Rene Hamberger aus Susice/Tschechien ist 1. Bezirksschülersprecher Niederbayerns

Gastschuljahr weckte die Liebe zu Bayern

Ressorts: Jugend, Niederbayern, Schule und Studium, Tschechien, Ausbildung und Arbeitswelt, Gesellschaft

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Autor

Hermann Höcherl

DATUM

Sonntag, 15 Januar 2012 11:18

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Sie kennen ihn alle im Comenius-Gymnasium von Deggendorf mit seinem Schülerheim, wo er ein Zimmer hat. Der Lehrer, den ich auf dem Weg zum Sekretariat des Heims nach Rene Hamberger frage und dem ich den Gesprächstermin nenne, meint: „Der kommt sicher wie immer pünktlich." Die drei Kleinen, am Tisch einer Sitzgruppe im Gang mit Nüsseknacken beschäftigt, wollen höflich aber bestimmt wissen, wen ich hier treffe und warum.

 

Den Rene Hamberger, ja den mögen sie und dass ich mit ihm für die Presse ein Gespräch führen will, finden sie einhellig „cool". Über ein Gastschuljahr der Euregio Bayerischer Wald-Böhmerwald-Unterer Inn ist der junge Tscheche aus der südböhmischen Stadt Susice, eine knappe Autostunde hinter Bayerisch Eisenstein, erst nach Fürstenzell bei Passau und dann in das Comenius-Gymnasium von Deggendorf gekommen. Das war im September 2009 – und er ist hier geblieben.

Der 19jährige, ruhige junge Mann, der ein fehlerloses Deutsch mit ganz leichtem bayerischen Einschlag spricht, lässt mit seinen 1,94 Metern Größe einen guten Sportler vermuten. Dass er seit zehn Jahren Leichtathletik – Zehnkampf und als Spezialdisziplin vor allem Diskuswerfen – betreibt, erzählt er so ganz nebenbei. Dabei ist er als zweimaliger Bayerischer Meister im Diskuswerfen für den 1. FC Passau, als tschechischer Vizemeister in dieser Disziplin und zwei dritten Plätzen im Zehnkampf bei den tschechischen Jugend-Landesmeisterschaften durchaus im Hochleistungssektor anzusiedeln. Derzeit jedoch, eineinhalb Jahre vor dem Abitur, das er hier machen will und wird, hat die Schule Vorrang. Danach hat er vor, in der Erwachsenenklasse wieder durchzustarten.

Deutsch wie die Muttersprache

Mit seinen zwei Sprachen Tschechisch und Deutsch – letztere bezeichnet er fast als „zweite Muttersprache" und wird schulisch auch so darin bewertet - zusätzlich Englisch und Italienisch besitzt Rene Hamberger für sein künftiges Berufsleben einen entscheidenden Vorteil. Er besucht den naturwissenschaftlichen Zweig des Comenius-Gymnasiums, will hier in Deggendorf vielleicht auch studieren. Sein Berufsziel: Bauingenieur. Als er mit seinen Eltern – der Vater betreibt eine Möbelfirma – zusammen das eigene Haus plante, mit bauen half, entstand in dem Jungen der Traum, dies zu seinem Beruf zu machen.

Ihn zieht es nicht so sehr in eine Großstadt, er mag es lieber übersichtlich, wie es in Deggendorf beispielsweise ist. Viele Freunde hat er hier und kann sich vorstellen, für immer in Bayern zu bleiben. Was mag er an diesem Land? Da ist zunächst das Internat hier, wo er ein Einzelzimmer hat, Sportmöglichkeiten und Gelegenheit, seinem zweiten Hobby, der Musik, dem Gitarrenspiel nachzugehen. Die Leute seien ihm als Ausländer gegenüber offen, freundlich, das gesellschaftliche System, so wie es hier praktiziert und gelebt wird, empfindet er gut und als Chance.

Erster Bezirksschulsprecher

Als Trainer im Wahlfach Leichtathletik, Mitbegründer einer Schulband, als Ansprechpartner für Gastschüler und Organisator bei zahlreichen Veranstaltungen an der Schule ist er beliebt und bekannt. Er wurde im Vorjahr zum Klassensprecher, dann zum ersten Schulsprecher von den Schülern des ganzen Gymnasiums gewählt.

Bei der Tagung der Schülersprecher der niederbayerischen Schulen in Schweiklberg bei Vilshofen bekam er das Vertrauen und wurde wohl als erster einstiger Gastschüler

1.Bezirksschülersprecher Niederbayerns. Vorgeschlagen zum Landesschülerrat, lehnte er dieses ab: „ Zu viel Politik, ich mag die Nähe, den direkten Kontakt mit den

Menschen lieber, etwas konkret für sie tun und organisieren."

Schade findet es Rene Hamberger, dass auf beiden Seiten der nahen Ländergrenzen die Sprache des Nachbarlandes so wenig angeboten wird und die Menschen relativ wenig von dem Nachbarland wissen. „Miteinander reden bringt Chancen für alle", meint er. Als Sportler an Disziplin gewöhnt hat er keine Zeit zum „Chillen", Fernsehen und für Computerspiele. Es gibt wichtigere Dinge, die Schule, seine Hobbys Sport und Musik, die Arbeit als Schülervertreter. Auch ist er dabei, seine vielfältigen Kontakte hier auszubauen mit Blick auf die Zukunft. Und doch geht es ihm wie fast allen jungen Menschen: „Die Zeit vergeht so schnell, aber auch manchmal zu langsam..."

 hamberger guitar

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