Festakt zum 20jährigen Bestehen der EUREGIO Bayerischer Wald-Böhmerwald-Unterer Inn

Eine Vision auf dem Wege zur Wirklichkeit

Ressorts: Oberösterreich, Bayern, Niederbayern, Österreich, Europa, Politik, Region

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Autor

Hermann Höcherl

DATUM

Montag, 28 Oktober 2013 00:05

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Vor 20 Jahren, am 20. September 1993, wurde die EUREGIO im Schloss von Cesky Krumlov/Krumau gegründet – damals ein Vorhaben, das von vielen Befürchtungen, Ängsten und Problemen begleitet wurde, schrieb der Freyunger Landrat Ludwig Lankl, Vorsitzender der EUREGIO , in seiner Einladung zur Festveranstaltung am Mittwoch in Rohrbach/Mühlviertel, Oberösterreich. Und der Saal im Kongresszentrum der Stadt war voll. Sie hätten es sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, welche Erfolgsgeschichte sie mit ihrer Unterschrift unter die Gründungsurkunde einleiteten, Ingo Weiß, damals Landrat des Landkreises Straubing-Bogen und Vertreter Niederbayerns, Ing. Jan Vrana für den Böhmerwald und Dr. Christoph Leitl für das Bundesland Oberösterreich: Heute ist die EUREGIO ein grenzüberschreitender Zusammenschluss von 350 Städten und Gemeinden, sie umfasst und betreut ein Gebiet von rund 16 000 Quadratkilometern mit 1,3 Millionen Menschen in den drei Ländern. Der Festakt wurde zu einem überwältigenden Bekenntnis zu Arbeit und Zielsetzung der EUREGIO – mit Ausblick auf künftige Aufgaben.

 

Die Hauptziele der EUREGIO sind die Förderung der kommunalen Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg und die regionale Verankerung des europäischen Gedankens: aufeinander zugehen, Vorurteile abbauen, um sich besser verstehen zu lernen. Die geopolitischen Veränderungen zu Beginn der 1990er Jahre mit dem Fall des Eisernen Vorhangs hatten die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in den Mittelpunkt rücken lassen. Die Kernaufgabe der EUREGIO liegt in der Initiierung, Umsetzung und Begleitung von grenzüberschreitenden Regionalentwicklungsprozessen und Aktivitäten. In den vergangenen 20 Jahren ist sie zur Drehscheibe in den Bereichen Wirtschaftskooperationen, Verkehr und Mobilität, Arbeitsmarkt, Soziales, Landwirtschaft, Ökologie und Umwelt, Tourismus, Bildung, Sport und Kultur, Technologietransfer und Energienutzung in der europäischen Grenzregion Niederbayern, Süd- und Westböhmen und Oberösterreich geworden.

Herausragende Projekte

Als „Geburtstagsfeier für eine junge, sympathische Dame" hatte Moderator Gernot Ecker vom Österreichischen Rundfunk gekonnt und launig die Festveranstaltung bezeichnet. Aber er stellte auch die Frage, wohin die Zukunft führen werde. Diese sollte eine Gesprächsrunde im Anschluss behandeln. Doch zunächst hießen die Obleute aus den drei Ländern, Landrat Ludwig Lankl für die bayerische Seite, die Landtagsabgeordnete Gabriele Lackner-Strauss für Oberösterreich und Frantisek Vlcek für den tschechischen Teil die Gäste willkommen. Neben den zahlreichen Vertretern von Gemeinden, Städten und Behörden aus dem ganzen Gebiet der EUREGIO hob Ludwig besonders den langjährigen Europapolitiker und Landtagsabgeordneten Konrad Kobler, das Gründungsmitglied Landrat a. D. Ingo Weiß sowie den Generaldirektor der Arbeitsgemeinschaft europäischer Grenzregionen, Martin Guillermo Ramirez, hervor. Alle drei betonten die Genugtuung darüber, dass die Visionen von einst immer mehr zur Realität würden und Europa nur in der Region sichtbar werden könne – das Mittel, einer nicht zu unterschätzenden Ablehnung des europäischen Gedankens in zahlreichen Ländern der EU entgegenzuwirken. „20 Jahre in 20 Bildern" - eine Dokumentation großer Projekte der letzten zwei Jahrzehnte durch den Moderator folgte.

