Sonderausstellung

Vom Bundesgrenzschutz (BGS) zur Bundespolizei

Ressorts: Fotostrecke, Museen und Galerien, Kultur, Ausstellung

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Montag, 22 August 2011 14:33

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Eine Sonderausstellung in den Räumen des Grenzmuseums Schirnding zeigt bis zum 23. Oktober sechs Jahrzehnte intensive Arbeit im Rahmen der Grenzsicherung durch den BGS seit 1951: die Entwicklung von einer paramilitärischen Grenzsicherungstruppe aus der Zeit des Kalten Krieges hin zu einer bundesweit tätigen Polizeitruppe. Rechtzeitig zu den Jubiläumsfeiern in Berlin wurde die Ausstellung eröffnet.

 

Wer im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet zuhause ist und direkt in den Gemeinden an der Staatsgrenze zur heutigen Tschechischen Republik wohnt, der erinnert sich noch an die drei verschiedenen staatlichen Gruppierungen, die ständig im Raum präsent waren: Grenzpolizei, Zoll – und der Bundesgrenzschutz. Ständig waren deren Fahrzeuge im Einsatz entlang der Grenze mit unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen und Kompetenzen. Sie waren präsent und übermittelten das Gefühl, in einer sicheren Gegend zu leben, denn der nächtliche Blick Richtung Osten konnte die Dunkelheit mangels bewohnter Ortschaften im westböhmischen Grenzgebiet infolge der Auswirkungen des früheren „Eisernen Vorhangs" zumeist nicht durchdringen. Erst weit in der Ferne ließen sich vereinzelte Lichtflecke erahnen.

Das Grenzmuseum Schirnding trägt mehr den Charakter einer zeitgeschichtlichen Sammlung und einer Dokumentationsstätte, da sein Betreiberverein, der sich größtenteils aus Zöllnern und Polizisten zusammensetzt, versucht, das Thema Grenze in allen seinen Bereichen zu dokumentieren und unter regionalen Aspekten aufzuarbeiten. So sind im Museum auch zahlreiche Exponate ausgestellt, die den Aufgabenbereich von Zoll und Bayerischer Grenzpolizei zeigen und die größtenteils einen direkten Bezug zum Grenzübergang Schirnding haben. Die hier gezeigten Exponate wurden teils „aufgebracht", teils wurden sie hinterlassen. Die Arbeit des Grenzmuseums ist aber auch überregional und nicht alleine nur „lokal", da es sich auch mit der bayerisch-böhmischen Grenzregion allgemein auseinandersetzt und beschäftigt. So behandelt die jetzt neueröffnete Ausstellung eine besonders Polizeieinheit, deren Arbeit mit der Grenze ebenfalls in direktem Zusammenhang steht, nämlich dem früheren Bundesgrenzschutz (BGS).

Eröffnet wurde die Ausstellung „60 Jahre Bundesgrenzschutz/Bundespolizei" durch den Leiter des Grenzmuseums Schirnding, Wolfgang Brauner, im benachbarten Gebäude des früheren Bayerischen Grenzpolizeipostens direkt am ehemaligen Grenzübergang Schirnding/Pomezi, da dem Grenzmuseum selbst leider keinerlei Räumlichkeiten für größere Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Brauner konnte neben zahlreichen Kollegen von Bundespolizei, Polizei und Zoll den Stellvertretenden Landrat Horst Weidner (Landkreis Wunsiedel), Albrecht Schläger vom deutsch-tschechischen Zukunftsfonds, die Bürgermeister Reiner Wohlrab (Schirnding), Jürgen Hoffmann (Hohenberg a. d. Eger), Dr. Ladislav Dolhy (Pomezi nad O./Mühlbach a. d. Eger) und Klaus Haussel (Marktredwitz) begrüßen. Besonders begrüßt wurden auch die tschechischen Kooperationspartner vom Zollmuseum Pilsen und der Zolldirektion Pilsen, Karel Sedlacek und Antonin Oubrecht. Einen besonderen Gruß konnte Brauner an die Vorsteherin des Hauptzollamtes Regensburg, Margit Brandl, richten. Wolfgang Brauner bedankte sich bei allen Förderern und Freunden des Grenzmuseums Schirnding, auch der Fa. Hart für das kostgünstig zur Verfügung gestellte Gebäude, in dem das Grenzmuseum untergebracht ist.

Den Einführungsvortrag zur Ausstellung hielt Reinhold Balk von der BPI Nürnberg zum Thema: „Vom Bundesgrenzschutz zur Bundespolizei – 60 Jahre BGS und BPOL in Ostbayern", der über die Anfänge des BGS, dessen Einsatz- und Aktionsbereiche zu Lande, zu Wasser, in der Luft und seiner Entwicklung hin in die heutigen Tätigkeitsgebiete als Bundespolizei referierte sowie die zurückliegenden sechs Jahrzehnte anhand von Bildern und Filmausschnitten auch visualisierte. – Besonders interessant waren gerade für die Ortsansässigen Reinhold Balks Ausführungen über den BGS-Posten in Seedorf, wo eine ständige Einheit untergebracht war. – Der Referent verstand es ausgezeichnet, die zahlreichen verschiedenen Aspekte und Facetten von Polizeiarbeit im Umfeld der Grenze darzustellen.

Danach gingen alle Besucher in das Grenzmuseum, wo die neue Ausstellung bereits auf die ersten Besucher wartete. Sie bietet komprimiert und sehr anschaulich die Entstehung und Entwicklung des Bundesgrenzschutz (BGS), der jetzt als Bundespolizei firmiert. Der große Andrang veranschaulichte aber wieder einmal eines der Probleme, unter dem das Museum und seine Betreiber zu leiden haben, nämlich die räumliche Enge in dem leider nur kleinen Gebäude, das für Sonderausstellungen kaum Platz bietet. Der Museumsverein ist sich des Mangels der räumlichen Beengtheit durchaus bewusst und darum bemüht, diesem Missstand abzuhelfen, was sich allerdings ohne aktive Unterstützung von Politik und den dafür zuständigen staatlichen Stellen nicht realisieren lassen wird. - Überhaupt fängt dies schon mit dem Fehlen von Tafeln an, die entlang der B303 auf das Bestehen des Grenzmuseums hinweisen. Die Verantwortlichen sollten sich endlich in die Pflicht genommen sehen und Abhilfe schaffen, damit das Grenzmuseum Schirnding in Räumlichkeiten unterkommen kann, in dem die umfangreiche zeitgenössische Sammlung entsprechend präsentiert werden kann. Immerhin böte sich damit auch die Möglichkeit, Durchreisende zum längeren Verweilen zu animieren.

Die Sonderausstellung „Vom Bundesgrenzschutz zur Bundespolizei" ist noch bis zum 23. Oktober 2011 immer Sonntags von 14 – 16 Uhr im Grenzmuseum Schirnding für die Öffentlichkeit zugänglich. Gruppen können einen Besichtungstermin vereinbaren. Das Museum liegt auf der bayerischen Seite rund 200 Meter vor dem ehemaligen Grenzübergang auf der linken Seite der B303. Weitere Informationen zum Grenzmuseum auch im Internet.

 

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