Ein Volksheiliger und ein Rabbiner in unmittelbarer Nachbarschaft

Gutwasser bei Hartmanitz

Ressorts: Museen und Galerien, Kultur

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Sonntag, 16 Dezember 2012 14:24

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Zwei Einrichtungen im Böhmerwald stehen zwar für sich alleine da, können aber während eines einzigen Besuchs nacheinander in Augenschein genommen werden. Gemeint sind hier die Kirche des Hl. Gunthers und das Simon-Adler-Museum. Letzteres wurde 1997 als Denkmal für den jüdischen Historiker und Rabbiner Dr. Simon Adler errichtet, der in Gutwasser geboren wurde und 1944 ein Opfer des Holocausts im Vernichtungslager Auschwitz wurde. Beide sind in Dobrá Voda, dem früheren Gutwasser, zu besichtigen.

 

Dem Besucher der Stadt Hartmanice sei daher auch ein Abstecher ins nahegelegen Gutwasser empfohlen, da die dortige Kirche die einzige ist, die weltweit diesem Heiligen geweiht ist. Sie wurde 1706 auf der Stelle errichtet, an welcher sich nach archäologischen Funden bereits im 11. Jahrhundert eine Holzkapelle befunden haben muss. Die Kirche wurde während der kommunistischen Zeit als Militärlager genutzt. - Hartmanice war seit 1952 der letzte bewohnte Ort vor dem „Militärsperrgebiet Dobrá Voda", was der Entwicklung der Stadt bestimmt nicht förderlich war. Nach der Auflösung des Militärbezirks im Jahr 1991 änderte sich nach und nach auch die Lage in dem kleinen Ortsteil Gutwasser wieder zum Besseren.

Im Gunther-Jubiläumsjahr 1995, also 950 Jahre nach seinem Tod, wurde die Kirche restauriert und wieder eingeweiht. Gunther gilt als die größte Persönlichkeit, die in diesem Teil des Böhmerwaldes je gelebt hat. Der Heilige Gunther war ein Benediktinermönch und Gründer des Klosters in Rinchnach. Er starb im Jahre 1045 im Wald oberhalb des Ortes unter dem Gipfel des Brezník (Guntherfelsen) , wo er seine letzten Lebensjahre als Einsiedler verbracht hatte.

Die Kirche wird seit einigen Jahren von einem Glasaltar geschmückt, bestehend aus vierzehn Glasskulpturen mit der Kreuzweg-Thematik sowie einer lebensgroßen Statue des Hl. Gunther. Alles Unikate, die von der ortsansässigen Glaskünstlerin Vladimíra Tesarová stammen. Sie bietet auch Führungen und Erklärungen an. Ein Abstecher nach Gutwasser kann wärmstens ans Herz gelegt werden. Auch Dobra Voda liegt an der Route der „Via Nova".

 

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Karl W. Schubsky