Prag bangt um EU-Fördermittel -Regionen "zu reich"

Ressorts: Tschechien, Europa, Politik

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Donnerstag, 01 Dezember 2011 13:08

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Förderung

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Tschechien stehen ab 2014 große Einschnitte bei EU-Förderungen bevor. Der Grund dafür ist eigentlich ein nicht unerfreulicher: In drei der insgesamt vierzehn Regionen liegt das BIP pro Kopf bereits bei 74 Prozent des EU-Durchschnitts von 24.000 €. Steigt das BIP pro Kopf weiter auf 75 Prozent, fallen sie aus dem Kreis der förderungswürdigsten Regionen -den so genannten "Konvergenzregionen" -heraus. Konkret wären die Regionen Mittelböhmen, Südmähren und Vysocina "zu reich" für weitere EU-Milliarden. Zum Vergleich: In Österreich liegt das durchschnittliche BIP pro Kopf bei 34.100 €.

 

Stockender Ausbau

Dass das höchste "Ausfallsrisiko" für Mittelböhmen besteht, wurde von der Sprecherin des Ministeriums für regionale Entwicklung, Jana Jaburkova, bestätigt. Lässt der Förderregen aus Brüssel nach, werden stockende Fortschritte beim Ausbau der Infrastruktur befürchtet.

"Die Tschechen haben nun mal unter den neuen EU-Mitgliedsländern die entwickeltste Wirtschaft, und die EU muss sparen", kommentiert Nikolaus Seiwald, Wirtschaftsdelegierter der Außenwirtschaft Österreich, die Situation. Bei Mittelböhmen sei es "kein Wunder, dass die Region nicht mehr die Parameter erfüllt", so Seiwald. Die hohen Einkommen der tschechischen Hauptstadt Prag würden auf die umliegende Region ausstrahlen. Die Autoindustrie rund um das Skoda-Werk in Mlada Boleslav tue das ihre, um das BIP pro Kopf nach oben zu drücken.

Deutlich mehr Nachholbedarf gibt es hingegen in Südmähren und Vysocina. "Außerhalb der Städte ist die Einkommenssituation schlecht, vor allem in den landwirtschaftlichen Regionen und im Grenzbereich", sagt Seiwald.

Werden die EU-Förderungen tatsächlich gedrosselt, könnte das Tschechien empfindlich treffen. Für 2007 bis 2013 stehen Tschechien 31 Milliarden €aus dem Strukturfonds zur Verfügung -nach Fördervolumen ist das EUweit Rang sieben. Mit einer Nutzungsrate von 27 Prozent wird Tschechien in puncto Fonds-Nutzung in der EU zudem nur von Litauen und Lettland geschlagen.

 

Quelle(n)

Wirtschaftsblatt

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