Europaregion Donau-Moldau (EDM) in Linz als erste Dreiländerregion der EU feierlich gegründet

„Gute Partitur für ein großes Orchester“

Ressorts: Oberösterreich, Bayern, Oberpfalz, Niederbayern, Österreich, Tschechien, Europa, Politik, Region

Artikelinformationen

Autor

Hermann Höcherl

DATUM

Montag, 02 Juli 2012 19:47

Empfehlen

Artikel drucken

(Foto @Euregio) Mit den Gründungsurkunden  v.l. Landrat und Euregio-Vorsitzender Ludwig Lankl (Niederbayern), Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler (Oberpfalz), Staatsministerin Emilia Müller (Freistaat Bayern), Landesrat Viktor Sigl (Oberösterreich), Landesrätin Barbara Schwarz (Niederösterreich), Kreishauptmann Jiri Zimola (Südböhmen), Vize-Hauptmann Ivo Grüner (Pilsen) und Kreisrat Martin Hysky (Vysocina). 

Nach langen und nicht immer einfachen Jahren der Vorbereitungsarbeit war der 30. Juni 2012 ein „Tag der Emotionen und der Freude". So drückte es der Bezirkstagspräsident der Oberpfalz, Landrat Franz Löffler, aus und so empfanden diesen Tag der Gründung der Europaregion Donau-Moldau wohl alle, die an diesem großen Vorhaben mitgewirkt hatten und dies weiter tun. Symbolträchtig auch der Ort, an dem die Vertreter von sieben Regionen aus drei Ländern – ein Novum in der Europäischen Union – die Statuten der trilateral tätigen Arbeitsgemeinschaft unterzeichneten: ein eleganter bayerischer Dampfer auf der Donau bei Linz in Oberösterreich.

 

Rund 170 Gäste aus der Tschechischen Republik, aus Bayern und Österreich feierten die Gründung und auch das Streicher-Ensemble der Anton Bruckner Privatuniversität trug mit Werken von Mozart. Händel, Dvorak und natürlich dem „Donauwalzer" von Johann Strauß einem internationalen und interkulturellen Flair Rechnung. Und doch sei es irgendwie so, meinte ein Teilnehmer auf dem Deck der „Regina Danubia", als schwebten die Geister der einstigen Donaumonarchie über allem und blickten voller Wohlgefallen herab...

Mitglieder und Strategie

In der Präambel der Statuten, die sich die Europaregion Donau-Moldau nun gab, heißt es zur Zielsetzung: Sie dient dem Ausbau der trilateralen Zusammenarbeit zum Wohle der dort lebenden Menschen, zur Stärkung der Region im Wettbewerb der Regionen und zur Umsetzung des Europäischen Gedankens. Aus der Bundesrepublik, aus Bayern, gehören der Europaregion Niederbayern mit dem oberbayerischen Landkreis Altötting und der Bezirk Oberpfalz an. Mitglieder aus der Tschechischen Republik sind der Kreis Südböhmen, der Kreis Pilsen und der Kreis Vysocina, aus Österreich das Land Oberösterreich und Teile von Niederösterreich (Most- und Waldviertel). Sechs Millionen Menschen leben in diesem gesamten Gebiet.

In ihrem Grußwort hatte Staatsministerin Emilia Müller betont: „Ein Orchester braucht eine vernünftige Partitur!" Die besitzt das „Orchester Europaregion Donau-Moldau" mit ihren Statuten nun ganz offiziell. Die EDM hat als Arbeitsgemeinschaft keine eigene Rechtspersönlichkeit, nach den Statuten arbeiten alle ihre Organe im Rahmen der Rechtsordnung des jeweiligen Landes. Das höchste Organ der EDM ist das Präsidium, in dem jede der sieben Mitgliedsregionen eine Stimme hat. Einstimmigkeit der Beschlüsse ist nötig. Der Vorsitz wechselt jährlich. Ein „Trilaterales Koordinierungsgremium" ist für die Umsetzung der Beschlüsse des Präsidiums verantwortlich.

Stärken – Herausforderungen

Der oberösterreichische Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer hob in seiner Begrüßung auf die Stärken der Europaregion ab: Hier habe die Wirtschaft die Chancen der EU-Osterweiterung rechtzeitig genutzt. Diesen Wachstumsvorsprung gelte es gegenüber anderen Regionen zu sichern. Und in der Tat: 150 000 Arbeitsplätze seien in den letzten 20 Jahren neu geschaffen worden. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 176 Milliarden Euro Kaufkraftstandard (KKS) 2007 hat die EDM eine ähnliche Wirtschaftsleistung wie die Staaten Finnland oder Irland. Unternehmenskooperationen und Cluster bieten gerade den in der EDM stark vertretenen kleineren und mittleren Unternehmen (KMUs) neue Möglichkeiten.

Gute und eng vernetzte Hochschulen und vielfältige Kulturlandschaften sowie eine gemeinsame Geschichte nennt ein „Strategischer Rahmen" als weitere Stärken. Dieser Rahmen soll kein Aktionsplan für die EDM sein, sondern der Vertiefung und dem Ausbau der Beziehungen und bestehenden Kooperationen dienen . Daher wird die EDM in einer Pilotphase von drei bis fünf Jahren selbst keine Projekte durchführen und keinesfalls in Konkurrenz zu bestehenden Trägerschaften und Organisationen treten.

Oberösterreich und Bayern gehörten zu den wirtschaftlich stärksten Regionen Europas und seien ein Erfolgsgarant für die EDM, so auch Staatsministerin Emilia Müller. Und dennoch. Zu den immer drängender werdenden Herausforderungen zählen nicht nur der demographische Wandel verbunden mit Rückgang der Geburtenrate und starker Zuwanderung, sondern gleichbleibend die Probleme der Globalisierung mit einem Wettbewerb der Regionen, der Steigerung des Energiebedarfs bei gleichzeitigen Differenzen um den richtigen Weg dahin.

Doch am Anfang des neuen Weges sollte keine Mutlosigkeit aufkommen: In Wirtschaft und Kultur als Motoren für eine gemeinsame Zukunft, die auf so vieles aufbauen könne, was bislang erreicht wurde, stecke das Potential für Wachstum, so Dr. Josef Pühringer. Marketing nach innen und außen soll den Menschen die Chancen der Europaregion insgesamt und der Regionen in ihr bewusst machen. Und in den Metropolregionen werde keine Konkurrenz gesehen, vielmehr soll gerade ein Miteinander das künftige „Agieren auf Augenhöhe" bewirken, so der Bezirkstagspräsident der Oberpfalz, Franz Löffler. Das Fundament des Hauses EDM sei gegossen, sagte Landesrat Viktor Sigl. Der Bau, die Ausstattung und Erhaltung des Hauses wird die sicher nicht leichte Aufgabe auch künftiger Generationen sein.

 

Über den Autor

Hermann Höcherl