Dr. Martin Ortmeier las Werke von Hellmut Walters im Freilichtmuseum Massing

Heitere bis traurige Geschichten eines Heimatvertriebenen

Ressorts: Literatur, Kultur, Hintergrund

Artikelinformationen

DATUM

Mittwoch, 09 Mai 2012 12:26

Empfehlen

Artikel drucken

Am 4. Mai 2012 wurden die diesjährigen LiteraturFreitage in der alten Wirtsstube des Heilmeierhofes im Freilichtmuseum Massing fortgesetzt. Das Jahresmotto der gemeinsam mit dem Kulturreferat des Bezirks Niederbayern durchgeführten Reihe lautet „Stadt Land Fluss". Ausschnitte aus dem epischen und lyrischen Schaffen des böhmischen Heimatvertriebenen Hellmut Walters bildeten das zweite Glied der Kette zum Thema „Land". Museumsleiter Dr. Martin Ortmeier war selbst einst Schüler des Gymnasiallehrers Walters in Passau und erwies sich schon von daher als geeigneter Kandidat, um in das Werk des fast vergessenen Autors einzuführen.

 

Walters, geboren 1930 in Obersekerschan und gestorben 1985 in Passau, war ein äußerst produktiver Schriftsteller. Ortmeier begann den Abend mit lebensweisen, aber keineswegs altklugen, vielmehr von Sprachwitz und Ironie gezeichneten Aphorismen, um anschließend einige Gedichte vorzutragen. Auf diesem Weg bereitete er die Zuhörer mit didaktischem Feingespür auf die längeren Erzählungen und Romane vor. Denn das epische Schaffen bildet ohne Zweifel den Schwerpunkt im Gesamtwerk des Autors. Viele seiner Geschichten sind zudem autobiographisch gefärbt. Die Erzählung „Vierhändig oder nationale Noten" berichtet von einer musikalischen Freundschaft zwischen einem Deutschböhmen – Walters Vater – und einem Tschechen während des Krieges. Düster ist die Geschichte „Der Junge und der Hund" und auch in der „Kokaschitzer Weihnacht", die von Walters Erlebnissen als jugendlicher Arbeiter in einem Steinbruch handelt, lässt kaum Wärme aufkommen. Erst nach der Pause wurde es dann wieder heiterer. Bezirksheimatpfleger Dr. Maximilian Seefelder wies in seinen Schlussworten noch einmal auf den bemerkenswert hintersinnigen Humor des Autors hin, der sich in den von Ortmeier abschließend vorgetragenen Passagen aus dem Roman „Der Mann ohne Ausweis. Die Aufzeichnungen des Staatsanwalts Pitroff in Sachen eines angeblichen Jesus" in geradezu Schwejk´scher Manier äußerte.

Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von Raimund Pauli aus Grainet im Grenzland des Bayerischen Waldes, der die von seinem Vater gefertigte Steirische virtuos bediente und passend zu den Texten böhmisches Temperament auch in der Musik aufleuchten ließ. Der „heiter-bis-traurige" Leseabend war schnell vergangen, aber einige Gedichte von Hellmut Walters sind auf den sogenannten Literaturbrettln abgedruckt, die entlang den Museumswegen für einige Monate aufgestellt sind.

Ein weiterer LiteraturFreitag folgt am 18. Mai. Die Passauer LyrikerInnen Rosa Maria Bächer, Bianca Buhr, Rupert Schützbach und Friedrich Hirschl tragen unter anderem Flussgedichte aus ihrem Schaffen vor. Als Musiker ist der Vilsbiburger Geiger Johannes Strake zu Gast. Beginn der Veranstaltung ist um 20.00 Uhr. Der Eintritt zur Lesung ist frei.

 

Quelle(n)

Bezirk Niederbayern