Niederbayerischer Unternehmer machte aus Klostergutshof Bykov bei Pilsen Romantik-Schlosshotel

Lebenslanger Traum ist Wirklichkeit geworden

Ressorts: Reiseberichte, Tschechien, Hintergrund, Reisen, Tourismus

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Autor

Hermann Höcherl

DATUM

Dienstag, 06 Dezember 2011 22:53

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Josef Doblinger, geschäftsführender Gesellschafter einer Bauträger- und Projektentwicklungsgesellschaft in Straßkirchen bei Straubing, könnte eigentlich seit Jahren ein gemütliches „Rentnerdasein" mit seiner Lebensgefährtin Sonja führen. Er könnte reisen, sich erholen von verantwortungsvoller und aufreibender Tätigkeit in der Baubranche. Reisen tun die beiden zwar, und das wöchentlich. Gute zwei Stunden dauert die Fahrt zwischen der immer noch zu leistenden Arbeit im heimischen Straßkirchen und dem zweiten Arbeitsplatz im Schlosshotel Bykov, den „Doblinger und Partner" im Jahre 1997 erworben haben und dem sichtlich seine ganze Liebe gehört.

 

So aufreibend die Jahre des Sanierens der 300 Jahre alten schlossähnlichen Meierhof-Anlage waren, so anspruchsvoll die Aufgabe ist, das nunmehrige Romantik-Schlosshotel zu führen, sagt Josef Doblinger: „Ein lebenslanger Traum ist hier Wirklichkeit geworden."

Knappe 20 Minuten dauert die Fahrt vom westböhmischen Pilsen: Elf Kilometer nordöstlich, inmitten eines Natur- und Wasserschutzgebietes, liegt weithin sichtbar inmitten der sanften Hügellandschaft das nunmehrige Schlosshotel Bykov. Unter drei Schloss-Objekten, die der Unternehmer Josef Doblinger mit seinem großen Faible für historische Bauwerke in Tschechien besichtigte, war die Wahl auf das stark renovierungsbedürftige Bykov gefallen. „Ein Ort, der Kraft ausstrahlt, der Kraft gibt. Wohl nicht ohne Grund ließen die Zisterziensermönche hier einen Meierhof errichten."

Aus der Geschichte

Irgendwann zwischen den Jahren 1180 und 1182 bekam das Zisterzienserkloster von Plasy/Plaß ein kleines Dorf von der Herrschaft aus Zelezna geschenkt. Das Kloster selbst erlebte seine Blütezeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Tatkräftige Äbte stellten die Klosterwirtschaft auf neue Grundlagen. Vor allem der im Jahre 1699 gewählte Abt Eugen Tyttl nahm bedeutende Änderungen vor. Er war es auch, der nach Umsiedlung der Bauern nach Robschitz den Meierhof in Bykov gründete. 1705 waren die Bauarbeiten vollendet, im Zentralgebäude auch die Kaplle des Hl. Johannes Nepomuk. Nach der Auflösung des Klosters Plasy 1785 verfielen zahlreiche Bauten in der ganzen Gegend, so auch in Bykov. Ein Feuer vernichtete zusätzlich 1821 den großen Schafstall.

Bei einer öffentlichen Versteigerung erwarb Kanzler Fürst Clemens Wenzel Lothar Metternich, seit 1803 österreichischer Diplomat und Politiker, die Herrschaft Plasy/Plaß, zu der auch das Gut Bykov gehörte. Der aus dem alten, 1623 nach Böhmen eingewanderten rheinischen Geschlecht stammende, europaweit bekannte Politiker erweiterte damit 1826 die großen westböhmischen Besitzungen der Familie. Er war es auch, der in Bykov notwendige Reparaturen und Erweiterungen der Bauwerke vornehmen ließ. Das Schlossgut entstand in seiner jetzigen Grundform. Dass der Fürst und Kanzler der Donaumonarchie hier zu Besuch weilte, ist anzunehmen.

Ein Schloss erwachte wieder

Eineinhalb Jahre mussten Josef Doblinger und seine Mitstreiter/innen nach dem Kauf des vier Hektar – 6 000 Quadratmeter allein sind davon Wohn- und Nutzfläche – umfassenden, zwar denkmalgeschützten, doch „in Dornröschenschlaf verfallenen" Besitzes auf die Genehmigungen auch zur Sanierung warten. Drei Jahre dauerte es, bis nach einem „logistischen, finanziellen und nervlichen" Kraftakt etwa 80 Prozent der Anlage restauriert waren und im Jahr 2000 das Schlosshotel Bykov eröffnet werden konnte. „Erst ein in höchster Verzweiflung an die Behörden geschriebener achtseitiger Brief brachte eine Verbesserung der bürokratischen Verhältnisse," erinnert sich Doblinger. Und seit einiger Zeit haben Doblinger und Partner auch die Leitung des Betriebes wieder selbst übernommen.

30 stilvoll eingerichtete Zimmer mit 72 Betten erwarten die Gäste, welche bei Feiern in zwei Restaurants mit bester böhmischer/bayerischer Küche die Vorzüge der Alleinlage genießen können. Im Erdgeschoss stehen für Rollstuhlfahrer barrierefreie Zimmer zur Verfügung. Drei große Räume sind für Schulungen mit modernster Technik ausgestattet: 40 Sitze hat „Nepomuk", 80 Personen fasst „Metternich" und 150 Gäste von Seminaren haben im Saal namens „Eugen Tyttl" Platz. Auch für Hochzeiten ist man von der Trauung in der Kapelle des Hl. Nepomuk bis zur Feier des Lebensbundes in und außerhalb der Schlossmauern bestens eingerichtet. Das Angebot ergänzen umfangreiche Wellness-Einrichtungen, die Umgebung lädt ein zum Wandern, Radfahren, Reiten und auch Jagen. Was wünschen sich die Gastgeber im Schlosshotel Bykov ganz besonders für sich und ihre Gäste: „Es soll ein Ort sein, an dem sich die Menschen der Nachbarn Deutschland und Tschechien in guter Atmosphäre begegnen und immer noch mehr verstehen und schätzen lernen."

Infos unter: www.mfc-freizeitcenter.de oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel. 00420/377959355 (Tschechien) und 09424/94150 (Deutschland).

 

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