Das Paradeisl, altbaierischer Vorläufer des Adventskranzes

Ressorts: Bayern, Niederbayern, Gesellschaft, Aktuelle Themen, Region, Kultur, Heimat und Brauchtum

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Donnerstag, 01 Dezember 2011 01:09

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Einen alten, weitgehend vergessenen Brauch der vorweihnachtlichen Zeit wiederbeleben möchte Bezirksheimatpfleger Dr. Maximilian Seefelder – das Paradeisl. Denn anders als der Adventskranz hat es seinen Ursprung im Altbaiern.

 

Wer seine Urgroßeltern oder Großeltern nach dem Adventskranz fragt, wird erfahren, dass dieser hierzulande erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Gebrauch gekommen ist. Erfunden wurde er im ausgehenden 19. Jahrhundert von dem evangelischen Pfarrer und Erzieher Johann Hinrich Wichern in Hamburg.

„Bräuche müssen nicht immer uralt und erst recht nicht in heidnischer Zeit entstanden sein. Meist sind sie christlichen Ursprungs", sagt Bezirksheimatpfleger Dr. Maximilian Seefelder. „Und wer würde schon vermuten, dass der beliebte Adventskranz seinen Weg vom Norden Deutschlands in den brauchfreudigen Süden gefunden hat." Trotzdem gab es auch in Altbayern einen „adventlichen Zeitmesser": Das Paradeisl – eine aus sechs Holzstäben zusammengefügte Dreieckspyramide, an deren Ecken vier rote Äpfel sind. In jeden Apfel wird eine Kerze gesteckt. Die Stäbe sind bemalt oder mit Tannenreisern verziert.

Auf einen Teller gestellt, mit Nüssen und Gebäck geschmückt, ist das Paradeisl häusliche Dekoration und Zeitmesser während des Advents. Jeden Sonntag wird eine Kerze angezündet. Am vierten Adventsonntag brennt das Licht auf der Spitze der Pyramide. Man verwendet rote Kerzen oder auch die liturgische Farbe Violett.

Die Bezeichnung Paradeisl leitet sich von „Paradies", dem Garten Eden, ab. Der mit Äpfeln behangene „Paradiesbaum" war Bestandteil der mittelalterlichen „Paradiesspiele". Solche wurden in Kirchen und Klöstern während der Liturgie aufgeführt und später, insbesondere ab der Barockzeit, in privaten Wohnhäusern nachgespielt. Hier fand auch das Paradeisl seine brauchgemäße Verwendung. Es symbolisiert den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Der Apfel soll an den Sündenfall erinnern, die Kerzen weisen auf die Erlösung durch Christus als „Licht der Welt" hin.

„Es ist ein schöner Brauch, während des Advents ein Paradeisl aufzustellen. Es besitzt eine besondere Symbolik. Praktisch ist es obendrein: Äpfel können nicht anbrennen", sagt Dr. Seefelder augenzwinkernd.

 

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