Wanderungen durch den Böhmerwald

Ressorts: Reiseberichte, Tschechien, Hintergrund, Tourismus

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Dienstag, 29 Mai 2012 14:42

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Ein tschechischer Arzt aus Prag schildert seine Eindrücke und Gedanken während seiner Wanderungen durch das Waldgebiet im Grenzbereich. Historische Begebenheiten aus dem Gebiet zwischen Böhmisch Eisenstein und Moldaustausee werden in lockerer Sprache erzählt. Das Buch lädt dazu ein, an die beschriebenen Orte zu wandern.

Es ist ein schmales und kleines Buch, das der Arzt und Kenner des Böhmerwaldes, Otto Kaskoun, geschrieben hat und in dem er viele seiner Gedanken niederschrieb, die ihm während seiner Streifzüge durch diese atemberaubende Landschaft durch den Kopf gegangen sind. Auf das Buch wurde ich zufällig bei einem Besuch im Adalbert-Stifter-Haus in Oberplan aufmerksam, als ich hier in dessen Literaturauslage herumstöberte. Und als „Grenzgänger" interessiert man sich schließlich dafür, was andere „Kollegen" über ihre Erfahrungen zu berichten wissen, die sie während ihrer langjährigen Fußwanderungen gesammelt haben.

 

Das Buch „Wanderungen durch den Böhmerwald" lebt von Otto Kaskouns kenntnisreicher Vertrautheit mit allen darin beschriebenen Orten und Abschnitten des Grenzgebiets zu Bayern. Sein Interesse für den Böhmerwald wurde während seiner ersten Wehrübung geweckt, die er vorwiegend auf dem kleinen Militärflugplatz Chaloupky bei Klattau geleistet hat. Damals nahmen ihn die Piloten „zu allerlei Flügen in alten Maschinen" mit. „Als sie bemerkt hatten, wie glücklich ich über Flugtouren entlang der bayerisch-tschechischen Grenze war, nahmen sie mich oft dorthin mit. So lernte ich zum ersten Mal den Böhmerwald kennen: die endlosen Wälder, die waldfreien Hochflächen mit den Bergbauerngehöften, die gewundenen Bachläufe mit den hohen Laubgehölzen an ihren Ufern, die Spiegel der Bergseen." Unter dem Eindruck des damals Gesehenen fasste Otto Kaskoun den Entschluss, hier im Böhmerwald seine Existenz als Landarzt zu suchen. So kam der in Prag geborene Otto Kaskoun in der Nachkriegszeit als Landarzt nach Strázov/Drosau, von wo aus er Čachrov/Tschachrau und Javorná/Seewiesen mitbetreute.

Seine freie Zeit widmete der Arzt Kaskoun Wanderungen durch das Waldland im Grenzbereich. Immer kreuz und quer, mit dem Rucksack auf dem Rücken, und lernte dabei die verborgensten Plätze im Böhmerwald, insbesondere des Künischen Waldes, kennen. Hierbei erlangt der Verfasser reiche topographische Kenntnisse der Region. Diese befähigen ihn endlich auch zur Situationsanalyse sowie zu naturschützerischen Hinweisen. Es ist dabei nicht zuletzt seine aufrichtige Religiosität, die Otto Kaskoun kritisch die Zerstörung so mancher volkstümlicher Sakraldenkmäler der früher hier lebenden Deutschen Böhmerwäldler anprangern lässt. Gleichwohl viele von den Beiträgen in ihrer ursprünglichen Form bereits vor mehr als 40 Jahren abgefasst worden sind, beinhalten sie trotzdem eine fortwährende und besondere Aktualität. Aber erst die gesellschaftlichen Veränderungen nach der „Samtenen Revolution" in der Tschechischen Republik ermöglichten es Otto Kaskoun, seine Beobachtungen und Gedanken zu veröffentlichen und damit jetzt auch das tschechische Leserpublikum mit der Vor- und Nachkriegsgeschichte einer Region bekannt zu machen, über die lange Zeit das Mäntelchen des Schweigens ausgebreitet war, da sie zum Teil durch ihre Lage in den militärischen Sperrgebieten entlang der Grenze unzugänglich war.

Mit der vorliegenden deutschen Übersetzung des kleinen Buches von Otto Kaskoun werden alle, die den Böhmerwald schätzen, mehr auch über die Geschichte und Kultur der Region dazulernen und vielleicht angeregt werden, durch diese einzigartig-bezaubernde Landschaft einmal auch wandern zu wollen.

Das Buch kostet ca. 180 Kronen - oder14,90 Euro und ist in Deutschland unter ISBN 978-3937067360 beim Ohetaler Verlag erhältlich.

 

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