Lückenschluss insbesondere der Bahnverbindung nach Waldkirchen aussprechen und sich in weiteren Fragen mit der „Wissensplattform Verkehr" der Europaregion Donau Moldau abstimmen. In dem vergangen Jahren wurde die Bahnverbindung nach Nove Udoli von tschechischer Seite mit hohen Investitionen Schritt für Schritt ertüchtigt.

Zentrales Thema Gesundheit

Als Projekt für die Zukunft schlug Jiři Zimola eine Kooperation im Gesundheitsbereich vor. Wünschenswert wäre es in seinen Augen beispielsweise, dass rechtliche und organisatorische Hemmnisse abgebaut werden damit Rettungsdienste sowohl in Südböhmen als auch in Niederbayern Patienten grenzübergreifend in die entsprechenden Kliniken und Krankenhäuser bringen können. Bezirkstagspräsident Dr. Heinrich sagte zu diese Idee aufzugreifen und auf einer Fachkonferenz konkrete Verbesserungsvorschläge erarbeiten zu lassen. "Entscheidend ist für den Patienten, gerade im Notfall, nicht wo sondern wie schnell und wie gut er versorgt wird."

Ausbau von Temelin liegt aktuell auf Eis

Auch das sensible Thema „Ausbau Kernkraftwerk Temelin" sprach Bezirkstagspräsident Dr. Heinrich bei dem Treffen an. Dazu gab Jiři Zimola vorläufige Entwarnung: Der nationale Aktionsplan der tschechischen Regierung sieht die Fertigstellung unter anderem des Kernkraftwerks Temelin vor. Die Erweiterung um zwei zusätzliche Reaktoren liege aber bis auf weiteres auf Eis. Auch die Suche nach einem Endlager würde in Südböhmen nicht vorangetrieben werden. Es fänden keine Bohrungen zu diesem Zweck in der Region statt. Sowohl der Ausbau des Kraftwerks Temelin als auch die Errichtung eines Endlagers in der Region fänden nicht die Zustimmung des Bezirks Südböhmen und der betroffenen Gemeinden.

 

Quelle(n)

Bezirk Niederbayern