Eine Ausstellung in Kooperation mit engagierten Flüchtlingshelfern vom 24. November bis 17. Januar 2016 im Egerland-Museum in Marktredwitz

Nicht nur zu Weihnachtszeit!

Ressorts: Bayern, Oberpfalz, Interkulturell, Museen und Galerien, Region, Kultur, Ausstellung

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Mittwoch, 09 Dezember 2015 06:53

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Unter dem Titel „Nicht nur zur Weihnachtszeit!" ist im Egerland-Museum Marktredwitz eine Ausstellung zu sehen, die wie keine andere den Nerv der Zeit trifft. Sie spannt einen Bogen von der biblischen Weihnachtsgeschichte über die Vertreibung der Egerländer nach 1945 bis hin zur Flucht der Syrer nach Europa in unseren Tagen. Dementsprechend besitzt die Ausstellung drei Teile, in die Inszenierungen sowie Flüchtlingsschicksale eingebunden sind.

Flucht und Vertreibung sind also nicht abhängig von der Jahreszeit sondern davon, dass Menschen andere Menschen aus irgendwelchen Gründen oder Motivationen heraus verfolgen, verjagen und zur Flucht drängen. Diese Themen begleiten uns durch die ganze bekannte Menschengeschichte, betreffen Religionsgruppen oder ganze Völker, wie es in der Moderne an der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ersichtlich ist. Über 200 Besucher kamen ins Egerland-Museum, um bei der Eröffnung der Ausstellung "Nicht nur zur Weihnachtszeit" mit dabei zu sein. Museumsleiter Volker Dittmar hob dabei hervor: "Flucht und Vertreibung sind keine neuen Probleme. Bereits in der Bibel wird von flüchtenden Menschen und Familien berichtet."

 

Marktredwitz Oberbürgermeister Oliver Weigel verdeutlichte Aktualität der Ausstellung, die genau zu der Zeit entstanden sei, als die Stadt vor die Herausforderung gestellt wurde, innerhalb kürzester Zeit 100 Flüchtlingen ein sicheres Zuhause zu geben, ein kleines Stückchen heile Welt zu bieten. Und dies sei mit der Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer gelungen. Die Ausstellung, so der OB, spanne einen Bogen von der biblischen Weihnachtsgeschichte über die Vertreibung der Egerländer bis hin zu den Flüchtlingen dieser Tage. Der Oberbürgermeister betonte: "Es ist eine Ausstellung am Puls der Zeit." Ausdrücklich dankte er Museumsleiter Volker Dittmar, der mit seinem engagierten Team innerhalb kürzester Zeit und großem persönlichen Einsatz das Projekt verwirklichte.

Der Bundesvüarstäiha der Egerländer Alfred Baumgartner meinte, die Ausstellung treffe "voll den Nerv der Zeit". Baumgartner: "Alles zurücklassen, flüchten, dies haben auch die Egerländer erlebt." Vertreibung ist Kernthema der Dauerausstellung im Egerland-Museum, erläuterte dessen Leiter Volker Dittmar. "Wir müssen auch jetzt wieder über unseren Tellerrand blicken und uns den aktuellen Ereignissen stellen." Dittmar erinnerte daran, "dass einst auch Maria, Josef und der kleine Jesus politisch Verfolgte waren und von Bethlehem aus nach Ägypten flüchten mussten". Die Ausstellung wolle keinesfalls polarisieren oder gar polemisieren, sondern konzentriere sich auf konkrete Einzel- und Familienschicksale.

Durchgangslager Wiesau

Die Ausstellung hat drei Themenbereiche: von der biblischen Weihnachtsgeschichte über die Vertreibung der Egerländer bis hin zur Flucht von Syrern nach Europa in der Gegenwart. So erinnert die Ausstellung auch an das Durchgangslager in Wiesau. Die Gemeinde hatte 1946 rund 2700 Einwohner und nahezu ebenso viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern und dem Sudetenland. Insgesamt durchliefen das Lager Wiesau 1946 über 570 000 Menschen. Eine ungeheure logistische Leistung und Belastung für die Bürger dort.

Ein Teil der Ausstellung informiert über den Dachdecker Ernst Heinz. Der Egerländer kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Fahrenbach und gründete 1949 in Furthammer einen neuen Betrieb. Weitere positive Beispiele fügte Dittmar an, wie Flüchtlinge sich am Aufbau Deutschlands beteiligten.

"Von Syrien nach Europa bis nach Marktredwitz" lautet der Untertitel einer weiteren Präsentation. Erlebnisberichte von betroffenen Flüchtlingen ergänzen diesen Teil.

 

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