Hohe Feinstaubwerte verunsichern die Bevölkerung in weiten Teilen Tschechiens

Ressorts: Umweltschutz, Umwelt

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Mittwoch, 16 November 2011 15:29

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Trotz der relativ milden Temperaturen wird es keinen Spaziergang geben. Die Kleinen im Alter zwischen drei und sechs Jahren dürfen das Kindergartengebäude nicht verlassen. Es herrscht Smog in der Region um Ostrava. Bereits seit Anfang vergangener Woche hält sich eine dunkle, übel riechende Dunstglocke über der Stadt. „Wir verfolgen die Wettervorhersage und entscheiden dann, ob wir mit den Kindern rausgehen oder besser drinnen bleiben", erklärt die Erzieherin Milada Krencová.

 

Die Gefahren der Umweltverschmutzung gehören zum Alltag in Ostrava. Das Hydrometeorologische Instutut (ČHMÚ) hatte in vielen Teilen der ostmährischen Stadt Feinstaubwerte in Höhe von mehr als 200 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Das entspricht dem Vierfachen des erlaubten Grenzwertes. Nicht viel besser sieht die Lage in den Kreisen Pardubice, Mittelböhmen und Ústí nad Labem aus. Dort wurde der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter in der vergangenen Woche um das Doppelte bis Dreifache überschritten. Insgesamt meldeten 13 Messstellen im Land überhöhte Feinstaubwerte.

Grund für die dicke Luft ist die langanhaltende Hochdrucklage, die einen Luftaustausch kaum möglich macht. Vor allem die Bevölkerung in der von der Schwerindustrie geprägten Region um Ostrava leidet unter der hohen Luftverschmutzung. Auch das vom Umweltministerium im Jahr 2007 ins Leben gerufene Programm zur Reduzierung der Schadstoff-Emissionen konnte kaum etwas an dieser Situation ändern. „Die Luftqualität in dieser Stadt ist schlechter als erwartet", erklärte Radim Šrám vom Institut für experimentelle Medizin an der Akademie der Wissenschaften gegenüber dem Tschechischen Rundfunk. Vor allem die hohe Konzentration von Benzopyren könne Krebs hervorrufen. „Wenn wir über Krebsgeschwüre sprechen, ist das nicht nur eine Frage der gestiegenen Fallzahlen, sondern auch von Benzopyren, dass vor allem bei Kindern im Vorschulalter Bronchitis auslösen kann", erklärt Šrám. Diese Erkenntnis kann auch Erzieherin Krencová bestätigen. „Bei uns leiden die Kinder häufig unter HNO- und Lungenbeschwerden sowie an Allergien", sagte sie gegenüber der „Prager Zeitung".

Doch einige Bürger in der Region scheinen sich um die Gesundheit ihrer Mitbürger wenig zu scheren. Am ersten November-Wochenende musste die Polizei zwei Mal ausrücken, um einige Unverbesserliche daran zu hindern, ihr feuchtes Laub zu verbrennen. Auch in den kommenden Tagen wird sich nach Angaben der Meteorologen an der Situation nicht viel ändern. Weite Teile Tschechiens bleiben weiterhin unter der Dunstglocke.

Von Bernd Rudolf

 

Quelle(n)

Prager Zeitung

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