Borovany – viel alte und auch neuere Geschichte

Ressorts: Städte, Tschechien, Hintergrund, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Dienstag, 21 Februar 2012 13:48

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Borovany ist eine Kleinstadt im Bezirk Budweis mit viel Geschichte, Landschaft und Natur pur, aber auch mit einem Bezug zur neueren Geschichte, die der Lehrpfad „Totalitär trennt" veranschaulicht. Dieser informiert über die Geschichte der Tschechisch-Österreichischen Grenzbefestigungen und Schutzbunker aus den Jahren 1936-1938.

 

Die Stadt Borovany, auf deutsch Forbes, gehört zwar mit ihren knapp 4.000 Einwohnern zu den kleineren Kommunen des Südböhmischen Kreises, nichts desto trotz geht von ihr eine besondere Anziehungskraft aus. Zurückzuführen ist das auch auf ihre Lage in der malerischen südböhmischen Teichlandschaft. Zum Gemeindeverband von Borovany gehören die Ortsteile Dvorec (Wurzen), Hluboká u Borovan (Hluboka), Radostice (Radostitz), Trocnov (Tratzenau, auch Trotznow), Třebeč (Triebsch) und Vrcov (Wirzau).

Der historisch bedeutendste Gemeindeteil ist das Dorf Trocnov, in dessen Umgebung sich die ehemaligen Gehöfte der Familie Žižka von Trocnov befanden und wo der berühmte Hussitenanführer Jan Žižka geboren wurde. Die noch vorhandenen Gebäudereste wurden 1908 ausgegraben. Hier befindet sich ein Lehrpfad sowie eine kleine Ausstellung über die Hussitenbewegung. Zwischen 1958 und 1960 wurde auf dem Gelände von Josef Malejovský für den Heerführer ein Monumentaldenkmal errichtet. Es zählt zu den am meist besuchtesten touristischen Ziele in der Gegend von Borovany. - Daher gehört Borovany natürlich auch zur deutsch-tschechischen „Vereinigung der Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition", deren Prinzipien lautet: „Gemeinsame Geschichte verbindet – sei es im positiven oder negativen Sinne. Böhmen und Deutschland waren im Spätmittelalter betroffen von den Missständen in der Kirche, von der Kirchenkritik, den Reformideen des Jan Hus, vom Hussitismus und den Hussitenkriegen."

Wie jede böhmische Stadt so hat auch Borovany seinen zentralen Hauptplatz – oder Marktplatz, eine rechteckige, mit leichtem Baumwuchs bepflanzte Freifläche, auf dem geschichtsträchtige Denkmäler stehen, wie ein alter Pranger mit der Jahreszahl „1656" als Bekundung der städtischen Gerichtsbarkeit und ein weiteres Denkmal für den hussitischen Haudegen Jan Žižka von Trocnov, das am 24. Juni 1893 eingeweiht worden ist. An der östlichen Stirnseite des Platzes steht das im 16. Jahrhundert erbaute malerische Rathausgebäude, das auch heute noch als solches genutzt wird. „Es entstand als Gegenpol des Klostergebäudes". Das Rathaus teilt den Hauptplatz in einen „Oberen" und den „Unteren" Teil. Ihm gegenüberliegend, auf der Westseite, stehen das Ensemble des Schwarzenberg'schen Schlosses, Kirche und Kapelle. - Das ehemalige Augustinerkloster wurde 1455 gegründet. Im 18. Jahrhundert kam es zu Umbauten, indem 1746 eine barocke Skapulierkapelle hinzugefügt wurde. Zum Sitz der Klosterprälatur wurde von 1760-1770 das repräsentative dreiflűglige Barockgebäude erbaut. 1785 wurde das Kloster aufgehoben und von den Schwarzenberg als Schloss eingerichtet. – Schloss, Kloster, Kapelle und die Kirche Mariä Heimsuchung sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Entlang der Längsseiten stehen die Überbleibsel kleiner Denkmäler der südböhmischen Volksarchitektur, die kleinen Wohnhäuser, und geben Einblicke von der Lebensweise der Bevölkerung. – Allerdings muss man eingestehen, dass es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einigen unvorteilhaften Eingriffen bei der Bausubstanz um den Hauptplatz herum gekommen ist.

