Wo wird der Bierdurst besser gelöscht?

Ressorts: Unternehmen und Märkte, Gesellschaft, Essen und Trinken, Hintergrund, Wirtschaft, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Montag, 24 Oktober 2011 13:31

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Liebe geht bekanntlich durch den Magen, aber in Mund und Gaumen werden die Geschmäcker schon wahrgenommen. Zutreffend ist dies besonders in Sachen Bier, wobei sich bekanntlich über den Geschmack auch streiten lässt. Aber, wenn ein Bier, „das mit reichlich Kohlensäure durchsetzt, auch im Glas lange mit aufsteigenden Perlen und schönem Schaum in goldgelber Farbe glänzend - natürlich nur, wenn gekonntes Einschenken vorangegangen", durch die Kehle rieselt, dann durchflutet, wie auch schon beim Geruch, ein angenehmer hopfiger Geschmack den Magen.

Von alters her wird Bier auch als flüssiges Brot bezeichnet, man könnte es aber auch „medizinisch" nennen, betrachtet man seine Zusammensetzung nach Inhalt und Spurenelementen. Also zieht es den Biertrinker regelmäßig in seine „Apotheke", das Wirtshaus, wo das Produkt des Apothekers – sprich Bierbrauers – erhältlich sein sollte. Aber Vorsicht, das kann für Automobilisten durchaus mit Konsequenzen verbunden sein, da in Tschechien ja eigentlich eine Promille-Klausel im Straßenverkehr herrscht! Wollen wir aber einmal nicht ganz so kleinlich sein, denn zu böhmischen Knödeln – und was halt sonst alles so ein echtes Mittagessen ausmacht - gehört nun mal nach fester tschechischer Überzeugung ein Seidel mit dem zischenden Gerstengebräu dazu. Am besten ein Frischgezapftes vom Fass. - bekanntlich soll eine Minderheit beim Essen auch mit mährischem Wein vorlieb nehmen, aber diese „Unwissenden" wollen wir hier außen vor lassen, besser noch einfach ignorieren. Insgeheim wartet auch mancher von ihnen auf den erlösenden Ruf: „Freibier für alle!"

Bierstadt Budweis

An dieser Stelle soll nun ein Blick auf den südböhmischen Bierkreis mit seiner Hauptstadt Budweis geworfen werden, eine Stadt mit einer mehr als 700jährigen Biergeschichte und fundierten Biertradition. „Budweis ist heute vor allem durch seine Brauereien bekannt. Ein erstes Brauereiwesen gab es in Budweis vermutlich bereits mit der Gründung der Stadt. Heute erzeugen die „Samson-Brauerei" und „Böhmische Aktienbrauerei" rund 400.000 Hektoliter Bier jährlich, wovon 75 Prozent für den weltweiten Export bestimmt sind. Die Budweiser Brauerei Budvar, die 1967 nationalisierte Nachfolgerin der „Tschechischen Aktienbrauerei" ist heute der größte Bierexporteur der Tschechischen Republik." Die Brauerei Budweiser Budvar, braut jährlich um die 1.253 000 Hektoliter Bier und gilt als eine der erfolgreichsten Lebensmittelunternehmen in der Tschechischen Republik.

Den Bierstreit zwischen den „US-Budweisern" Anheuser-Busch und der Budweiser Budvar-Brauerei in Südböhmen lassen wir hier einmal unberücksichtigt, denn die Frage, welches Bier flüssiger ist, das Original aus Böhmen oder der Kopie, ist überflüssig. Bei diesem langwierigen Streit geht es um den Namen. Wie Anheuser-Busch argumentiert auch die 1895 gegründete böhmische Budweiser-Brauerei mit dem älteren Namensrecht. Die Klärung, wer die älteren Rechte an der Marke hält, beschäftigt seit Jahrzehnten etliche Gerichte auf der ganzen Welt, hat dabei sicherlich eine Menge Rechtsanwälte zu guten Honoraren verholfen, und erfolgt in teils sehr mühevollen Einzelschritten. Bisher entschied die südböhmische Brauerei die Mehrzahl dieser Gerichtsverfahren für sich. Somit dürfen Anheuser-Busch laut Weltgerichtshof in den Namen „Budweiser" in Europa nicht benutzen. Doch wie stand kürzlich irgendwo zu lesen: „Ein Manko, das die weltgrößte Brauerei natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann. Budvar wird übrigens gerade privatisiert, und nun ratet sie mal, wer erst vor kurzem eine Minderheitsbeteiligung bei der tschechischen Brauerei ergattert hat ...". Nachdem die Zeiten des „Kalten Krieges" vorbei sind und Tschechien jetzt zudem zu EU gehört, ist doch wohl selbstverständlich, wem der traditionsreiche Name „Budweiser" zusteht?

Doch auch andere Väter besitzen bekanntlich schöne Töchter und so gibt es in Südböhmen eine Reihe anderer Bierstädte, die mehr einen regionalen Bekanntheitsgrad genießen, als etwa das international bekannte Budweiser mit seinem Weltruf. Die Budweiser Budvar verfügt nämlich über ein sehr wertvolles geistiges Eigentum in Form von rund 380 Schutzmarken und ist registriert in 101 Ländern auf der ganzen Welt.

 

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