Zum 15. Mal Begegnungen am Goldenen Steig in Prachatice/Südböhmen

„Berufliche Bildung soll verstärkt in Blickpunkt rücken“

Ressorts: Schule und Studium, Tschechien, Europa, Ausbildung und Arbeitswelt, Gesellschaft, Region

Artikelinformationen

Autor

Michael Alt

DATUM

Mittwoch, 31 Oktober 2012 09:09

Empfehlen

Artikel drucken

„Kompetenzsteigerung durch Bildung und Fachausbildung – ein wichtiger Faktor beim Aufbau der Europaregion Donau-Moldau" lautete das Thema bei den Begegnungen am Goldenen Steig 2012. Bei der zum 15. Mal von der Hanns-Seidel-Stiftung, Prag, München, der Stadt Prachatitz und der Union für gute Nachbarschaft tschechisch- und deutschsprachiger Länder ausgerichteten Veranstaltung im historischen Rathaus wurde in Referaten und Diskussion Rückschau in Sachen „Europaregion Donau - Moldau " gleichermaßen gehalten wie ein Blick in die Zukunft gewagt

 

Nachdem am Vorabend Hanns-Seidel-Stiftung und Stadt Prachatitz in die Kellerräume des Rathauses zu einem Empfang eingeladen hatten, eröffnete Mag. Jindrich Mallota, Leiter der Vertretung der Hanns-Seidel-Stiftung in der Tschechischen Republik, am Freitag das Symposium und wies auf die gute Tradition der Reihe hin, mit der Bilanz gezogen werde, aber auch Weichen gestellt würden. Nach den bisherigen Schwerpunkten habe man sich dieses Mal für die Bildung entschieden, die mit ihren vielfältigen Facetten einen überaus wichtigen Baustein auf dem Weg zur angestrebten „Europaregion Donau - Moldau " darstelle.

In seinem Grußwort brachte Martin Malý, erster Bürgermeister von Prachatitz, seine Freude darüber zum Ausdruck, dass seine Stadt wieder Gastgeber für diese „hochkarätige Zusammenkunft" sei. Gerne werde man auch den weiteren Weg der „Europaregion Donau - Moldau " begleiten.

Ing. Vratislav Kulhánek, Präsident der Union für gute Nachbarschaft tschechisch- und deutschsprachiger Länder, ehemaliger Generaldirektor der Škoda-Werke Mladá Boleslav, betonte, dass man zwar nicht von bestehenden Aktionen ablassen wolle, aber eine „Verlagerung auf die Wirtschaft" angebracht sei. Nicht zuletzt die berufliche Bildung müsse verstärkt in den Blickpunkt rücken, denn qualifizierte Arbeitskräfte würden in fast allen Ländern fehlen.

Davon, dass sich Gegenwartsbezug und Zukunftsbindung die Waage halten müssten, sprach Dr. Klaus Fiesinger. Der Referatsleiter für die Länder Mittel-, 0st- und Südosteuropas, Zentralasien und Kaukasus der Hanns-Seidel-Stiftung, betonte, dass Bildung nicht an Ländergrenzen ende. Bei aller Arbeit müsse vermittelt werden, dass es sich bei der „Europaregion Donau - Moldau " nicht um ein „weiteres aufgeblähtes Konstrukt" handle, sondern dass die Beteiligten „ihr Herzblut investieren".

Defizite bei gemeinsamen

Bildungsansätzen

„Die Bedeutung der Bildung für eine gedeihliche Entwicklung der Regionen – Beispiel Europaregion Donau – Moldau": Unter dieser Überschrift bedauerte Prof.Dr. Gabriel Švejda, CSc., der Rektor der Hochschule für europäische und regionale Studien, České Budějovice, dass man im Bereich der Bildung noch nicht so recht vorangekommen sei. In einem „trilateralen Prozess" gelte es verstärkt, bestehende Barrieren zu überwinden, wobei die Sprache nicht das alleinige Problem sei.

Als Vertreter von Beruflichen Fortbildungszentren der bayerischen Wirtschaft (BFZ) legte Steffen Steinke seinen Schwerpunkt auf die „momentan leider noch so wenigen" grenzübergreifenden Projekte. Der Direktor des seit Oktober 2006 in der Tschechischen Republik selbstständig arbeitenden bfz o.p.s. Beschrieb die in Zusammenarbeit der entsprechenden Einrichtungen von Eger und Marktredwitz noch bis Frühjahr 2013 laufende gemeinsame Ausbildung im Pflegebereich. Als zweite Maßnahme berichtete er zum Thema „Prioritäten der Arbeit der BFZ in der Tschechischen Republik und die Kooperation mit tschechischen Partnern" von der InterCool/Tour (2010 bis 2012), bei der von den von ihr erfassten arbeitslosen Jugendlichen aus Schweinfurt 95 Prozent Arbeit fanden.

Mit „Bisherige Erfahrungen und neue Perspektiven der Zusammenarbeit im Bereich Fachausbildung im Rahmen der Europaregion Donau – Moldau" setzte sich im letzten Referat der diesjährigen Zusammenkunft Ing. Lubomír Pichler, der Leiter der Fachmittelschule Vimperk, auseinander. Ausführlich ging er auf das in Bayern praktizierte „Duale System" ein und verhehlte dabei nicht, dass es bei dessen Umsetzung auf tschechischer seite eine Reihe von Problemen geben könnte. Wie nach den Ausführungen der anderen Sprecher entwickelte sich auch nach dem Referat Pichlers eine rege Diskussion, bei der es jeweils neben nachhakenden Fragen auch kritischer Worte zur einen oder anderen Entwicklung, aber auch Anregungen für das weitere Vorgehen gab.

In seiner Zusammenfassung sprach Mag. Jindrich Mallota von einer Veranstaltung, die ein wichtiges Thema aus unterschiedlichesten Blickwinkeln beleuchtete habe. Seinen Dank an alle für das interessierte Zuhören verband er mit dem an die, welche durch ihre Wortmeldungen die ohnehin schon aufschlussreichen und fundierten Ausführung der Referenten noch bereicherten. Nun gelte es, die gewonnenen Erkenntnisse in die Arbeit für das nächste „Europaregion-Jahr" einzubringen. Optimistisch zeigte sich Mallota, dass man dann auch bei den „Begegnungen am Goldenen Steig 2013" von weiteren erfolgreich absolvierten Schritten auf dem Weg zur „Europaregion Donau – Moldau" berichten könne.

 

Über den Autor

Michael Alt

Politik

Regional

Wirtschaft

Tourismus

Umwelt

Kultur