Hinauf an den Moldau-Ursprung mit Smetanas Musik im Gehörgang

Zur Quelle ging der Knabe

Ressorts: Reiseberichte, Tschechien, Hintergrund, Reisen, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Sonntag, 16 Dezember 2012 14:17

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Was ist in der heutigen Zeit nicht alles möglich, vorausgesetzt selbstverständlich, man nimmt diese Annehmlichkeiten auch in Anspruch. Eine schöne Wanderung im Böhmerwald ist selbst im Winter für Nicht-Langläufer kein Ding der Unmöglichkeit, wenn auch unter erschwerten Umständen. Daher ist es besser, für einen langen Gang zum „Ursprung der Moldau", also an die Quelle von Smetanas Inspiration, wieder auf besseres Wanderwetter zu warten. Aber, bevor der Maja-Kalender abläuft, sollen alle Sensationslüsternen doch noch darauf aufmerksam gemacht werden, was ihnen alles entgehen könnte, falls die düsteren Spekulationen der Weltuntergangskamarilla eintreffen sollten. Natürlich könnte ein „Spazier" an die Quelle der Moldau auch einen kleinen Vorgeschmack davon geben, was wird, wenn dort der Borkenkäfer weiterhin sein Werk ungehindert fortführt.

 

Was erwartet nun Schönwetter-Wanderer im Böhmerwald? Hierzu findet sich im Kultur-Reiseführer „Šumava-Böhmerwald" (Do schau her Band 3) die folgende Bemerkung: „Der Böhmerwald bietet seinen Besuchern eine schier unerschöpfliche Fülle von Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten. Es lädt ein zu Touren in tiefe Wälder, zu geheimnisvollen Hochmooren, wilden Gebirgsflüssen und romantischen Aussichtspunkten... Die Gegend war als militärisches Sperrgebiet 45 Jahre fast menschenleer und ist heute eine weitegehend unberührte Naturlandschaft." Gut also, solche Auskunft zu erhalten, weil man vielleicht sonst den eigenen Augen nicht trauen würde. Sie ist eine Bestätigung des selbst Gesichteten und Erwanderten. Natürlich ließe sich im Fall der Moldau-Quelle der gute Karel Klostermann zu Rate ziehen, aber auch seine „Nachschreiber" blieben durchaus nicht unberührt.

Die Beschreibung der hier durchgeführten Wanderung hinauf zum Moldau-Ursprung beschreibt den Weg von Finsterau im Bayerischen Wald folgend. – Natürlich wäre der Gang hinauf auch von Kvilda/Außergefild als Ausgangspunkt auch möglich. Beide Wege aber sind immer Wanderungen, man mag es wenden, wie man will. – Der Zufall spielte dem Berichterstatter noch rechtzeitig eine neue Veröffentlichung aus dem Ohetaler Verlag zu, das den Titel „Wandern rund um Mauth" trägt. In diesem neuen Wanderführer von Peter Dillinger findet sich natürlich auch eine ausführliche Beschreibung des ins Auge gefassten Ziels. Eigentlich braucht man keinen Wanderführer, da der Weg sehr gut gekennzeichnet ist, entweder man folgt ab dem Grenzübergang dem Symbol der „Via Nova" oder dem Symbol „Steinmarder". Allerdings würde ohne das Hinzuziehen des Reiseführers vieles im Verborgenen und Unbekannt bleiben, was die Gegend hier alles vor dem unbedarften Wanderer verbirgt. Also: Lesen bildet nicht nur, sondern erleichtert auch die „Vorgehensweise", denn wie bemerkt der Verfasser in seinem Wanderführer ganz richtig: „Die Borkenkäferkalamität hat das Waldbild hier völlig gewandelt, teils wurden die ‚Käferbäume' abgeräumt und es macht sich Verjüngungsbewuchs breit, teils hat man die Natur sich selbst überlassen und der abgestorbene Fichtenhochwald macht nun ebenfalls einer natürlichen Verjüngung Platz."

Zunächst also galt es von Finsterau aus – irgendwie - den Wanderparkplatz „Schwellgraben" zu erreichen und vor hier aus zum Fußgängergrenzübergang Buchwald/Bucina, wo man auf die tschechische Seite hinüberwechselt. Nach dem Grenzübergang geht die Straße bergauf, vorbei linker Hand an einem wiederhergestellten Stück des „Eisernen Vorhangs" unterhalb des neuen Hotels und vorbei an der renovierten Kapelle. Kurz hinter der Kapelle beginnt der Weg noch weiter hinauf zur Quelle der Warmen Moldau, die in einem kleinen Hochmoor entspringt. Der Quellentopf ist mit Steinen eingefasst und ein dabei gelegener Rastplatz tut den Füßen mehr als gut. Und die Krönung aller in Kauf genommen Strapazen wäre das Lauschen von Smetanas „Moldau" über Kopfhörer. Fein und entspannend.

Wer sich nun danach nicht weitere körperliche Verausgabung zumuten möchte und den steinigeren Rückweg über „Siebensteinkopf" in Betracht zieht, sollte den gleichen Weg wieder zurückgehen, denn unten in Buchwald kann findet er im Hotel zumindest eine Stärkung und ein gutes Bier. Von hier aus ist es wiederum kaum einen Katzensprung über die Grenze zum Wanderparkplatz, wo die Haltestelle der „Igel-Busse" liegt.

 

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