Das Kulturforum im Sudetendeutschen Haus in München ehrt Reichenberger Künstler

Ressorts: Museen und Galerien, Kultur, Ausstellung

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Montag, 04 Juni 2012 11:47

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Im Spätsommer dieses Jahres wird im Kulturforum des Sudetendeutschen Hauses in München der Reichenberger Grafiker, Illustrator und Innenarchitekt Rudolf Kahl mit einer Ausstellung geehrt.

Rudolf Kahl wurde 1983 in Reichenberg geboren und verbrachte eine glückliche Kindheit in Kratzau, wo sein Vater Direktor der Textilfabrik des Barons Klinger war. Nach Besuch der Volksschule in Kratzau und der höhern Staatsgewerbeschule in Reichenberg studierte er 1911 – 1915, seinen Neigungen und Talenten entsprechend, an der Kunstgewerbeschule in Wien. Die solide Ausbildung dort vermittelte ihm ein umfangreiches Wissen, was ihn befähigte, insbesondere auf den Gebieten „Grafik" und „Gestaltung" tätig zu sein.

 

Seine erste Anstellung fand er als Assistent bei dem in Österreich und Deutschland sehr bekannten Architekten Heinrich Tessenow. Freischaffend tätig war er für verschiedene Filmgesellschaften in Wien und Berlin. Er betätigte sich aber stets auch in Reichenberg, wo er z. B. an der Gestaltung von Kunstausstellungen beteiligt war. Anfang der 1920er Jahre hatte er wieder seinen festen Wohnsitz in Reichenberg, wo er 1925 ein Atelier für Raumkunst und Reklame eröffnete. Außerdem war er freischaffender Bühnenbildner für das Reichenberger Stadttheater, wo er viel Anerkennung für seine Bühnenbilder erhielt. Für die Reichenberger Messe hat er zahlreiche Stände – teilweise sogar ganze Sonderschauen – gestaltet. Als Innenarchitekt war er war er für die Gestaltung von Objekten im Gastgewerbe und im Handel in Reichenberg und Gablonz gefragt.

Sein liebstes Arbeitsgebiet war jedoch das der Buchillustration, insbesondere von Kinderbüchern. Eine Zusammenarbeit verband ihn mit der Firma Verlag und Druckerei Gebrüder Stiepel in Reichenberg. 14 Märchen- und Bilderbücher sowie 24 Bastelbögen sind noch im Original erhalten. Davon entstanden 2 Märchen- und ein Bilderbuch gemeinsam mit dem in Reichenberg ab 1914 lebenden Schriftsteller Dr. Paul Rainer, der in seiner Heimat in Südtirol noch heute eine große Wertschätzung genießt. Für den Verlag schuf er weiterhin Illustrationen für Zeitungen und Magazine sowie eine Kollektion von Buchschutzumschlägen.

Der 2. Weltkrieg und die 1946 erfolgte Vertreibung aus der seit Generationen angestammten Heimat beendeten das künstlerisch-kreative Schaffen von Rudolf Kahl. In der sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, fand er keine seinen Fähigkeiten entsprechende Betätigung. Ab 1950 war er dann Werbeleiter der Konsumgenossenschaft Lübben und für Ausstattung und Gestaltung auch über sein eigentliches Aufgabenfeld gefragt. Bis über sein Rentenalter hinaus war er tätig, u. a. als Zeichenlehrer/Kunsterzieher sowie als ehrenamtlicher Denkmalpfleger. Er verstarb mit 83 Jahren 1976 in Lübben.

Ausstellung im Kulturforum des Sudetendeutschen Hauses, Alfred-Kubin-Galerie, Hochstraße 8, 81669 München, Eröffnung 02.08.2012, 19 Uhr, Ausstellungsdauer: 03.08. – 31.08.2012

 

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