Impressionen aus der Moldaustadt Český Krumlov/Krumau

Ressorts: Städte, Reiseberichte, Tschechien, Hintergrund, Tourismus

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Sonntag, 18 Dezember 2011 19:22

Empfehlen

Artikel drucken

Es war einmal wieder soweit, ein Besuch in der Vltava-Stadt Český Krumlov stand nach langer Zeit auf dem Besuchsprogramm. Dieses Mal als Mitglied einer Reisegesellschaft aus Horní Planá/Oberplan im Rahmen des Seminars „Heimatliche Bräuche zu Advent und Weihnachten", das im dortigen Centrum Adalberta Stiftera abgehalten wurde. Dabei hatte die Reiseleitung die ortskundige Emma Marxová vom Šumavaverein Krmlov übernommen.

 

Die Seminarteilnehmer erwartete das weihnachtliche gestimmte Český Krumlov, die UNESCO-Stadt, mit ihrem traditionellen Weihnachtsmarkt. – Was würde die Gruppe aber dort erwarten? Würde man sich in Krumlov durch Scharen von Weltbürgern quetschen müssen, immer ängstlich darauf bedacht, Hab und Gut in den Taschen zu behalten? Aber, vermutlich wegen der bereits fortgeschrittenen Jahreszeit und der - noch gemäßigten - winterlichen Verhältnisse, waren zwar ausländische Besucher vertreten, allerdings nicht in den befürchteten Massen. Somit stand einem unbehelligten Rundgang durch dieses, in den vergangenen Jahren wieder zu einem herausgeputzten Kleinod gewordenen Gemeinwesen nichts im Wege.

Sehr gut waren noch der Erhaltungszustand vieler Baulichkeiten der Stadt während der 90ger Jahre erinnerlich, also der Zeit kurz nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs" und der Grenzöffnung. Aber mit damals ist die heutige Stadt kaum mehr vergleichbar. Die Lebenshaltungskosten sollen zwischenzeitlich auch einsame tschechische Rekorde erreicht haben. – Eines sei aber schon vorweg gesagt: Ein Nachmittag ist für diese Zeit und ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten eindeutig zu wenig! Ein Rundgang durch die Stadt ist ein wahrer Gang durch einen Teil der tschechischen Geschichte und Schritt für Schritt finden sich Beweise, die an den Glanz und die einstige Größe, aber auch die Bewohner selbst hinweisen, die für die sichtbare Pracht verantwortlich waren. Berühmten tschechischen Einwohnern wie Egon Schiele oder dem Photographen Seidel, wurden daher eigene Museen oder Erinnerungsstätten eingerichtet. „Die malerischen Häuschen beherbergen heute Pensionen, Galerien, Museen, kleine Läden mit dem unterschiedlichsten Sortiment oder stilvolle Gasthäuser." Jeder aber kennt die absolute Dominante der Stadt, Burg und Schloss der Rosenberger über dem Stadtteil Latran, auf dem linken Ufer der Moldau, ein über Jahrhunderte entstandener gewaltiger Komplex, neben dem Prager Hradschin die zweitgrößte Adelsresidenz Tschechiens.

Im auf einer Halbinsel gelegenen historischen Stadtkern, der fast von der Moldau umflossen wird, mit der hochgelegenen St.-Veits-Kirche, liegt der zentrale Náměstí Svornosti, auf dem der Weihnachtsmarkt aufgebaut wurde, dessen Mittelpunkt von einer echten Krippe mit lebensgroßen Figuren gebildet wurde. Selbst Glühwein war hier zu finden, ein notwendiges Elixier bei der Abwehr der herrschenden Kältegrade. Zwar fehlte es an Schnee, was allerdings der Stimmung des multikulturellen Publikums keinen Abbruch tun konnte. Der von alten Gebäuden umschlossene Platz bietet ja auch das passende Ambiente für den weihnachtlichen Trubel, der auch von den Stadtbewohnern gerne angenommen wurde und bei dem mitgemacht wird. Tschechische Musikantinnen ergänzten auf der die beiden Steilteile miteinander verbindende Lazebnický most das stimmungsvolle Ambiente.

Es war eine wahrhaftige Freude, von großen Massen unbeschwert durch die alten Gassen der Stadt im Schatten der Burg zu flanieren und sich dabei unbehelligt die zahlreichen Fresken an den Häusern betrachten zu können, die teils liebevoll und detailgetreu erhalten werden. Schritt auf Schritt stieß man dabei auf das Wappen der Rosenberger, die Rose. Selbst ein Puppenmuseum hat hier seine Tür geöffnet. Unweit davon gibt es ein eigenes Gässchen, in dem Künstler Raum für ihre Werke gefunden haben. Die Besuchszeit war viel zu kurz bemessen und es dämmerte aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit auch bereits schon sehr früh. So ergab sich eben nur die Möglichkeit, sich einen ersten Eindruck dieser Stadt verschaffen zu können, in deren Erhaltung der tschechische Staat sehr viel Geld investiert, um sie wieder zu der Perle aufzupäppeln, die sie durch die Jahrhunderte hindurch für Tschechien einmal gewesen war.

 

Über den Autor

Karl W. Schubsky

Politik

Regional

Wirtschaft

Tourismus

Umwelt

Kultur