Eine grüne Plage

Der Riesen-Bärenklau oder Herkulesstaude

Ressorts: Haus und Garten, Naturschutz, Umweltbildung, Umwelt

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Dienstag, 20 September 2011 17:50

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Eine grüne Plage für Deutsche und Tschechen breitet sich an vielen Orten beiderseits der Grenze aus und erobert dabei ständig neue Verbreitungsräume. Ihrer ist kaum Herr zu werden und bei Ihrer Bekämpfung helfen nur radikale Mittel.

 

Ob in Westböhmen oder in Ostbayern, überall hat sie sich diese Pflanzenart inzwischen ausgebreitet, die Herkulesstaude oder auch Riesen-Bärenklau genannt. Ob im Erzgebirge, Kaiserwald oder im Vogtland, überall hat in der Natur hat innerhalb der Pflanzenwelt ein wahrer Verdrängungsprozess eingesetzt, wobei die einheimischen Pflanzen gegenüber den fremden Invasoren meist den Kürzeren ziehen und wahrhaftig unterdrückt werden. Sie haben den fremden, ursprünglich aus dem Kaukasus stammenden Giganten kaum etwas entgegenzusetzen.

So stehen die Riesengewächse zum Teil dicht an dicht in manchen Abschnitten am Ufer der Eger zwischen Kynšperk nad Ohří/Königsberg a. d. Eger und Libavské Údolí/Liebauthal, wo der Bärenklau teilweise einen derartigen Verbreitungsgrad und Dichte erreicht hat, dass es zwischen den hohen Gewächsen kaum ein Durchkommen gibt und es auch viel gesünder ist, diese Stellen zu meiden, um keinen gesundheitlichen Schaden davonzutragen. So ist diese Pflanze z, B. auf einer größeren Fläche des früheren Ortes Dörnsdorf/Dolina im Erzgebirge zufinden, das im Zuge des Baues der Talsperre Preßnitz dem Erdboden gleich gemacht wurde, unmittelbar an der Straße zu finden. - Die Einwohner in Westböhmen nennen dieses Pflanzenungetüme mit echt böhmischen Humor „Bolschewiki", da sie sich, hätten sie einmal irgendwo Fuß gefasst, kaum wieder verdrängen ließen und wenn, dann überhaupt nur unter Einsatz brachialer Mittel!

Die „Bolschewiki" sind äußerst widerstandsfähig und überdauern auch die ungünstigsten Temperatur- und Feuchtverhältnisse mehrere Jahre. Ihre Bekämpfung ist überaus schwierig und zeitintensiv, was dazu geführt hat, dass sich der Riesen-Bärenklau besonders im Egerland auf Brachen und Öden weit verbreitet hat. In Westböhmen bedeckt sie zwischenzeitlich bereits weite Flächen und verbreitet sich inzwischen auch im Fichtelgebirge, wohin sie von Imkern eingeschleppt worden sein soll, um damit ihre Honigerträge zu steigern. Wie zu sehen ist, nimmt die Natur dabei auf politische Grenzen keinerlei Rücksicht und geht ihre eigenen Wege.

Seitens der Behörden wird zwar einiges gegen die weitere Ausbreitung unternommen, wie den tschechischen Medien zu entnehmen ist, jedoch ist dies scheinbar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nicht unmöglich ist die Bekämpfung jedoch auf begrenzten Standorten. "Wehret den Anfängen!" – Dieses Motto gilt noch auf dem Erzgebirgskamm, denn im Egerland ist diese Giftpflanze schon soweit verbreitet, dass sie vermutlich nie wieder vollständig beseitigt werden kann auch wenn man dies mit aller Kraft wollte.

Täterbeschreibung: Der Riesen-Bärenklau kann bis zu fünf Meter hoch werden und hat riesige, gezackte Blätter, gespickt mir Härchen, die kein Licht mehr zum Boden durchdringen lassen und die den Nachbarn unbarmherzig den Platz wegnehmen. Eine Berührung der Pflanze kann schnell zu Hautreizungen, ähnlich einem Sonnenbrand, führen.

Im Jahr 2008 wurde die Herkulesstaude zur Giftpflanze des Jahres gekürt.

Doch wie kam dieses Gewächs, das doch eigentlich im Kaukasus beheimatet ist, nach Westböhmen? Es soll der russische Zar Alexander I. gewesen sein, dem die erste Ausbreitungswelle dieses Riesen-Bärenklaus in Europa zu verdanken wäre. Zum Abschluss des

Wiener Kongresses (1815) habe er dem Fürsten Metternich – quasi eine „Büchse der Pandora" - in Form einer Vase mit Samen des Riesen-Bärenklau überreicht, den Metternich in seinen Gewächshäusern um Schloss Königswart/Kynžvart (in der Nähe von Marienbad gelegen) gepflanzt habe. Alexander soll darüber verstimmt gewesen sein, weil sich der Fürst bei der Herausgabe von Polen knickrig gebärdet habe. - Damit wären die Hauptschuldigen der Misere gefunden, nämlich die Franzosen bzw. Napoleon Bonaparte, ohne den ein Wiener Kongress nicht notwendig gewesen wäre. – Damit wäre diese Pflanze ein „invasiver Neophyt", also aus fremden Ländern eingeschleppt.

 

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