Werbung an der Autobahn soll es bald nicht mehr geben

Schilderwald wird gestutzt

Ressorts: Auto und Verkehr, Tschechien, Politik, Umwelt

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Donnerstag, 27 Oktober 2011 14:07

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Nach langem Hin und Her ist es nun amtlich. Die großen Werbetafeln an Autobahnen, auch Billboards genannt, sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre verschwinden. So hat es das Kabinett in der vergangenen Woche beschlossen.

Eigentlich hätte schon längst ein Großteil der Plakatwände entfernt werden sollen. Denn bereits im November 2010 hatte die Autobahndirektion (ŘSD) verkündet, dass bis zum Ende dieses Jahres 469 Billboards und 23 Werbeplakate abmontiert würden. Nach Angaben der Bürgerorganisation „Acta non verba" („Taten, nicht Worte"), die seit langem gegen den Schilderwald kämpft, sei jedoch bisher nichts geschehen. „Nun hat uns die Autobahndirektion wieder einmal versprochen, den Vertrag mit einem großen Werbeunternehmen am Ende dieses Jahres nicht mehr zu verlängern", erklärt der Leiter von „Acta non verba", Vojtěch Razima, gegenüber der „Prager Zeitung". Nach Aussage von Razima würde dies bedeuten, dass 2012 immerhin rund 400 Schilder entfernt würden – falls die Autobahndirektion Wort hält.

Sowohl für den Staat als auch für die Betreiber der Werbeschilder würde dies finanzielle Einbußen bedeuten. Pro Jahr kassiert der Staat für jede Werbetafel 20.000 Kronen (rund 800 Euro) und die Eigentümer der Billboards gar 220.000 Kronen (rund 8810 Euro). Kein Wunder, dass das Verkehrsministerium eine fünfjährige Schonfrist genehmigt. „Acta non verba" will das jedoch nicht hinnehmen und weiter Druck ausüben. „Wir hoffen, dass wir es schaffen, dass die Schilder schon in den nächsten zwei Jahren verschwinden", so Razima.

Statt Reklame für Mineralwasser, Banken oder Autos sollen nur noch Werbetafeln, die in Zusammenhang mit dem Straßenverkehr stehen, erlaubt sein – also Hinweisschilder von Tankstellen oder Rastanlagen. Diese müssen dann mindestens 200 Meter von der Fahrbahn entfernt stehen. Allerdings gilt dies nur für Autobahnen. Über Bill­boards, die sich auf kommunalem Grund befinden, sollen laut Gesetzesvorschlag die jeweiligen Gemeindevertretungen entscheiden.

Schon lange haben Experten auf die Gefahren der Billboards hingewiesen. Da sich viele Autofahrer von den großen, manchmal sogar provozierenden Schildern ablenken ließen, komme es vor allem auf Autobahnen und Schnellstraßen häufig zu schweren Unfällen. Diese Ansicht teilt das Verkehrsministerium nicht. Autofahrer würden demnach beim Anblick der Werbetafeln die Geschwindigkeit drosseln.

Der Leiter von „Acta non verba", auf dessen Internetseite Bilder von Unfällen zu sehen sind, sieht den Stimmungswandel in der Regierung als Erfolg seiner dreijährigen Arbeit. „Trotzdem handelt es sich dabei um keinen perfekten Vorschlag, weil die Schilder nach wie vor in den Städten stehen bleiben dürfen. Aber es ist schon ein gewaltiger Fortschritt. Vor drei Jahren hieß es noch, man könne nichts machen und nun haben Autobahndirektion und Regierung angekündigt, die Werbetafeln zu entfernen", freut sich Razima.

Die Werbeagenturen haben bereits angekündigt, sich der neuen Gesetzeslage anzupassen und alle legalen Mittel so weit wie möglich auszunutzen, um weiter entlang der Autobahnen werben zu können.

Von Bernd Rudolf

 

Quelle(n)

Prager Zeitung

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