Franzensbad im Egerland-Museum in Marktredwitz

Ressorts: Kultur, Ausstellung

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Mittwoch, 27 März 2013 15:39

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Der Kurort Franzensbad im Egerland zeigt, was es alles zu bieten hat und wuchert mit seinen Pfunden. Eine Sonderausstellung widmet sich der westböhmischen Bäderstadt und präsentiert deren Vorzüge.

Die Ausstellung im Egerland-Museum in Marktreditz trägt den Titel „Die natürlichen Heilquellen von Franzensbad" und ist eigentlich eine Dokumentation der heutigen Betreibergesellschaft des Kurbetriebs. Im sozialistischen Kurort wurde nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft in Prag im Jahre 1989 eine Reprivatisierung des 1945 verstaatlichten Eigentums durchgeführt, was in der Folge zur Gründung der Bad Franzensbad AG führte. Seither wirbt der Kurort Frantiskovy Lazne mit Nachdruck um ausländische Kurgäste und Kulturtouristen.

 

Zur Werbestrategie gehört nun die am 20. Februar im Egerland-Kulturhaus eröffnete Ausstellung, an der sich neben der Bad Franzensbad AG und dem Egerland-Museum auch die Galerie Brömse in Franzensbad mit Exponaten beteiligt. Von der Betreibergesellschaft stammt die historische und reich bebilderte Dokumentation über die Entwicklung der Heilquellen des Kurorts, die Galerie Brömes ist an der Ausstellung mit Zeichnungen, Grafiken und Aquarellen des Franzensbader Künstlers August Brömse beteiligt, die als eine Homage an den Künstler zu seinem 140. Geburtstag betrachtet werden könnte.

Der dritte Teil der Ausstellung stammt aus den Depotschätzen des Egerland-Museums. „Sie geben in ihrer Vielfalt und vor allem, was das Gästebuch des Hotel Holzer und die Originalplakate aus der Zeit des Historismus betrifft, einen lebendigen Einblick in das einstige mondäne Kulturleben von Franzensbad", sagte in seinem Grußwort anlässlich der Vernissage Marktredwitz Bürgermeister Klaus Haussel.

Dieses „Gedenkbuch Hotel Holzer Franzensbad" zähle zu den wertvollsten Ausstellungsstücken in den Beständen des Museums, wie Museumsleiter Volker Dittmar in seiner Einführung erwähnte. „Es präsentiert sich als gediegenes Gästebuch, 270 Blätter mit Goldschnitt, in Leder gebunden, der Einband mit Gold- und Silberprägung verziert. Der Ersteintrag aus dem Jahr 1884 stammt von König Albert von Sachen und der Erbprinzessin Charlotte von Sachsen". Insgesamt stehen in dem Buch 413 „Autogramme" von Monarchen, Adeligen und wohlhabenden Bürgern. Dieses Buch nahm 1945 bei seiner Vertreibung der Eigentümer Dr. Carl Holzer mit nach Bad Kissingen und wurde dort fortgeführt. Nach dessen Tod im Jahre 1963 kam es in die Obhut seines gleichnamigen Sohnes Dr. Carl Holzer, der das Buch an das Egerland-Museum übergab.

Der Zeitrahmen der Ausstellung umfasst den Zeitraum von 1793 bis heute und stellt im Kern auf großformatigen Tafeln die historischen Brunnenanlagen und Wasserzusammensetzungen, den Moorabbau und die architektonischen Besonderheiten der Heilbäder, Hotels und Pavillons vor. Postkarten und Fotos ergänzen das Gesamtbild des Kurbades.

Wie etwa das bei Neualbenreuth gelegene Sibyllenbad von dieser Gemeinde gegründet worden ist, aber noch immer zum Markt gehört, so war der Verlauf beim westböhmischen Kurort Franzensbad ein anderer. Der heutige Kurort Franzensbad wurde zwar von der Stadt Eger gegründet und gehörte als deren Kolonie so lange dazu, bis es letztendlich „eigene" Wege in die Selbständigkeit ging und diese bis heute geht. Die Leitung liegt zwar in neuen Händen, die Bausubstanz ist aber im Wesentlichen erhalten geblieben, wenn auch ständig an der Erhaltung ihres Bestands gearbeitet werden muss. Immerhin hatte das Bad in den Jahren nach 1945 erheblich unter der Vertreibung seiner Besitzer und durch die Verstaatlichung sehr zu Leiden gehabt.

Die Sonderausstellung im Egerland-Museum in Marktredwitz ist noch bis Sonntag, 7. April, täglich – außer montags – von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

Als Symbol Franzensbad gilt der „Franzl", Fränzchen" oder „František"

„Fränzchen" passt eigentlich eher zu einem Bübchen aus Preußen als zum Franzl aus dem Egerland oder Böhmen. Die Rede ist hier natürlich von dem „Franzl", dem in Franzensbad auf einer Kugel sitzenden splitterfasernackten Buberl mit einem Fisch in den Fingern, heutzutage gerne auch Frantik oder František genannt. Und was wäre eine Ausstellung über Franzensbad ohne die Zurschaustellung dieses Symbols bzw. zumindest einer Kopie davon? Das Original steht natürlich im Franzensbader Museum, wohin man 1965 die Plastik wegen mehrfacher Beschädigungen verbrachte und sie durch eine Bronzekopie an ihrem alten Standort ersetzte.

Die 1923 vom Franzensbader Bildhauer Karl Mayerl geschaffene Statuette des „Franzl" mit einem Fisch auf einer Kugel, umgibt immer noch der Mythos, ein Fruchtbarkeitssymbol zu sein, obwohl zwischenzeitlich natürlich in die Jahre gekommen. Wie es zu dem Mythos gekommen ist? Aufmerksamen Kurgästen von Franzensbad wird nicht entgehen, dass nicht nur der große Zeh des Franzl wie Gold glänzt. Dieser Umstand geht angeblich auf die „Legende" von einem Herrn Škarda zurück, Inhaber eines Fotogeschäfts. Er erzählte Kurpatientinnen, die wegen unerfüllter Kinderwünsche gekommen waren, von der wundertätigen Wirkung einer Berührung des Franzls, der die mächtigste aller Franzensbader Gesundheitsquellen sein solle, auf, wenn man eine „bestimmte Körperstelle" des Knaben. Die Damen früherer Zeiten versuchten schicklich das delikate Vorhaben im Schutz der Dämmerung zu realisieren. Diese Hemmschwelle ist heute nicht mehr verbreitet. Nun lassen sich Touristinnen dabei sogar fotografieren - und nehmen diese skandalösen Fotos als Beutestücke mit nach Hause! – Der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Ob jemals eine wundersame Berührung ein erfolgreiches Unterfangen gewesen ist, ist offiziell nicht in den Annalen des Kurorts verzeichnet. Trotzdem sollte Vorsicht aber die Mutter der Porzellankiste sein. Doch, wie erwähnt, steht das Original-Franzl wohlbehütet und gesichert im neuen Stadtmuseum von Franzensbad und von der Kopie im Kurbezirk bzw. der im Egerland-Museum stehenden Replik dürften keine nachfolgenden Auswirkungen erwartet werden. Wohlgemerkt: Es ist der große Zeh am linken Fuß, der gemeint ist!

 

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