Als herausragende Initiativen erfuhren besondere Würdigung durch eine kurze Vorstellung: aus Oberösterreich ein Rad-Tourismusprojekt Südböhmen-Mühlviertel, eine Plattform für Unternehmen, die zeigt, wie weit man auf der anderen Seite der Grenze auf den vielfältigsten und gesuchten Gebieten ist, auf bayerischer Seite Projekte der Jugendbildungsstätte Waldmünchen im Umwelt- und Jugendbildungsbereich, aus Südböhmen eine Zusammenarbeit zur Dorfsanierung und der Aufbau eines Schulungszentrums im Bereich Information/Technologie.

Künftige zentrale Aufgaben

Weitere Auszeichnungen

Die anschließende Gesprächsrunde mit Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, Oberösterreich, Landrat Franz Meyer, Passau – wohl in Vertretung der neuen Europaministerin Beate Merk – und dem stellvertretenden Bezirkshauptmann aus Pilsen/Westböhmen, Ivo Grüner – der angekündigte Fürst Karel Schwarzenberg war durch Wahlkampf verhindert – führte mit nachdenklich machenden Beiträgen wieder zurück in die Gegenwart. Dr. Josef Pühringers zentrale Forderung lautete, alle Seiten müssten sich endlich auf eine gemeinsame Sicht der Geschichte der Mitgliedsländer einigen. Die Antwort auf die Frage „Wo steht die Region in zehn Jahren?" solle lauten: Zusammenarbeit muss selbstverständlich sein. Von großer Bedeutung sei auf allen Ebenen der Gesellschaft der Abbau von Sprachbarrieren. Für Ivo Grüner, der ausdrücklich für West- und Südböhmen sprach, geht es künftig darum, die Jugend in die ländlichen Regionen zurück zu bringen und ihr Perspektiven für ein Leben in der Heimat zu geben inmitten eines geeinten Europa. Landrat Franz Meyer bezeichnete Geschäftsführer Kaspar Sammer als „Glücksfall für die Region". Er mahnte Fortschritte in Richtung Europaregion Donau-Moldau an – besonders als „Wissensstandort" mit seinen Hochschulen -, deren wichtiges und unerlässliches Fundament die EUREGIO sei.

Mit einer Urkunde und einer Glasskulptur des Künstlers Jan Gabor wurden hierauf für ihre Verdienste um die EUREGIO geehrt: Aus Oberösterreich Dr. Josef Pühringer, die Kommerzienräte Victor Sigl und Dr. Josef Leitl sowie Alfred Obermüller. Aus Bayern Landrat a. D. Ingo Weiß sowie die ehemaligen Landräte Hanns Dorfner, Passau und Alfons Urban, Regen. Aus Böhmen Ing. Jan Vrana, Ivan Petru, Mgr. Pavel Faschingbauer und Dr. Karel Skacha.

Preise in Form eines Reisegutscheines zu den Nachbarn in der EUREGIO erhielten für ihre guten Projektideen die Jugendbildungsstätte Waldmünchen, die Berufsschule Waldmünchen (Regenerative Energien), der Förderverein der Berufsschule Waldmünchen, die Grundschule Kollnburg und der „Treffpunkt Ehrenamt" Cham. Aus Böhmen erhielten die Anerkennung das Gymnasium Budweis und die Staatliche Realschule Grafenau (Sprachcamp), die Schule in Domaslice/Taus für ihre Zusammenarbeit mit Waldmünchen (Regenerative Energien), die Schulen in Prachatice und Klattau für Austausch- und Reiseprogramme. Aus Oberösterreich wurden ausgezeichnet die Mittelschule Aigen/Schlägl, die Europa-Hauptschule Peilstein (Euregio-Cross-Country-Lauf) sowie die Schule Ulrichsberg, die zusammen mit der Schule in Oberplan (Südböhmen) das Biologieprojekt „Glasflügler" - Zeichnungen und Holzschnitte von Insekten wie Libellen und Schmetterlingen ins Leben gerufen hat. Unter vielen Beiträgen von Akteuren aus der Region, in einem Beiblatt zum Programm abgedruckt, soll eine hier für alle stehen: „Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in unserer EUREGIO...heißt für mich, dass sich die Menschen auf beiden Seiten, trotz der sprachlichen Barriere, nicht entmutigen lassen, gemeinsam anzupacken. Dabei sind in Zukunft neue Wege und Antworten gefordert, die nicht nur darin liegen, dass weitere Straßen gebaut werden, sondern dass die wunderbare Region um den Nationalpark Sumava und Bayerischer Wald erkennt, dass diese Natur einzigartig ist und dementsprechend auch vermarktet werden sollte."

 

Über den Autor

Hermann Höcherl