bBekannter aber als „Henlein-Hof“ in Unterdandau / Dolní Žandov

Manský dvůr, bekannt auch als „Lehnhof“

Ressorts: Städte, Reiseberichte, Tschechien, Tschechien, Museen und Galerien, Region, Kultur, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Dienstag, 19 März 2013 13:20

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Eine Spurensuche der besonderen Art einmal nicht in den Weiten Westböhmens oder des Böhmerwaldes, sondern im näheren Grenzgebiet des heimeligen Egerlandes zwischen Eger und Marienbad.

Eigentlich sollte es eine ganz gewöhnliche „Sondierungsfahrt" für das Bayerische Grenzmuseum Schirnding auf der Suche nach ergänzenden Ausstellungsstücken für eine geplante Ausstellung über den Zoll nach 1945 an der bayerisch-tschechoslowakischen-tschechischen Grenze werden. Die Idee dazu war einem Mitarbeiter der „LZ" in den Sinn gekommen, der von den Nöten des Ausstellungsmachers Rainer Schweigert wusste, relevante Exponate über den Zeitabschnitt sowie die zu behandelnden Staatsorgane vorzeigen zu können.

 

Letztendlich soll die Ausstellung den Namen "Halt, Zoll! Der Zoll beiderseits der bayerisch-tschechischen Grenze von 1945 bis 2004" tragen. – An dieser Stelle sei darauf aufmerksam gemacht bzw. in Erinnerung gerufen, dass das Bayerische Grenzmuseum in Schirnding ein kleine, von einem Verein getragene Einrichtung gleich an der Grenze ist, ohne ausreichende Räumlichkeiten für seine Dauerausstellung, eher ein Schattendasein führen müssend, aber durch große Auftritte durchaus glänzend, wie sie sich etwa an den der Wanderausstellung über die den Wiener Staatsvertrag und das Ende der Fraisch zeigt.

Wer aber rastet, der rostet bekanntlich nicht nur, sondern droht ebenfalls in Gefahr zu geraten, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen und im schlimmsten Falle der Vergessenheit anheim zu fallen. Dem nun nicht so!

Daher entstand in diesem Umfeld eben die Idee, nach Mansky Dvur, dem früheren „Lehnhof" des Konrad Henleins im Egerland zu fahren, wo man von der Existenz des „Muzeums Buchtele" wusste, eigentlich mehr ein mit offensichtlich viel Liebe und großem Enthusiasmus zusammengetragenen Sammelsurium von Gegenständen und Relikten. Der Sammler und Regionalforscher Zdenek Buchtele aus Velka Hledsebe/Großsichdichfür hat eben all das zusammengetragen und in einem „Trakt" des Fachwerkhofes ausgestellt, dem er in der Grenzregion irgendwie habhaft werden konnte, das er damit vor dem „Verschwinden" gerettet hat. Seine Stücke stammen u. a. aus den Tagen nach 1945 und reichen bis zum Ende der kommunistischen Herrschaft in der Tschechoslowakei. Dabei wurde auch dem „Aus" für die deutsche Grenzbevölkerung Rechnung getragen sowie der Zerstörung derer Kulturgüter, sprich Dörfer und Kirchen. Hier haben auch die letzten Reste der zerstörten Kirche von Sangerberg ihr Refugium gefunden und blieben dadurch für die Nachwelt erhalten.

Der ehemalige „Lehnhof" selbst

„Nicht nur Eger (Cheb), sondern auch weitere Gemeinden der Mikroregion bieten Orte an, wo interessante Expositionen zu sehen sind – z.B. Egerer Fachwerkhof in Miltigau (Milíkov) mit einer Exposition über das Leben auf dem Lande und Lehnhof (- Ehemaliger "Henlein-Hof", tschechisch Manský dvůr) in Untersandau (Dolní Žandov), dessen regionales Minimuseum mit der Geschichte der Regionen Marienbad und Eger bekannt macht." (Aus: http://de.chebsko.net/museen-galerien/). - An dieser Stelle sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass das vorangegangene Zitat authentisch und so auch offiziell nachzulesen ist! Die nur für Ungläubige, die nicht an Wandel und Veränderungen glauben möchten. Im Egerland/Chebsko laufen die Uhren zwar auch langsam, aber sie laufen weiter.

