ST. GUNTHER – EREMIT, KLOSTERGRÜNDER UND DIPLOMAT

Der Heilige des Böhmerwaldes – Leben und Wirken

Ressorts: Tschechien, Region, Kultur, Ausstellung

Artikelinformationen

DATUM

Freitag, 02 August 2013 11:06

Empfehlen

Artikel drucken

Der im Böhmerwald und im grenznahen nördlichen Bayerischen Wald als Heiliger verehrte Gunther (ca. 955 – 1045) entstammte dem thüringischen Adelsgeschlecht der Grafen von Schwarzburg-Käfernburg und war mit dem damaligen deutschen König (und späterem Kaiser) Heinrich II. verwandt. In der historischen Literatur wird er als Missionar, Diplomat, Friedensstifter sowie Wege- und Brückenbauer zwischen den Nationen bezeichnet. Bis zu seinem fünfzigsten Lebensjahr wirkte er als thüringischer Gaugraf im weltlichen Bereich, aus dem er sich 1005 zurückzog und in das Be-nediktinerkloster Niederaltaich an der Donau eintrat.

Drei Jahre später zog er als Einsiedler in die Nähe von Lalling nahe der böhmischen Grenze, im Jahre 1012 gründete er mit weiteren Benediktinern das Kloster Rinchnach ebenfalls nahe der böhmischen Grenze, das durch umfangreiche Rodungen zur ersten Siedlung im mittleren Bayerischen Wald wurde. 1040 verließ er das Kloster und lebte wieder als Einsiedler unterhalb des Guntherfelsens beim Böhmerwald-Ort Gutwasser, wo er 1045 starb. Sein Leichnam wurde auf Veranlassung des böhmischen Herzogs Břetislav ins Kloster Breunau (Břevnov) bei Prag überführt und dort be-graben.

 

Während dieser ganzen Zeit jedoch war Gunther stets in Verbindung mit den politischen Größen seiner Zeit und wurde von ihnen immer wieder mit Aufträgen bedacht: Missionierung mit Klostergründung in Ungarn oder bei den slawischen Liutitzen z.B., er war Vertrauter und Ratgeber für König und Kaiser, und er führte diplomatische Verhandlungen vor allem zwischen deutschen und tschechischen Fürsten. Er wirkte aber auch segensreich für seine unmittelbare Umgebung: So ver-anlaßte er weitere Rodungen und Klostergründungen im „Nordwald", wie das Gebiet damals genannt wurde, und vor allem den Bau des „Gunthersteiges", der als Handelsweg von der Donau bis nach Prag führte, quer durch die Wildnis von Bayer- und Böhmerwald.

Dem Leben und Wirken dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit ist zur Zeit eine zweisprachige Ausstellung in der Galerie des Adalbert-Stifter-Zentrums in Oberplan (Horní Planá) im Böhmerwald unter dem Titel „Ein Einsiedler-Diplomat – Der heilige Gunther" gewidmet, erstellt von der in Schüttenhofen (Sušice) im Böhmerwald lebenden Künstlerin Zuzana Jonová und finanziert vom Kulturreferenten für die böhmischen Länder beim Adalbert-Stifter-Verein in München. Die Ausstellung ist noch bis 30.11.2013 zu sehen, der Eintritt ist frei (museumsübliche Öffnungszeiten). Das Adalbert-Stifter-Zentrum befindet sich in der Jiráskova-Straße 168 .

 

Politik

Regional

Wirtschaft

Tourismus

Umwelt

Kultur