Der Besucher von Borovany hat die Möglichkeit, sich im örtlichen toruistischen Infocenter von Frau Alena Seberová ausführlich beraten zu lassen und muss dabei mit keinerlei sprachlichen Verständnisschwierigkeiten rechnen. Das Infocenter ist im Schloßgebäude untergebracht. Der Tourismus ist für die ganze Region keine unwesentliche Einnahmequelle, obwohl die kleine Stadt eher ein wenig abseits gelegen ist, quasi ein Geheimtip. So ist es daher von Interesse in Erfahrung zu bringen, wie stark Borovany von Touristen frequentiert wird und woher diese stammen? Diese Fragen kann Frau Seberová selbstverständlich sofort beantworten. Auf die Besucherzahlen in ihrer Stadt angesprochen: „Die Statistikzahlen werden uns erst im April zur Verfügung stehen. Im Kloster waren in der Saison bei Führungen 3.000 Besucher, bei den Konzerten insgesamt 5.000 Besucher und zu dem jährlichen „Heidelbeerenfest" Mitte Juli 2011 kamen mehr als 10.000 Besucher. Die meisten Touristen sind „Einheimische", aber es kommen auch Österreicher aus dem Grenzgebiet, Deutsche und Holländer. Aus Fernost, also Japan oder China, waren bisher aber noch keine Touristen dort. Wir stehen immer noch am "Rande." – Zu einem Massentourismus wie etwa in Krummau oder Budweis wird es in Borovany vermutlich nicht kommen, da hier eher der Platz für Ruhe suchende Menschen ist, für Wanderer oder Angler, die sich zwar historisch und kulturell auslasten, aber nicht überlasten möchten, in oder rund um Borovany herum.

So wäre ein Abstecher in das „Heidelbeerparadies", mit dem die Stadt wirbt, sicher ein auch eine Gaumenfreude, denn in den Kieferwäldern der Umgebung wachsen diese süße blauen Beeren derart reichlich, dass man ihnen am Wochenende nach dem 8. Juli ein jährlich stattfindendes Heidelbeerenfest widmet, zu dem deren Liebhaber von überall her aus nah und fern angereist kommen. Auf dem örtlichen Markt können dann nicht nur die Früchte selbst, sondern auch aus ihnen hergestellte Leckereien wie Kolatschen oder Liwanzen erworben werden – und Heidelbeerschnaps. Dazu werden verschiedene Wettbewerbe veranstaltet, wie das Wettessen von Germknödel in Heidelbeersoße und die Kinder müssen sich zum Schatz in einer Kolatsche durchbeißen.

Borovany wird bereits im Jahre 1186 erwähnt und wurde Ende des 13. Jahrhunderts zum Sitz des Adelsgeschlechtes der Wittigonen. Später fiel es an die Rosenberger. Der nächste Besitzer Petr von Linda gründete 1455 in Borovany das Augustinerkloster mit der Kirche Mariä Heimsuchung, die im spätgotischen Stil in den Jahren 1455-1466 erbaut wurde. Ihr Barockturm stammt aus dem Jahre 1729. „Borovany – ein historischer Ort mit außergewöhnlicher Konzentration künstlerischer und historischer Denkwürdigkeiten, ein von vielen altertümlichen Sagen umwobener Ort, ein Ort, der eingebettet ist in eine herrliche Landschaft und letztendlich auch ein Ort, in dessen Bezeichnung tiefe Kiefernwälder zum Ausdruck kommen, strotzend durch Reichtum an Heidelbeeren und Pilzen [borovice – ist im Tschechischen die Kiefer]. Und ganz nahe, wie der Dichter seiner Heimat Ladsilav Stehilk sagen würde, ist es bis nach Trocnov. Wir können zwar der Sage keinen Glauben schenken, dass von Schloß Borovany zur Geburtsstätte des Hussitenführers Žižka ein geheimer unterirdischer Gang führt..", aber, ob der Autor des Buches „Borovany", Daniel Kovář, mit seinem Zweifel recht hat, lässt sich am besten bei einem Besuch in der südböhmischen Stadt selbst feststellen.

 

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