Pittoreske Kulisse für Filmaufnahmen

Freilichtmuseum Finsterau

Ressorts: Fotostrecke, Museen und Galerien, Kultur, Heimat und Brauchtum

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Freitag, 19 August 2011 20:00

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Hoch im bayerisch-böhmischen Waldgebirge liegt unweit der Grenze zu Tschechien auf rund 1000 Metern Höhe die zur Gemeinde Mauth gehörene Ortschaft Finsterau. Sie ist umgeben von den Bergen und Wäldern des Nationalparks Bayerischer Wald und liegt in einer Region, wo sich - frei nach Grimms Märchen - Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, falls die in Gegend ansässigen Wölfe sie dabei nicht stören. Die Ortschaft Finsterau liegt in einem Teil des mittelalterlichen „Nordwaldes", in den hinein einst, vom Kloster Niederaltaich ausgehend, der Mönch Gunther gezogen ist, um die Wildnis zu zähmen und zu urbanisieren. 

Nun, Gunther schaffte es nur über den Lallinger Winkel bis nach Rinchnach, das in diesem Jahr auf seine Gründung vor 1000 Jahren zurückblicken kann und dieses historische Ereignis daher auch gebührend feiert. Seinen Lebensabend suchte und fand der Volksheilige Gunther allerdings als Eremit in Gutwasser/Dobra Voda, hoch drinnen im Böhmerwald.

Klimatisch regiert wird das Innere des bayerisch-böhmischen Waldes von kalten und schneereichen Wintern, lediglich unterbrochen von kurzen, aber relativ warmen Sommern. Winters erreichen die Schneehöhen in den Hochlagen über einen Meter, fällt der Winter aber extrem aus, können diese auch Höhen von drei bis vier Metern erreichen. Im Norden von Finsterau befindet sich der Grenzübergang Bučina/Buchwald (für Radfahrer und Fußgänger) auf halbem Weg zwischen Kvilda/Außergefild und Finsterau, inmitten eines zusammenhängenden Waldgebiets, das zu den Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava gehört. Der bayerische Nationalpark liegt in Ostbayern entlang der Grenze in den Landkreisen Freyung-Grafenau und Regen. Genau hier hat man das Freilichtmuseum Finsterau etabliert.

Das 1980 eröffnete Freilichtmuseum liegt nordwestlich der Ortschaft und setzt sich zusammen aus einer Reihe von Bauernhäusern, vollständigen Höfen sowie einer Dorfschmiede. Hinzu kommen ein Straßenwirtshaus, alte Scheuern, ja sogar eine kleine Dorfkapelle hat man hierher verpflanzt – und alles damit auch der Nachwelt erhalten. Alle „Ausstellungsteile" stammen aus Dörfern im Bayerischen Wald. Der Alltag der in der Region lebenden Bauern und Tagwerker war mühsam und teils sehr karg.

Im Freilichtmuseum Finsterau werden die alltäglichen Dinge wie Werkzeuge oder das gewebte Tuch in ihren ursprünglichen Zusammenhang gestellt. Zum Ensemble des Freilichtmuseums zählt auch das 1840 erbaute alte Straßenwirtshaus aus Kirchaitnach, in dem nicht mehr Bauern und Fuhrleute, sondern die Museumsbesucher sitzen können. Aus der historischen Dorfschmiede aus Grattersdorf bei Deggendorf erklingen an manchen Tagen wieder Hammerschläge, wenn ein alter Schmied Hufeisen und Nägel schmiedet, einen neuen Beschlag für einen Wagen oder Pflug auf dem Amboss macht. Mit dem „Kapplhof" wurde im Jahre 1980 das Museum eröffnet. Haus und Hof wurden mehrmals umgebaut, repariert und erweitert, aber bis zuletzt blieb das Bild eines „Waldlerhofs" erhalten, wie sie im 17. und 18. Jahrhundert in den kleinen Dörfern und Weilern des inneren Bayerischen Waldes gestanden hatten, das Wohnhaus und der Rindviehstall zusammen unter einem flachen, mit Schindeln gedeckten Satteldach vereint, dazu der Getreidekasten mit einem ebensolchen Dach. Ende 2007 wurde auch das „Schanzer-Häusl" aus Riedelsbach nach Finsterau verbracht, ein echtes Böhmerwaldhaus. Diesen Haustyp mit dem charakteristischen Schopfwalmdach fand man sowohl im inneren Bayerischen wie im inneren Böhmerwald. Es wurde zwischen 1826 und 1840 erbaut und war bis 1963 bewohnt. Viehstall und Stadel finden sich bei diesem Haustyp unter einem Dach.

So nimmt es auch nicht Wunder, wenn das Freilichtmuseum in Finsterau auch als Ambiente für Fernsehaufnahmen genutzt wird. Und so waren nicht „die Sänger von Finsterwald", die im Freilichtmuseum neulich zu hören und zu sehen waren, sondern die Gesangsgruppe „Die Bergkameraden", die vor dieser historischen „Kulissen" für eine Musiksendung des MDR Außenaufnahmen absolvierten. Was heute bei den zahlreichen Besuchern einen idyllischen Eindruck hinterlassen kann, lässt auch kaum noch etwas vom schweren Alltagsleben der früheren Bewohner der Gebäude erahnen. Ein Ausflug in das Freilichtmuseum ist ein Besuch in anderen, schwereren Zeiten.

 

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