„Vernichtete jüdische Denkmäler Nordböhmens 1938 – 1989“

Ausstellung im Sudetendeutschen Haus in München

Ressorts: Kultur, Ausstellung

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Samstag, 29 August 2015 14:52

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Zu einer besonderen Veranstaltung hatte im August die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen Dr. Zuzana Finger ins Sudetendeutsche Haus in München eingeladen, wo im Beisein des tschechischen Generalkonsuls in München - Dr. Milan Čoupek – die Ausstellung „Zerstörte jüdische Denkmäler in Nordböhmen 1938 – 1989" wurde. - Zu den Ehrengästen gehörten die Zeitzeugen Werner Marzin aus Teplitz-Schönau und Dr. h.c. Max Mannheimer. Die Schirmherrschaft hatte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern übernommen. Die Ausstellung bietet Photographien und Texte über die Zerstörung von jüdischen Glaubensdenkmälern in Nordböhmen unter der Besetzung durch das nationalsozialistische „Dritte Reich" und unter dem kommunistischen Regime. Bei der Eröffnung sprachen Ausstellungsinitiator Tomáš Hlaváček und Zeitzeuge Werner Marzin aus Teplitz-Schönau.

 

Die Eröffnungsrede hielt der Sprecher der Sudetendeutsche Volksgruppe Bernd Posselt. Für die Sudetendeutschen und ihr zukünftiges Museum in München sehe er hier eine dreifache Verpflichtung, so Posselt: Sie sollten sich der kollektiven Verantwortung für das Verbrechen des Holocaust stellen, außerdem jüdisches Leben in ihren Reihen akzeptieren und im Sudetendeutschen Museum sollte auch das Judentum in Böhmen und Mähren vor 1938 ausführlich dokumentiert werden.

Ganz verschwundene oder großenteils zerstörte Synagogen und jüdische Friedhöfe auf dem Gebiete Nordböhmens sind Tatsachen, wie auch überall sonst im ganzen Land. „Auf die Idee, das Schicksal der verschwundenen Sakralbauten in Nordböhmen zu dokumentieren, kamen wir, weil wir Kinder und Jugendliche über die Vergangenheit ihrer Heimat aufklärenwollten", schilderte der Kurator. Hlaváček ist Vorsitzender der „Společnost pro obnovu památek Úštěcka" (Verein für Denkmalrenovierung im Auschauer Ländchen), einer Bürgerinitiative, die sich seit Jahren um die Instandsetzung von historischen Baudenkmälern in der Region zwischen Leitmeritz und Böhmisch Leipa bemüht. „Zuerst sanierten wir nur mit Kindern und Jugendlichen die sakralen Kleindenkmäler bei Auscha, um ihnen die Geschichte näherzubringen und künftigen Vandalismus von Jugendlichen zu verhindern", erklärte Hlaváček den Anfang seiner Arbeit.

Die Ausstellung „Zerstörte jüdische Denkmäler in Nordböhmen 1938 – 1989" folgt damit der im vergangenen Jahr im Sudetendeutschen Haus gezeigten deutsch-tschechischen Wanderausstellung „Jüdische Spuren im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet" und veranschaulicht damit die Öffnung der Sudetendeutschen auch zur dritten Nationalität in den Böhmischen Ländern hin.

Ausstellungsdauer: 12. August - 25. September 2015, Ausstellungsort: Sudetendeutsches Haus, Hochstr. 8 - 81669 München

 

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Karl W. Schubsky