Ein Kulturraum im Wandel der Zeiten

„Das Bistum Passau und seine Geschichte“.

Ressorts: Städte, Bücher, Hintergrund, Kultur, Hintergrund, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Freitag, 13 Januar 2012 15:03

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Wenn eine „Institution" ein gewisses Alter erreicht hat und immer besteht, dann hat sie sich während des turbulenten Verlaufs ihrer Geschichte der letzten anderthalb Jahrtausende doch gegen alle Widrigkeiten seit ihrem Entstehen durchsetzen können - und sich dabei als „Instanz" offenkundig auch bewährt. Eigentlich ein Erfolgsmodell! Die Rede ist hier vom Bistum Passau, über dessen „Erfolgsgeschichte" der Archivdirektor des Diözesanarchivs, Dr. Herbert Wurster, ein übersichtliches und kompaktes Buch unter dem Titel „Das Bistum Passau und seine Geschichte" veröffentlicht hat.

 

In seinem Buch führt Wurster den Leser durch die Geschichte „seines" Bistums, zeichnet dessen Entwicklungslinien im Rahmen europäischer Geschichte. Aber auch die Kunstgeschichte sowie Fragen der Kirchenarchitektur handelt der Autor ab. Ein wichtiger Aspekt ist die Volksfrömmigkeit, die er nicht vergisst. Dr. Herbert Wurster, seit Jahrzehnten bekannt für seine Arbeiten und Veröffentlichungen im Bereich der niederbayerischen Kirchengeschichte, aber auch anderer Themen, behandelt mit dieser Veröffentlichung einen Teil der Territorialgeschichte der bergigen, aber doch fruchtbaren Donau-Moldau-Region, indem er nicht nur die Entstehung und Bedeutung des uralten Bistums Passau und dessen Bedeutung für das Zusammenleben in Teilen des Bayerischen und des Böhmischen Waldes vorstellt.

Das Bistum Passau, mit der ihm namengebenden Stadt, liegt an dem Zusammenfluss mehrerer Wasserstraßen in den großen Strom. „Die Donau, eine der Hauptadern europäischen Lebens, charakterisiert seit je auch das bayerisch-österreichische Land. Mitsamt seinen Nebenflüssen ist der mächtige Strom eine Leitlinie für den Lauf der Geschichte in Mittel- und Südosteuropa." Der Donauraum ist ein uralter menschlicher Siedlungs- und Kulturraum, von dessen kontinuierlicher Geschichte seit der Antike nicht nur die zahlreich vorhandenen und sichtbaren Baudenkmäler, sondern auch ein umfangreiches Schrifttum Zeugnis geben. Hier an der Donau wurde auch europäische Geschichte geschrieben. Daher ist es kein einfaches Unterfangen, ungefähr anderthalb Jahrtausende Geschichte auf dem knappen Raum von 192 Seiten Buchumfang übersichtlich und informativ auch für diejenigen zusammenzufassen, für die die Donau-Moldau-Region im Allgemeinen - und das Bistum Passau im Besonderen - ein mehr oder weniger „weißer Fleck" auf der Landkarte darstellt. Natürlich kann das Werk nicht ausführlich allumfassend sein, aber es ist spannend, selbst für „heidnische" Wissbegierige geschrieben, die sich ein Bild der Region mit viel Hintergrund verschaffen möchten. - Beim Leser ist aber auch irgendwie der Eindruck entstanden, dass der Buchtext inhaltlich an die historische Aufgabe des Bistums Passau anknüpft, der Verbreitung des Christentums Vorschub zu leisten.

Das Herrschaftsgebiets des einstigen Hochstiftes Passau erstreckte sich einmal auf Gemeinden, die heute in drei Staaten liegen und sein religiöser Einfluss reichte selbst hinein bis nach Mähren und Ungarn. Das Bistum Passau wurde im Jahr 739 von Bonifatius gegründet. Es soll jedoch der Sage nach aus dem antiken Bistum Lauriacum hervorgegangen sein, während das Hochstift Passau als weltlicher Herrschaftsbereich, im Jahr 999 seine Anfänge nahm, als dem damaligen Bischof Christian von Passau von Kaiser Otto III. die Gerichts- und Verwaltungshoheit, das Markt-, Münz- und Zollrecht über die Stadt Passau übertragen wurde, womit der Bischof erstmals auch politisches Oberhaupt der Stadt wurde. - Das Hochstift Passau, mit ihm seine Fürstbischöfe, bestand bis zur Säkularisation durch den Reichsdeputationshauptschluss am 22. Februar 1803. Das Hochstift Passau hat mit seinem Territorium für die Häuser Habsburg und Wittelsbach stets ein Objekt der Begierde dargestellt.

Umfassend bebildert und reich illustriert werden in dem in vier große Kapitel gegliederten Buch, die wiederum unterteilt sind in die verschiedenen Zeitabschnitte, in veranschaulichenden Texten Geschichte und Kultur beschrieben. Hinzu kommt ein übersichtliches Kartenmaterial, zum bessern Verständnis der Zeitabläufe von der Spätantike bis in die heutige Zeit. Natürlich darf bei der Darstellung auch nicht auf eine Liste der altvorderen Bischöfe der Diözese Passau bis zur Jahrtausendwende fehlen sowie der Hinweis auf die Herkunft von Papst Benedikt XVI. „Zukunft kann der Mensch nur gestalten, wenn er um seine Geschichte weiß. Das gilt für das ganz persönliche Leben, das gilt für die großen Bögen der Weltgeschichte, das gilt auch für unser Bistum Passau", schreibt Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl in seinem Geleitwort zum Buch von Herbert Wurster.

Mit diesem Buch „Das Bistum Passau und seine Geschichte" gibt der Autor gleichzeitig ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass sich Bücher nicht so ohne weiteres durch elektronische Medien ersetzen lassen. Gleichzeitig gibt er auch künftigen Besuchern der grenzüberschreitenden bayerisch-oberösterreichischen Landesausstellung 2012 im einstigen Gebiet „Innbaiern" ein willkommenes Werkzeug für das Verstehen der historischen Zusammenhänge in die Hand. Es hilft ihnen bei der Schaffung von Kenntnissen oder aber einer gewissenhaften Zusammenfassung bereits vorhandenen Wissens.

„Das Bistum Passau und seine Geschichte" von Herbert Wurster. Erschienen: 2010, 192 Seiten, gebundenes Buch. ISBN: 9782746823815 - 19,80 Euro

 

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