Besucher oder Gäste, der Hof bietet nämlich auch Gasthaus und Unterkunft an, bewegen sich auf altem Terrain, in ca. drei Kilometer Entfernung der Gemeinde Dolní Žandov / Untersandau. Der alte Egerländer Hof, der einmal zur Domäne der Grafen Metternich im nahen Königswart gehörte, hat vieles Gesehen und auch mitmachen müssen, besonders in den Jahren nach 1945. Der Hof kam während der 1. Republik in die sog. „Landreform", erhielt anfangs der 30er Jahre neue Besitzer aus Prag, fiel nach dem „Anschluss" an Konrad Henlein ("9.4.1941: Berlin; Reichskanzlei-Chef Dr. Hans Heinrich Lammers an Reichsfinanzmin. Graf Schwerin v. Krosigk „Um dem Reichsstatthalter und Gauleiter (Konrad) Henlein die Abrundung seines Gutes Lehnhof durch den Erwerb des Waldstückes „Kneipelbach" zu ermöglichen...(wird) die Gauleiter Henlein seinerzeit gewährte Dotation von RM 300 000 auf RM 430 000 erhöht..."), wurde 1948 verstaatlich und als LPG heruntergewirtschaftet und in einen fast ruinösen Zustand versetzt. Diesen Anblick bot er noch bis vor wenigen Jahren, aber inzwischen haben die jetzigen Eigentümer viel Geld und Aufwand in die „Renaissance" der gesamten Hofanlage investiert, die sich zwischenzeitlich als museales Schmuckstück darbietet, wenn die Arbeiten aber immer noch weitergehen. So gehören jetzt ein liebevoll und museal eingerichtetes Gasthaus dazu, in dessen Schankstube von der Wand herab ein Bildnis von Kaiser Franz Josef I. auf die Gäste wohlwollend herabblickt. In dieser guten Stube fand die „Spurensuche" dann bei Speis und Trank ihren stärkenden Abschluss.

Leider war in der Sammlung des „Muzeums Buchtele" im „Lehnhof" nichts „Verwertbares" für die geplante Ausstellung des Bayerisches Grenzmuseum Schirnding zu finden, da sich das Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Museum der Zolldirektion Pilsen ausgeführt wird, folgendes aufarbeiten und darstellen möchte:

- die tschechoslowakische Zollwache von 1945 -1948 (nach österreichischer Tradition)

- die tschechoslowakische Zollverwaltung

- die tschechische Zollverwaltung

- der Zollgrenzschutz während der Besatzungszeit

- der Zollgrenzdienst

- die bundesdeutsche Zollverwaltung

- der Weg zur Europäischen Zollverwaltung.

„Gerade in der Tschechoslowakei fand nach dem Krieg ein historischer Wandel der Zollverwaltung statt. Sie musste - wie im Westen - völlig neu aufgebaut werden. Die Unterschiede in der Entwicklung sollen bei diesem Projekt herausgearbeitet und dargestellt werden. Nach einigen Jahren enger Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher Staatssysteme schließt das Projekt mit dem Eintritt der Tschechischen Republik zur Europäischen Union. Die Ausstellung soll die teilweise unterschiedlichen Handlungsweisen trotz gleichartiger Ziele der beiden Verwaltungen darstellen und die Entwicklung bis zur Arbeit mit einem gemeinsamen EU-Zollkodex aufzeigen."

Historisch sowie landschaftlich Interessierte sollten es sich nicht nehmen lassen, auf einer Fahrt von Eger nach Marienbad die höher vorbeiführende Hauptstraße „20" zu verlassen und einen Abstecher hinunter zum „Manský dvůr" zu machen, eine Ruhepause einlegen, sich die Füße am Fuße des Kaiserwalds vertreten, vielleicht die Sammlung im „Muzeum Buchtele" anschauen und wer hier übernachtet – oder eben die Beifahrer, kann sich sogar im Gasthaus ein kühles „Chodovár" genehmigen.

 

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Karl W. Schubsky