Erinnerung an den 4. März 1919 – Es ging um mehr Rechte für Deutsche

Gedenkfeier zum Tag der Selbstbestimmung

Ressorts: Oberpfalz, Veranstaltung, Region, Hintergrund

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Donnerstag, 08 März 2012 05:19

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Auch heute ist das Recht auf Selbstbestimmung noch immer aktuell. In der CSR forderte im Jahre 1919 das Eintreten für dieses Recht unter der deutschen Bevölkerung 54 Tote und 102 Verletzte.

Der Markt Schirnding liegt am östlichen Rand des Fichtelgebirges im Tal der Röslau, direkt an der tschechischen Grenze. Hier fanden nach 1945 zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene aus dem benachbarten westböhmischen Egerland eine Heimat und suchten einen neuen Anfang, ohne aber die Verbindung an die „Heimat" zu verdrängen. So erinnern sich auch noch immer Jahr für Jahr Zeitzeugen und ihre Nachkommen an Ereignisse, die nach dem Zerfall der Donaumonarchie und der Gründung der Tschechoslowakischen Republik im Frühjahr 1919 die Gemüter ihrer Familien in dem neugeschaffenen Staat heiß bewegten.

 

Die Ereignisse von damals führten mit zu einer weiteren Vertiefung der Kluft zwischen den beiden Nationalitäten der Deutschen und Tschechen im neuen Staat. Gemeint damit sind die Ereignisse im März 1919, als es um den Versuch des deutschen Bevölkerungsteils ging, einen eigenen Staat in den von ihnen bewohnten Gebieten zu schaffen und auf ihr Recht der Selbstbestimmung durch Eigenständigkeit pochte.

Die Märzereignisse im Jahre 1919

Was sind die Fakten? Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson proklamierte 1918 das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Dieses Recht wollten auch die Deutschen im untergegangenen Königreich Böhmen und der neugegründeten Tschechoslowakei für sich in Anspruch nehmen, was ihnen aber verweigert wurde. Daher riefen am 4. März 1919 alle deutschen Parteien zu einem Generalstreik mit friedlichen Kundgebungen auf. Josef Seliger, der Vorsitzende der DSAP, erklärte dazu: „Uns führt nicht Hass gegen das tschechische Volk zusammen... sondern nur die Liebe zu unserem Volk, zu unserer Freiheit und zu unserem Recht...". Tschechische Truppen lösten diese Demonstrationen am Nachmittag gleichzeitig in mehreren Städten mit Waffengewalt auf. Dabei waren 54 Tote und 102 Verletzte zu beklagen: 25 in Kaaden, 16 in Sternberg, sechs in Karlsbad, zwei in Arnau, zwei in Eger, zwei in Mies und einer in Aussig a. d. Elbe. - Unter den Toten waren 20 Frauen und Mädchen, ein 80-Jähriger und Buben im Alter von 14, 13 und elf Jahren. Bereits am 3. März hatte es in Eger zwei Tote gegeben und zwei weitere am 5. März in Karlsbad.

Auch für viele der heutigen Schirndinger sind die Ereignisse des März 1919 nicht vergessen. Daher ist für sie der 4. März ein Tag des Gedenkens. Aus diesem Anlass hatten sie sich an der Gedenkstätte am Schirndinger Friedhof versammelt, um der damaligen Ereignisse zu gedenken. Albrecht Schläger von der Seliger-Gemeinde erinnerte in bewegenden Worten an damals, erinnerte aber gleichzeitig an die Veränderungen der Beziehungen zu den tschechischen Nachbarn und besonders auch an das jetzt bestehende Miteinander gerade im Grenzgebiet. - In Schirnding wird Nachbarschaft aktiv praktiziert, nicht nur im Künstlerhaus, sondern besonders im deutsch-tschechischen Kindergarten der Gemeinde, wo bereits die Jüngsten das grenzübergreifende Miteinander und Nebeneinander spielerisch erlernen. Schlägers Ausführungen schloss sich Schirndings Bürgermeister Reiner Wohlrab an. Eine Kranzniederlegung und ein gemeinsames Gebet am Mahnmal schlossen die kleine Feierstunde ab.

 

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