Neue Perspektiven für innovative Kleinstadtentwicklung im Grenzraum

Ressorts: Bayern, Tschechien, Europa, Politik, Region

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Freitag, 30 Oktober 2015 12:47

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Zu einer ersten Zusammenkunft begrüßte Dr. Olaf Heinrich, niederbayerischer Bezirkstagspräsident und Vorsitzender der Europaregion Donau-Moldau, den neuen Vorsitzenden des Verbands der Städte und Gemeinden des Bezirks Südböhmen (SMOJK) sowie Bürgermeister der Stadt Tábor, Jiří Fišer, in der Innenstadt von Budweis. An dem Treffen nahmen außerdem Vertreter der Europaregion Donau-Moldau mit EUREGIO-Geschäftsführer Kaspar Sammer sowie der zweite Vorsitzende des SMOJK Karel Matějka teil. Das Ziel des Gesprächs war, den SMOJK von den enormen Vorteilen einer klaren Profilierung grenznaher Städte und Gemeinden zu überzeugen und ihn für ein innovatives Projekt zur grenzüberschreitenden Regionalentwicklung zu gewinnen.

 

Bisher keine grenzüberschreitende Koordination

„Kommunen müssen in die Lage versetzt werden, ihre Zukunftsentwicklung aktiv und bewusst zu steuern", legte Dr. Heinrich dar. Jiří Fišer räumte ein, dass viele Grenzgemeinden die gleichen Probleme wie die Kommunen im niederbayerischen Grenzraum hätten und dennoch gäbe es bisher keine gemeinsame Koordination. Dies müsse sich ändern. Um substanzielle Synergie-Effekte auf beiden Seiten der Grenze zu schaffen, müsse man sich zunächst „den Grenzverlauf wegdenken".

„Um Stärken von Gemeinden auszubauen und hervorzuheben – sei es nun im Bereich Tourismus, bei der Infrastruktur oder Energie – bedarf es einer systematischen, selektiven und vor allem gemeinsamen Vorgehensweise", so Dr. Heinrich. Statt dem Bestreben in allen Bereichen erfolgreich zu sein, sollten Alleinstellungsmerkmale der jeweiligen Kommune herausgearbeitet und auf diesem Weg eine „klare Marke" entwickelt werden.

Akademie für grenzüberschreitende Regionalentwicklung

Die Grundlage hierfür könnte eine Plattform schaffen, die Kompetenzen im Bereich der grenzübergreifenden Regionalentwicklung ausbildet. Ähnliche Einrichtungen gibt es bereits im schwäbischen Thierhaupten, in Plankstetten in der Oberpfalz und im oberfränkischen Klosterlangheim. „Anders als die drei bereits bestehenden ‚Schulen für Dorf- und Landentwicklung' in Bayern, sollte der Schwerpunkt im niederbayerischen Grenzraum auf der ‚kommunalen Profilierung' liegen", erläuterte Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich, der selber ausgebildeter Geograph ist. Geprägt wurde dieser Begriff von Prof. Dr. Klaus Kellner von der Hochschule Augsburg. Er beschreibt einen neuen Ansatz für das Consulting in der angewandten Sozial- und Wirtschaftsgeographie sowie Regionalentwicklung.

Förderung aus dem INTERREG-Programm angestrebt

Kommunale Profilierung ins Zentrum des Interesses zu rücken, dränge sich geradezu auf, ergänzte Kaspar Sammer von EUREGIO. Es gäbe zahlreiche Gemeinsamkeiten beidseits der Grenze und damit maßgebliche Gründe, um Gemeinden auf diesem Gebiet zu qualifizieren – beispielsweise die geographische Lage im Bayerischen Wald sowie vergleichbare wirtschaftliche, demografische und naturräumliche Bedingungen.

„Die Akademie für kommunale Profilierung und grenzüberschreitende Regionalentwicklung in Kreuzberg soll über das neue INTERREG-Programm gefördert und zeitnah umgesetzt werden. Sie wird dem Bezirk Südböhmen ebenso wie der Region Bayerischer Wald die einzigartige Chance bieten, kommunale Profilierung auf wissenschaftlich fundierter Basis im ländlichen Raum voranzubringen", fasste Dr. Heinrich zusammen. „Um optimale Resultate zu erzielen, sollte mittel- beziehungsweise langfristig auch ein Spiegelprojekt auf südböhmischer Seite initiiert werden. Nur dann wird es möglich sein, ausreichende EU-Mittel zu bekommen."

SMOJK-Vorsitzender Fišer zeigte sich interessiert an dem vorgestellten Projekt und an einer gemeinsamen Kooperation zur grenzüberschreitenden Regionalentwicklung. Er sicherte zu, seinem Plenum das Konzept in der nächsten Sitzung vorzustellen.

Zum Abschluss vereinbarten die Gesprächspartner, den Austausch zum Thema Regionalentwicklung Anfang 2016 fortzusetzen.

 

Quelle(n)

Bezirk Niederbayern