Platz der Republik #12 in Pilsen

Deutsche Bibliothek in Pilsen und das Karl-Klostermann-Zentrum arbeiten harmonisch zusammen

Ressorts: Tschechien, Region, Kultur, Heimat und Brauchtum, Ausstellung

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Samstag, 13 April 2013 18:29

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Zu ebener Erde liegt im Innenhof von „Platz der Republik" Nr. 12 die Galerie im „Haus Europa". Diese gehört seit 2002 zu der Abteilung der ausländischen Bibliotheken. - Für die Öffentlichkeit in Pilsen werden hier vor allem ausländische Ausstellungen veranstaltet, die zur Verbreitung von einzelnen Kulturen sowie auch ausländischen Literaturen beitragen sollen.

 

Zwei Einrichtungen in Pilsen haben sich Pflege und Verbreitung von Sprache und Kulturgut angenommen und arbeiten dabei zusammen. Jüngste gemeinsame Aktion war die Ausstellung „Die Fraisch – eine wechselvolle Region" in der Galerie im Innenhof des Europa-Hauses am „Platz der Republik". Die Ausstellung des Bayerischen Grenzmuseums Schirnding über 150 Jahre bayerisch-böhmische Grenze hatte im Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee bei deren Eröffnung im vergangenen Jahr die Aufmerksamkeit der aus Pilsen angereisten Gruppe erregt und so wandten sich die Leiterinnen vom Karl-Klostermann-Zentrum und der Deutschen Bibliothek Pilsen an die Ausstellungsmacher und vereinbarten einen Termin, ab dem diese zweisprachige Wanderausstellung auch ihren Weg nach Westböhmen finden könnte. Als Termin wurde März 2013 vereinbart und seither ist die Ausstellung im Zentrum der Stadt Pilsen für die Öffentlichkeit zugänglich, die im Rahmen einer Vernissage feierlich eröffnet wurde, musikalisch untermalt vom „Pilsner Trio" der Organisation der Deutschen in Westböhmen. Zum Programm der Ausstellung gehörte auch ein erklärender Vortrag über die besondere Geschichte der „Fraisch", ein Zankapfel zwischen der Reichsstadt Eger und dem Stift Waldsassen, im Rahmen der Geschichte zwischen den beiden ehemaligen „Konkurrenten" Habsburg und Wittelsbach. Es galt bei dem Vortrag hervorzuheben, dass für das Thema „Fraisch" die historischen Quellen für die Ausstellung erst ins Tschechische übersetzt werden mussten, da in diesem Gebiet die Bevölkerung, sowie auch später die Vertragspartner vom Wiener Staatsvertrag, deutsch gesprochen haben.

Das Karl-Klostermann-Zentrum der Organisation der Deutschen in Westböhmen muss an dieser Stelle ja nicht gesondert vorgestellt werden, aber ein paar Worte über die Deutsche Bibliothek in Pilsen wären nicht unangebracht. Die Deutsche Bibliothek in Pilsen wurde am 5. 11. 1998 eröffnet und bildet zusammen mit der Englischen Bibliothek und der Österreich-Bibliothek die Abteilung der ausländischen Bibliotheken der Studien und Wissenschaftlichen Bibliothek der Pilsner Region. Gemeinsam untergebracht sind die drei Bibliotheken im Zentrum der Stadt Pilsen am „Platz der Republik" (Náměstí Republiky) Nr. 12, einem der ältesten Gebäude an dessen Ostseite. - Das Renaissance-Gebäude, das sog. „Scriboni-Haus", stammt aus dem 16. Jh. und seine barocke Stirnseite entstand um das Jahr 1730. Im Jahre 1634 hielt sich hier Wallenstein auf. - Zur Zeit ist das Gebäude als sog. „Europa-Haus" bekannt, in dem die „Abteilung der ausländischen Bibliotheken der SVK PK" ihren Sitz hat. Die Englische Bibliothek befindet sich im ersten Stock an der Platzseite, im Hoftrakt des Gebäudes sind die Österreich-Bibliothek und die Deutsche Bibliothek mit Lesesaals des Goethe-Instituts untergebracht. - Das Goethe-Institut in Prag beteiligte sich an der Gründung des GI-Lesesaals und stellte der SVK PK einen Startbuchbestand zur langfristigen Verfügung und sorgt auch weiterhin für das Ergänzen des Buchbestandes.

Die Leiterin der Deutschen Bibliothek ist Mgr. Danuše Kacerlová, der momentan Sparmaßnahmen seitens des Goethe-Instituts ein wenig Sorge bereiten. So seien besonders Einsparungen bei den Zeitschriften zu befürchten, die bei der ca. 4.000-köpfigen Leserschaft rege nachgefragt seien. Auf die Frage, weshalb es eigentlich auch eine „Österreich-Bibliothek" gebe, wurde darauf hingewiesen, dass diese vom Österreichischen Kulturinstitut in Prag finanziert werde. – Eigentlich geschickt gemacht, einen „Sprachbereich" aus den verschiedenen Töpfen von zwei deutschsprachigen Nachbarländern finanzieren zu können, wobei zu überlegen wäre, ob die Tschechische Republik historisch betrachtet nicht näher an der heutigen Republik Österreich liegt, als an der Bundesrepublik Deutschland? Die beiden heutigen deutschsprachigen Staatsgebilde entstanden ja erst infolge der Napoleonischen Kriegen, wobei das Königreich Böhmen bis 1918 schon während der letzten Jahrhunderte aber immer bei Österreich stand. - Historisch gesehen.

Jedenfalls funktionieren die Einrichtungen im Europa-Haus in Pilsen insgesamt und tragen ihren Anteil dazu bei, dass Sprache und Geschichte der Deutschböhmen nicht in Vergessenheit geraten und gleichzeitig dafür geworben wird. Pilsen ist, bedingt durch seine Lage an der früheren „Sprachgrenze", durchaus auch der geeignete Ort für eine solche Einrichtung.

 

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