„Deutsch-tschechischer Sprachgipfel“- Rund 165 bayerisch-tschechische Schulpartnerschaften

„So viele Sprachen Du sprichst...“

Ressorts: Bayern, Schule und Studium, Tschechien, Gesellschaft, Politik, Region

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Michael Alt

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Donnerstag, 25 Oktober 2012 10:34

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„‚Kolik řečí znáš, tolikrát jsi člověkem - So viele Sprachen du

sprichst, so oft bist du Mensch". So sagt ein tschechisches Sprichwort. Eine Mög¬lichkeit, diesem Ziel näher zu kommen, so Konsul Dr. Vladimir Krnavek, sei das Erlernen der tschechischen Sprache. Diese und die Kultur des Nachbarlandes standen dann auch im Mittelpunkt des „Deutsch-tschechischen Sprachgipfels" am Mittwoch im Haus des Gastes. Einiges tut sich ja schon, so bestehen etwa 165 bayerisch-tschechische Schulpart¬nerschaften mit wechselseitigen Besuchen von fast 6000 SchülerInnen. Gelegenheit, diese vorzustellen, bot sich beim „Markt der Möglichkeiten", aber auch Bildungsin¬stitutionen und andere bilaterale Programme, Projekte und Kooperationen nutzen ihn, um sich und ihre Arbeit an fast 30 Ständen zu präsentieren.

 

Bürgermeister Wolfgang Ludwig, der neben den an den verschiedenen Projekten Beteiligten auch eine Reihe von Ehrengästen begrüßte, betonte „Unsere Heimat, der Bayerische Wald und der direkt angrenzende Böhmerwald auf tschechischer Seite, sind unser gemeinsamer Lebens- und Wirtschaftsraum." Gute Entwicklung könne nur erfolgen „von unten, bei und aus den Menschen vor Ort heraus". Daraus ergebe sich als logische Konsequenz, dass die gemeinsame Sprachausbildung in den Schulen

beginnen müsse. Ludwig erinnerte an die seit 1991 bestehende Douzelage, in die das tschechische Susice von Anfang eingebunden gewesen sei und zu dem es seitens der Pfingstrittstadt eine gut funktionierende Schulpartnerschaft gebe.

„Sprache öffnet Herzen und Türen." Dies betonte Dr. Vladimir Krnavek, Konsul der Tschechischen Republik. Er erwähnte, dass in Pirna das erste deutsch-tschechische Gymnasium entstand, ein Beispiel, das noch mehr Schule machen solle. Aus den Erfahrungen in der eigenen Familie wisse er, wie hilfreich „Mehrsprachigkeit" sein könne.

Dr. Birgit Seelbinder, Oberbürgermeisterin der Stadt Marktredwitz und Präsidentin der Euregio Egrensis, verwies darauf, dass die Förderung der tschechischen Nachbar¬sprache seit 2005 unter dem Schlagwort „Sprachoffensive" ein thematischer Schwer¬punkt der Euregio-Arbeit sei. Auch sie führte aus, dass schon Einiges geschehen sei und nannte als Beispiel, dass die Euregio etwa erst vor kurzem deutsch-tsche¬chische Kindergartenpartnerschaften ausgezeichnet habe. So arbeite der bayeri¬sche Preisträger „Fuchsbau" in Schirnding seit Jahren mit dem Kindergar¬ten in Eger/Cheb zusammen.

MdL Bernd Sibler, Staatssekretär am Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, sprach in seinen Ausführungen von der Vielfalt an Ideen und Initiativen, die Sprache und Kultur der tschechischen Nachbarn den jungen Menschen in Bayern näher zu bringen. Er erwähnte unter anderem Schulpartnerschaften und Austausch¬programme mit Tschechien, das Gastschuljahr für SchülerInnen aus der Tschechi¬schen Republik oder auch das Programm „Botschafter Bayerns". Ein wichtiger Bei¬trag seien aber auch der Erwerb von Sprachzertifikaten in Zusammenarbeit mit der Karlsuniversität Prag, die tschechischen Sommerkurse für Lehrkräfte aus Bayern oder der Jugendaustausch über den Bayerischen Jugendring und nicht zuletzt schulische Initiativen mit der regionalen Wirtschaft.

Die genannten Initiativen bereicherten das schulische Bildungsangebot und würden „ein Klima des Miteinanders" schaffen. Der Kulturstaatssekretär betonte in diesem Zusammenhang die gute Zusam¬¬men¬arbeit zwischen dem tschechischen Ministerium für Schulwesen, Jugend und Sport und dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.

Verleger Peter Esser beleuchtete als Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg das deutsch-tschechische Verhältnis mehr aus wirtschaftli¬cher Sicht. Anhand von Statistiken erläuterte er wie sehr gerade Ostbayern und Westböh¬men miteinander verknüpft seien. Er verwies unter anderem darauf, dass die IHK Regensburg vor fast genau 20 Jahren als erste bayerische IHK eine Kooperation mit der Wirtschaftskammer in Pilsen geschlossen habe. Das dreijährige Projekt „Wir sind Europa" sei einer der Höhepunkte des langen Miteinanders, meinte er und betonte, dass die Regensburger unter den 80 deutschen IHKs die einzige mit einem Büro im benachbarten Ausland sei. Fest stehe: „Die starke Partnerschaft und wirt¬schaft¬liche Vernetzung mit unseren tschechischen Nachbarn macht auch uns zu Pro¬fiteuren dieser Entwicklung". Grundvoraussetzung für eine weitere gedeihliche Entwicklung sei allerdings die entsprechende Sprachkompetenz: „Wir müssen die Sprache unserer Nachbarn sprechen."

Nach dem „theoretischen Teil" den die Folkloregruppe „Chodovanka" aus Domazlice mit teils tschechischen, teils tschechisch-altdeutschen Weisen – „Schon unsere Vorfahren pflegten die Nachbarschaft!" – auflockerte, konnte dann das Gehörte an den mit Informationen förmlich gespickten Ständen vertieft werden. Ausgiebig wurde davon Gebrauch gemacht. Dafür, dass auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kam, sorgte das „flying buffett" – so MdL Sibler, der allerdings die tschechische Überset¬zung für diesen Service nicht parat hatte – mit festen und flüssigen Leckereien.

 

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