Auch der Landkreis Cham wäre betroffen, wenn die Fördermittel nicht in voller Höhe fließen.

Scheitert das Projekt E-Wald vor dem Ziel?

Ressorts: Oberpfalz, Auto und Verkehr, Technik, Niederbayern, Wissenschaft, Politik, Region, Umwelt

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Dienstag, 08 November 2011 12:53

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Scheitert das Projekt E-Wald vor dem Ziel?

Steht die Modellregion E-Wald, für die auch der Landkreis Cham vorgesehen ist, vor dem Aus oder dürfen die Verantwortlichen noch hoffen? Die zugesagten Mittel würden weder gekürzt noch gebe es Festlegungen über ihre Verteilung an drei geplante Projekte in Bayern, heißt es in einer Pressemitteilung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums vom Freitag. Peter Sperber, Professor der Hochschule Deggendorf und Projektleiter E-Wald, allerdings ist skeptisch. „Mir liegt ein Schreiben vor, dass die Fördermittel halbiert werden und wir nur acht Millionen bekommen." Eingeplant gewesen seien für das E-Wald-Projekt in den Landkreisen Cham, Regen, Freyung-Grafenau, Straubing-Bogen, Passau und Deggendorf 20 Millionen Euro. Mit diesem Geld hätten unter anderem Elektroautos angeschafft und mit Ladestationen die Infrastruktur für ihre Nutzung eingerichtet werden sollen. Damit wäre E-Wald die größte Modellregion für Elektromobilität in Deutschland gewesen. „Es ist eine Schande, dass das alles auf dem Spiel steht", sagt Sperber. „Wir hätten ein deutschlandweites Leuchtturmprojekt umsetzen können."

 

Wenn es bei den acht Millionen Euro für das Jahr 2012 bleibt, könnten auf keinen Fall alle sechs Landkreise mit Autos und Ladestationen ausgestattet werden. Dann werde das Projekt auf den Landkreis Regen und Teile der Landkreise Cham und Freyung-Grafenau beschränkt. Und selbst das sei nicht sicher. „Wir haben auch finanzielle Unterstützung von Firmen eingeplant", sagt Sperber. „Ob die alle noch mitmachen, wenn das Projekt jetzt kleiner ausfällt als geplant, wissen wir nicht." Er werde aber alles versuchen, um E-Wald nicht ganz scheitern zu lassen, versichert Sperber.

Antrag beim Ministerium

Sofern es geht, will er sogar noch die Städte in den Landkreisen Straubing-Bogen, Passau und Deggendorf mit Ladestationen ausstatten.

„Vielleicht gibt es doch irgendwann noch mehr Geld, auch wenn es jetzt nicht danach ausschaut", sagt Sperber. „Dann wäre schon ein Anfang gemacht." Der nächste Schritt sei ein Antrag beim Wirtschaftsministerium auf Förderung. Einen solchen zu stellen, sei bis jetzt nicht möglich gewesen. „Wir haben erst am Freitag die Genehmigung bekommen, einen Antrag einzureichen", sagt Sperber. Er bezeichnet es deshalb als „unglaubliche Frechheit", dass das Ministerium den E-Wald-Verantwortlichen in seiner Pressemitteilung vorwirft, sie hätten bislang keine förderfähigen Anträge gestellt. Zudem sei die Form des Antrags so aufwendig, dass es kaum noch zu schaffen sei, ihn in diesem Jahr noch einzureichen. „Dann stehen wir ab Ende 2011 ohne Finanzierung da", sagt Sperber.

Damit das nicht passiert, habe man einen Antrag auf Verlängerung von Phase 1 des Projektes eingereicht, die eigentlich zum Januar zu Ende gegangen wäre, erklärt Franz Reimer, zuständig für das E-Wald-Projekt im Landkreis Cham. Phase 2 könne dann vielleicht im Frühjahr starten, wenn der Antrag auf die Fördermittel für 2012 bewilligt wird. Erst dann dürften etwa Autos an Gemeinden, Unternehmen und Privatleute verliehen werden, die zum Teil schon im Januar damit gerechnet hätten. Es sei ärgerlich, diesen Leuten sagen zu müssen, dass das Projekt nicht so funktioniert wie gedacht. Auch seien viele Bürgermeister enttäuscht, die mit Ladesäulen in ihren Orten gerechnet hätten und sie nun nicht bekommen.

Landrat will sich einsetzen

Einer von ihnen ist Josef Schmid aus der Gemeinde Arrach. „Wir haben viel Hirnschmalz darauf verwendet, wo der beste Platz für die Ladesäule ist und wie wir das leitungsmäßig hinbekommen", sagt er. Es sei schade, dass die Politik nun nicht zu ihren vorherigen Zusagen stehe. „Wenn nur die Städte ausgestattet werden, ist der ländliche Raum wieder außen vor", sagt Schmid. Dabei sei gerade bei diesem Projekt das Ziel ein anderes gewesen.

Josef Schmid kritisiert aber nicht nur die Politiker. Er ist der Ansicht, dass auch die bayerischen und deutschen Autohersteller ihre Finger im Spiel hatten bei der voraussichtlichen Fördermittelkürzung für das E-Wald-Projekt. „Die haben jetzt Angst, dass sie Konkurrenz aus Fernost bei den Elektroautos bekommen, ehe sie etwas auf die Beine stellen können", meint Schmid. „Ich glaube, dass die Lobbyisten hier ganze Arbeit geleistet haben."

Damit Arrach als Fremdenverkehrsgemeinde und Luftkurort nicht ganz leer ausgeht hinsichtlich Elektromobilität, überlege man nun im Gemeinderat, in eingeschränktem Rahmen selbst etwas auf die Beine zu stellen, sagt Schmid.

Landrat Franz Löffler kündigte an, Kontakt mit dem Wirtschaftsministerium aufzunehmen. „Sinn des Projektes war es, zu beweisen, dass Elektromobilität auch in der Fläche funktioniert. Das wollen wir nicht scheitern lassen.

Quelle: Mittelbayerische Zeitung

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Mittelbayerische Zeitung

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