Im Waldgebiet versteckt, aber doch auch erreichbar

Pec pod Čerchovem im Oberpfälzer Wald/Český les

Ressorts: Oberpfalz, Niederbayern, Reiseberichte, Tschechien, Tschechien, Region, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Sonntag, 16 Dezember 2012 14:14

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Zwischen Berg und tiefem Tal, abseits der Hauptstraße von Furth i. Wald nach Taus, liegt zu Füßen des Berges Čerchov/Schwarzkopf ein kleiner, abgeschiedener Weiler namens Pec pod Čerchovem, früher auch einmal namens Hochofen, im Südosten des Oberpfälzer Waldes (Český les) in einem von Wäldern umgebenen Seitental des Černý potoks. - Die Nachbarorte von Pec sind Chodov im Norden, Trhanov/Chodenschloß und Pila im Nordosten, Babylon im Westen, Česká Kubice im Südwesten, Dolní Folmava im Süden, Zámeček im Südwesten sowie Capartice im Nordwesten. Acht Kilometer südwestlich liegt die Stadt Domažlice/Taus. Auch vom Grenzübergang Furth i. Wald/Volmava aus ist der kleine Ort sogar fußläufig erreichbar.

 

Erstmals wird Pec 1652 erwähnt, als Melchior von Aschenbach, der damalige Vogt der Herrschaft Chodenschloß, hier einen Hochofen und eine dazugehörige Eisenhütte errichten ließ. Daneben entstanden Verwaltungsgebäude sowie eine Siedlung für die hier arbeitenden Hüttenleute. Sie erhielt den Namen „Officina Ferea" – oder „Hochofen". 1803 fand in der „Lamingerhütte" der letzte Abstich statt. Aus diesem Anlass ließ der Eisenhändler Matěj Wáchal 1803 ein gusseisernes Kreuz aufstellen. Heute erinnert in Pec ein Gedenkkreuz an Matěj Wáchal und die Lamingerhütte. Nachdem im Ort die Eisenverhüttung eingestellt worden war, entstand 1809 an Stelle der alten Anlagen eine Glashütte. Diese stellte dann knappes halbes Jahrhundert später, nämlich 1860, ebenfalls ihre Produktion ein. – Immerhin, welche heutige Produktionsstätte kann noch auf eine derartige Lebensdauer zurückblicken?

Der Haupterwerb für die Bewohner der Ortschaft Hochofen im 19. Jahrhundert war aber die Holzfällerei. - An diese Periode erinnert das Holzfällermuseum im Gebäude des Gemeindeamtes. Daneben wurden Werkzeuge hergestellt und Schuhe gemacht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Dorf zu einer beliebten Sommerfrische. 1869 lebten in Hochofen 545 Einwohner, 1910 waren es 626. 1930 lebten in Hochofen noch 460 Menschen, die überwiegend der deutschen Volksgruppe angehörten. Nach dem Münchner Abkommen kam Hochofen zum Deutschen Reich und gehörte zunächst zum Landkreis Markt Eisenstein. 1940 bis 1945 gehörte Hochofen zum Landkreis Waldmünchen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Hochofen/Pec wieder zur Tschechoslowakei zurück - und die deutschen Bewohner wurden vertrieben. Mit der Errichtung des „Eisernen Vorhangs" wurde der Čerchov militärisches Sperrgebiet, wodurch der Tourismus zum Erliegen kam. Später wurde Pec nach Chodov eingemeindet. In den 1970er Jahren erfolgte die Schließung der Dorfschule. Seit 1991 ist Pec wieder eine selbstständige Gemeinde.

In der Ortsmitte von Pec steht die schon hergerichtete Kapelle, die dem hl. Prokop geweiht ist. Sie wurde für die ansässigen Holzhauer errichtet, wie aus der tschechisch-deutschen Inschrift am Eingang hervorgeht. Text an der Kapellenwand:

„Im Oktober 1898 begann der Schriftsteller Jan František Hruška, gebürtig aus Pec, mit einer Sammelaktion für den Bau dieser Kapelle, er trug dadurch zum Gedeihen des Werkes bei, nach welchem sich die Holzhauerleute seit langem gesehnt haben, selbst jedoch nicht in der Lage waren, dies zu vollbringen. Es dauerte zehn Jahre, bevor der vom Bauvoranschlag bestimmte Betrag 8 725 K 20 H zur Verfügung war. Der Architekt L. Skřivánek hat den Entwurf für diese Kapelle verarbeitet. Des Baus hat sich der Baumeister J. Špalek den 16.7.1908 angenommen. Ein Jahr später wurde die Kapelle beendet und am 4.7.1909 eingeweiht. – Heute ist unsere Kapelle ... ein Kunstdenkmal im Besitz der Gemeinde. Sie wurde in Jahren 1992-1993 repariert. Für jeden Betrag zu ihrem Unterhalt dankt der Verwalter der Kapelle, der Verein für Denkmalschutz in Pec."

 

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