Diskussionsreihe über zeitgenössische deutsche Literatur am Goethe-Institut

Literatur unter Hochspannung

Ressorts: Bücher, Literatur, Kultur

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Freitag, 24 Februar 2012 15:26

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Sie provozieren, irritieren, regen zur Diskussion an. Die zeitgenössische deutsche Literatur kennt viele eigenwillige Persönlichkeiten – oft mit Migrationshintergrund. „Ich habe mich für Autoren entschieden, die sich durch Mut, Energie und Esprit auszeichnen und ein starkes Thema haben", sagt Journalistin und Literaturexpertin Alice Horáčková, die Kuratorin der neuen Veranstaltungsreihe des Prager Goethe-Instituts „Literatur unter Hochspannung". Die drei Diskussionsabende werden am kommenden Montag mit dem Auftritt von Sibylle Lewitscharoff eröffnet. In ihrem persönlichsten Roman „Apostoloff" rechnet sie mit Bulgarien, dem Herkunftsland ihres Vaters, ab. Das Buch wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet und löste auch in Bulgarien heftige Reaktionen aus.

 

Lewitscharoff wurde als Tochter eines bulgarischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. In der modernen Reisebeschreibung „Apostoloff" geht es um Urnen von Bulgaren, die zurück in das Heimatland der Verstorbenen gebracht werden. Die Angehörigen reisen mit und erleben Orthodoxie, die es in Deutschland nicht gibt, ein postsozialistisches Land, das vor sich hinsiecht, grau und armselig erscheint. Schonungslos beschreibt die 1954 in Stuttgart geborene Schriftstellerin die väterlichen Werte, gleichzeitig behält sie immer einen gewissen Humor. Ihr neuester Roman „Blumenberg" über den gleichnamigen Philosophen erzählt eine moderne Heiligenlegende und gehörte im vergangenen Jahr zu einem der meistdiskutierten Bücher in der deutschen Literaturszene. (Interview mit Sibylle Lewitscharoff: "Die Tschechen sind literarische Könner")

Zu den Neuentdeckungen zählt der in Bagdad geborene Abbas Khider, der lange Zeit nach einem passenden sprachlichen Ausdruck für die Traumata seines Lebens suchte: Erst als er den Sprachwechsel von Arabisch zu Deutsch vollzog, „ist das Leid zur Literatur geworden". Im Irak war er aktiv am Widerstand gegen das Regime von Saddam Hussein beteiligt, und zwei Jahre inhaftiert. In seinem Roman „Die Orangen des Präsidenten" schildert Khider autobiographische Erlebnisse aus einem irakischen Gefängnis.

Wladimir Kaminer gehört heute zu den erfolgreichsten deutschen Autoren. Nach Deutschland kam er direkt nach dem Mauerfall. In seinen ersten Texten – auf Tschechisch sind „Russendisko" und „Militärmusik" erschienen – blickt er humorvoll auf die sowjetische Vergangenheit zurück. In seinem Buch „Liebesgrüße aus Deutschland" wendet sich Kaminer der deutschen Gegenwart zu. Trotz einer gewissen Ironie weiß er die deutsche Ordnung zu schätzen und sagt in Interviews, er würde am liebsten die Berliner Mauer neu bauen lassen – so hätte die Stadt zumindest eine richtige Sehenswürdigkeit.

Termine:

27. Februar Sibylle Lewitscharoff

26. März Abbas Khider

10. Mai Wladimir Kaminer

Die Lesungen finden jeweils um 19 Uhr im Goethe-Institut Prag (Masarykovo nábřeží 32) statt und werden simultan gedolmetscht. Eintritt frei. Mehr unter: www.goethe.de/praha

 

Quelle(n)

Prager Zeitung

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