Im Fränkischen und Böhmischen wird seit nunmehr 125 Jahren „vereint“ organisiert marschiert.

„Wanderbar – ohne Grenzen“

Ressorts: Museen und Galerien, Kultur, Ausstellung

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Mittwoch, 05 Juni 2013 19:53

Empfehlen

Artikel drucken

Als Wandern auch als Freizeitbeschäftigung auf beiden Seiten der Grenze „entdeckt" wurde. Im Gerätemuseum Arzberg-Bergnersreuth zeigen der „Fichtegebirgsverein" und der „Klub Tschechischer Touristen" ihre Geschichte seit ihren Vereinsgründungen vor 125 Jahre.

Wanderten sie bereits schon – oder gingen sie noch? Das altbekannte Lied mit dem Hinweis, das Wandern sei alleine des Müllers Lust, kann so nicht alleine im Raume stehen bleiben. Natürlich wird unter dieser Art des Wanderns eher eine Arbeitssuche verstanden, schließlich gingen einst die meisten Handwerker diesen Weg, auf die „Walz", und blieben häufig auf Jahr und Tag weg von daheim, um Neues zu suchen und Kenntnisse zu erlangen. Wandern war demnach keine „Lust" sondern viel eher eine Notwendigkeit. Waren dabei Territorial- oder Landesgrenzen hinderlich? Diese Frage beantwortet jetzt eine Ausstellung im Gerätemuseum Bergnersreuth zum Thema „Fortbewegung". Eigentlich ist sie aber ein Hinweis darauf, dass zumindest in der Grenzregion seit mindestens 125 Jahren organisiert gewandert wird.

 

Das „Wanderbar machen" der „Mittelgebirgsregionen ist seit nunmehr über 125 Jahren erklärtes Ziel des Fichtelgebirgsvereins und des Klubs Tschechischer Touristen. Beide wurden 1888 gegründet und können auf eine erfolgreiche Arbeit zum Wohle der Menschen in der Region und derer, die diese durchwandern zurückblicken." Der „Fichtelgebirgsverein" wurde dabei am 16.12.1888 in Wunsiedel gegründet, nachdem sich die „Sektion Fichtelgebirge" des Alpenvereins aufgelöst hatte. Der Verein sieht seine Aufgaben „in der Anlage, Markierung und Pflege von Wanderwegen, dem Errichten von Aussichtstürmen und Unterkunftshäusern." Weiterhin betrieb der Verein seit seiner Entstehung die Pflege der Kultur und initiierte im Jahre 1908 daher das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel, zu dem auch das 1993 eröffnete Volkskundliche Gerätemuseum Arzberg-Bergnersreuth als Dependance gehört. Auch der Naturschutz ist wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit, Biotope werden angekauft und gepflegt. „Im Fichtelgebirgsverein sind momentan 18500 Menschen in 54 Ortsvereinen Mitglieder. Der Verein unterhält 4200 km Wanderwege und 150 Betten in seinen acht Unterkunftshäusern."

Natürlich stellt für aktive Wanderer eine Grenze im Prinzip keinen Hindernisgrund dar, besonders seitdem der „Eiserne Vorhang" auch in Ostbayern aus dem Blickfeld verschwunden ist und Tschechien seit 2004 auch zum Schengen-Raum gehört. Wiederbelebte oder auch neue Nachbarschaft also. So besteht ein enger Kontakt zum „Klub Tschechischer Touristen" im Kreis Karlsbad. - Der „Klub Tschechischer Touristen" wurde ebenfalls wie der „FGV" im Jahre 1888 gegründet, am 11.6. Seine Gründer waren Vojtech Naprsték (Adalbert Fingerhut) und Dr. Vilém Kurz in Prag. Auch hier „sah man ebenso in der Erschließung und der Ausschilderung der heimatlichen Regionen durch Wanderwege zunächst die wichtigste Aufgabe." Allerdings wurde 1948 mit der Kommunistischen Machtergreifung der Verein verboten und aufgelöst. Zwar gab es auch in der CSSR weiterhin Wandergruppen, diese wurden aber nun von Sportvereinen mit verwaltet. „Mit dem Mauerfall 1989 fand die lang ersehnte Neugründung statt. Auch der KČT unterhält Aussichtstürme und pflegte schon in den 1920er Jahren Kontakt zum Fichtelgebirgsverein. Der Landschafts-, Natur- und Naturdenkmalschutz ist eine traditionelle Aufgabe des KČT. Momentan hat der KČT 40 000 Mitglieder in 14 Regionen und 500 Sektionen. Er unterhält 40 000 km Wanderwege und 50 000 km Radwege."

Nun präsentieren sich die beiden Wandervereine im Gerätemuseum Bergnersreuth im Rahmen der Ausstellung und einem Begleitfilm. „Wanderbar - ohne Grenzen", die insbesondere die Gemeinsamkeiten und die grenzübergreifende Zusammenarbeit von FGV und KČT zeigt, ist bis einschließlich 10.11.2013 im Gerätemuseum in Arzberg-Bergnersreuth zu sehen. Danach kommt es zu einer Fortsetzung mit der Winter-Ausgabe.

 

Über den Autor

Karl W. Schubsky