Ausstellung im Regionalmuseum Komotau

„Jüdische Spuren im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet“

Ressorts: Tschechien, Museen und Galerien, Region, Kultur, Ausstellung

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Freitag, 18 März 2016 09:28

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Museum Komotau

Ein knappes Jahr musste sich der Leiter des Regionalmuseums in Komotau, Ing. Stanislav Ded, beinahe gedulden, bis die Ausstellung „Jüdische Spuren im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet" des Vereins „Europa in der Region e.V." vom vorherigen Standort in Prag nach Komotau überführt werden konnte. Den Transport übernahmen zwei ihrer „Macher", Irena Rerichovà und Karl W. Schubsky, die sie in den Räumlichkeiten des Regionalmuseums in Komotau aufbauten und am 5. März 2016 im Rahmen einer Vernissage auch eröffneten. Die Begrüßung der zahlreichen Anwesenden, darunter auch Mitglieder der deutschen Minderheit in Komotau, oblag dem Museumsleiter Stanislav Ded, der sich auch sehr um die Geschichte der Deutschen im Kreis Komotau und deren Denkmäler bemüht. - Als Übersetzungshilfe war auch Museumsmitarbeiter Honza Hirsch mit dabei, der aber nur gelegentlich zum Einsatz kam, da Karl W. Schubsky's Kenntnisse des Tschechischen sich als ausreichend erwiesen.

 

In seinen Worten zur Einführung entschuldige sich Schubsky für sein holpriges Tschechisch, er wolle ja auch kein Tscheche sondern ein Böhme sein und wies die Anwesenden darauf hin, dass es Juden und Deutsche auch im Raum Komotau eigentlich auch schon lange vor tschechischen Einwohnern gegeben habe. Sie seien nun einmal von alters ein integraler Bevölkerungsanteil Böhmens, wie es alte Quellen zur Genüge belegen würde, woran auch eine Maus keinen Faden abbeißen würde! Schubsky berichtete über die jahrelangen Aktivitäten im Rahmen der Entstehung dieser Ausstellung und zog Vergleiche mit dem Erhaltungszustand jüdische Denkmäler in Bayern. Die im Jahre 1919 von Prof. Masaryk angekündigte „Entgermanisierung" sei überall im Grenzgebiet weit vorangeschritten und zeige überall sei traurigen Spuren. Nachdem auch die Juden der Grenzgebiete wegen ihres Zugehörigkeitsempfindens zum Teil zu den Deutschen hinzugezählt worden waren, hatte man auch ihre Friedhöfe und noch vorhanden Synagogen nach 1945 zum Teil zerstört. Zum Glück sei das nicht überall im Lande so, sondern es gäbe inzwischen auch zahlreiche private Initiativen, die sich für jüdische Denkmäler einsetzen würde, wie es die Ausstellung aufzeige. Schubsky wies auf die Synagogen von Hartmanitz und in Ckyne hin oder die beiden jüdischen Friedhöfe in Rosenberg a. d. Moldau.

Die Ausstellung bleibt bis Monatsende in Komtau und kann hier zu den Öffnungszeiten im Regionalmuseum angeschaut werden.

 

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Karl W. Schubsky