Ausstellung der besonderen Art im Egerland-Museum noch bis zum 9. April zu sehen

Kostbarkeiten aus Klöstern und Kirchen

Ressorts: Kultur, Heimat und Brauchtum, Hintergrund, Ausstellung

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Samstag, 10 März 2012 12:41

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Jedes Museum sieht sich immer mit der Frage konfrontiert, wie willige Besucher aus ihrem Phlegma zu reißen, hinter ihrem Ofen hervorzulocken und zum Besuch ihrer speziellen Einrichtung zu bewegen sind. Diesem Problem stellt sich auch immer wieder das Egerland-Museum in Marktredwitz und begegnet dieser ständig quälenden Frage damit, dass es immer wieder aufs Neue interessante und abwechslungsreiche Sonderausstellungen zu offerieren versteht. So auch jetzt wieder mit der neuen Ausstellung „Kostbarkeiten aus Klöstern und Kirchen", einem echten Highlight. Gezeigt wird eine Auswahl von Klosterarbeiten aus kirchlichen, musealen und privaten Beständen wie Pergament-Miniaturen, Spitzenbilder, Haus-Segen, Reliquienkapseln oder auch Wachsarbeiten. Besonders hervorzuheben sind dabei zwei Waldsassener Arbeiten von Adalbert Eder mit feinen Egerer Miniatur-Schnitzereien sowie ein Reliquien-Kreuz der berühmten Bildhauerfamilie Schwanthaler aus Ried im Innviertel.

 

Die Ausstellung im Egerland-Museum wirft ein bezeichnendes Licht auf die „Gegenstände der Andacht und Frömmigkeit", die seit der Säkularisation rar geworden sind und kaum noch in die Öffentlichkeit gelangen. Manche der Spitzen- und Kastenbilder, Reliquienkreuze oder Kastenkrippen waren bisher nicht zu sehen, denn sie stammen aus privaten Beständen, aus dem Stiftlandmuseum Waldsassen und aus der katholischen Kirchenstiftung St. Johannis in Waldsassen. Der Betrachter steht vor kunstvoller Draht- und Spitzen-Arbeit, zarten Schnitzereien. Zum Glück gibt es dazu einen „Glossar", der das Verständnis erleichtert und erklärt, was etwa unter Krüllarbeit, Bouillondrahtarbeit oder Eingerichte zu verstehen ist, nämlich im Schnitt vergoldete Papierstreifen, dichte Drahtspiralen oder kunstvoll gefasste Reliquienpartikel.

Vor zahlreichen Gästen anlässlich der Ausstellungseröffnung erzählte Museumsleiter Volker Dittmar in seiner Einführungsrede vom barocken Boom, den derart „schönen Künste" gerade im Egerland und im Stiftland verbreitet war. Dittmar sagte unter anderem: „Gleich den anderen böhmischen und bayerischen Landschaften waren auch das Egerland und Stiftland stark von der gegenreformatorischen Bewegung geprägt. Frömmigkeit und der katholische Glaube sollten jetzt durch Zeichen und Gegenstände sichtbar gemacht werden. Festgelegt wurde dies im Konzil von Trient um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Verehrung der "Heiligen Leiber" wurde dabei den Klöstern zur Aufgabe gemacht. Die sterblichen Überreste der Märtyrer aus den Katakomben Roms brachte man in die Klöster und Kirchen Bayerns, Österreichs oder der Schweiz. Diese Skelette wurden mittels kostbarer Stoffe, Gold- und Silberdrahtarbeiten, Halbedel- und Glassteinen oder Perlen prachtvoll verziert und in gläsernen Sarkophagen zur Schau gestellt. Kleinere Partikel von Heiligen wurden ebenfalls kunstvoll eingefasst und in verglasten Kästen oder Bilderrahmen präsentiert.

Die Umsetzung des Anliegens des Trienter Konzils erfolgte über einen langen Zeitraum, bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Gerade in der Barockzeit entwickelte sich in Verbindung mit der Wallfahrt ein reger und lukrativer Reliquienkult. Besonders die Klöster profitierten am Devotionalienhandel und brachten viele begabte Kunsthandwerker hervor. Denkt man an die Dientzenhofer-Bauten in Waldsassen (Basilika) und Münchenreuth (Kappelkirche) oder an die zahlreichen Wallfahrtskirchen im Egerland wie Maria Kulm bei Falkenau, Maria Stock bei Luditz, Maria Loreto bei Altkinsberg oder St. Anna bei Bischofteinitz, um nur einige zu nennen, muss hier der Handel mit Devotionalien und Klosterarbeiten der verschiedensten Art geradezu geblüht haben. Diese und noch viele weitere Kostbarkeiten aus Kirchen und Klöstern werden im Egerland-Museum gezeigt und sollen einen kleinen Einblick in dieses breite Feld der religiösen Kunstgegenstände geben."

Die während der Fastenzeit geöffnete Ausstellung im Egerland-Kulturhaus in Marktredwitz kann als ein grenzüberschreitender Beitrag verstanden werden und ist bis zum 9. April für die Öffentlichkeit zugänglich. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, von 14:00 bis 17:00 Uhr.

 

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Karl W. Schubsky