Perle inmitten uralter Teichlandschaft

Blatna

Ressorts: Städte, Tschechien, Region, Tourismus

Artikelinformationen

Autor

Hermann Höcherl

DATUM

Dienstag, 23 August 2011 13:53

Empfehlen

Artikel drucken

Der 13. August – ein schicksalsträchtiges Datum Deutschland, der Tag des Mauerbaus in Berlin vor 50 Jahren – hat auch für die Bewohner der südböhmischen Stadt Blatna eine besondere Bedeutung. Am 13. August des kommenden Jahres 2012 jährt sich zum zehnten Mal der Tag, an dem die kleine Stadt am Flüsschen Lomnice förmlich im Hochwasser versank. Es dauerte Jahre, bis die großen Schäden an Brücken und Häusern, an Firmengebäuden und Straßen gerade auch im Zentrum beseitigt waren. Mit Hilfe vieler gelang eine große Gemeinschaftsleistung: Das Städtchen ist heute schmucker denn je und immer mehr Touristen, vor allem auch aus Deutschland, entdecken seine beschauliche Schönheit.

 

Seinen Namen bekam Blatna von den Sümpfen (blata), inmitten derer es gegründet wurde. Die erste schriftliche Erwähnung Blatnas erscheint auf einer Urkunde von Vaclav I. (Wenzel I. Premysl) aus dem Jahr 1235, in er sie als ein Edelmannssitz angeführt wird.

Aus der Geschichte

Eine erste Blüte erlebt der Ort, als das mächtige südböhmische Geschlecht der Bavor von Straconice – die Burg in der rund 25 Kilometer entfernten Stadt gibt ein beredtes Zeugnis – am Ende des 13. Jahrhunderts 100 Jahre hier herrschte. Es folgt die Ära der Herren von Rosenthal, die nach dem Ende des Hussitenkrieges eine tragende Friedensrolle spielten, nach den Herren von Sternberg kaufte der polnische Graf Jan von Rozdrazov Schloss und Herrschaft. Ihm ist wohl auch die Stadterhebung durch Kaiser Rudolf II. Im Jahre 1601 zu verdanken.

Die ungarische Grafenfamilie der Serenyi, die unter anderem die Barockkirche im nahen Pastiky von K.I. Dienzenhofer erbauen ließ, regierte bis 1798: In diesem Jahr kauften die Freiherren Hildprandt von und zu Ottenhausen das Schloss und führten zahlreiche bauliche Änderungen im Schloss und seinem Umfeld durch. 1946 enteignet, ist die Familie mit Johannes Freiherr Hildprandt von und zu Ottenhausen 1992 wieder nach Blatna zurückgekehrt. Er leistet seinen nicht unerheblichen Beitrag zum wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.

„Zeitreise" mit dem Bürgermeister

Kleineren gewerblichen Gemeinschaften – Bau-, Metall-, Holz-, Ton und Lederverarbeitung neben der traditionellen Teich- und Landwirtschaft folgten im 20. Jahrhundert große Veränderungen: Zu traditionellen Betrieben der Steinbearbeitung und Fischwirtschaft kamen Betriebe wie Tesla, DURA, Vishay und BTF – die metallverarbeitende Industrie hielt ihren Einzug. Doch auch die Stadt selbst war nicht untätig, als selbstständiges Handeln nach der „samtenen Revolution" gefragt war.

Zusammen mit Bürgermeister Mgr. Bohuslav Navratil gehen wir beim Gespräch im Rathaus auf eine kleine gemeinsame „Zeitreise". Wir erinnern uns an Josef Pospisil aus Straconice, der leider vor wenigen Jahren verstarb und der auch in Blatna kein Unbekannter war. Seine Unterstützung beim Aufbau der Stadtverwaltung und des Bauhofes trug ihm den Spitznamen „Turbo" ein.

Bei der Feier zum 30jährigen Bestehen des Bauhofes im Jahre 2004 in der alten Turnhalle wurde der Leistungen dieser städtischen Organisation - und auch der Hilfe der schweizerischen Partnerstadt Roggwil gedacht. Ohne Hilfe eines „großen Bruders im Westen" ging die stadteigene GmbH ihre Aufgaben an: Wohnungssanierung, Straßenbau, soziale Einrichtungen, den Betrieb eines großen überörtlichen Krematoriums, Bau von Heizungsanlagen und die Müllentsorgung. Der Abend bot viel Musik, Essen und Trinken und am Schluss seiner Rede mahnte der damalige Bürgermeister Jiri Mikes die anwesenden Bürger der „Stadt der Rosen" , wie Blatna wegen seiner berühmten Rosenzucht auch genannt wird, den Abend (wohl aus Erfahrung) „halbwegs friedlich" zu beenden.

Vier Jahre später: Besuch bei BLATENSKA RYBA, dem Teichwirtschaftsbetrieb mit großer Tradition. Der erste Karpfenteich in Blatna wurde 1403 angelegt, fast 1600 Hektar Teichfläche werden heute nach modernsten Gesichtspunkten bewirtschaftet, die Fische, jährlich bis zu 900 Tonnen Speisefische und 100 Tonnen Setzlinge, zumeist Karpfen, gehen in viele Länder Europas, speziell auch nach Deutschland. 1546 schrieb der Olmützer Bischof Jan Dubravius in lateinischer Sprache sein grundlegendes Werk „Über die Fische", das bis heute Gültigkeit besitzt. Und da ohne Essen und Reden nichts in Tschechien geht, ein kleines festliches Fischmahl in der Firma. Auch ein chinesischer Kugelfisch, giftig und nur nach spezieller Behandlung eine Delikatesse, wird aufgetischt. „Sollen wir warten damit, bis die anderen gegessen haben?" , so die Frage an Josef Pospisil. Die Antwort: „Hat keinen Sinn, die haben Mägen wie Krokodil!"

Im gleichen Jahr: Besuch mit Mgr. Bohuslav Navratil, damals noch Vizebürgermeister, und Josef Pospisil, „Mister Pepi" von uns genannt, bei der Brennerei „Liqui B". Der geschäftsführende Gesellschafter in den alten Brauereigebäuden, die modernste Technik beherbergen, ist Diplomkaufmann Johannes Freiherr Hildprandt von und zu Ottenhausen vom Schloss gegenüber. 5000 Tonnen heimisches Obst werden hier ohne Zusätze jährlich verarbeitet. Die Auszeichnungen an der Wand zeigen die hohe, streng geprüfte Qualität des Destillats. Bis zu 150 000 Liter reiner Alkohol aus Obst verlassen jährlich die Brennerei in Richtung Schweiz, Österreich und Deutschland. Beim Abschied an diesem milden Frühlingstag 2008 sehen wir die ersten Störche auf den Türmen der Brauerei. Es ist ein alter Brauch, dass der Arbeiter, der sie zuerst sieht, ein Fässchen Bier bekommt. So hält es auch Johannes Freiherr Hildprandt von und zu Ottenhausen in guter Tradition. Infos unter www.mesto-blatna.cz

 

Über den Autor

Hermann Höcherl

Politik

Regional

Wirtschaft

Tourismus

Umwelt

Kultur