Auf „literarischer Reise“ im Drei-Länder-Eck

Ressorts: Literatur, Kultur

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Autor

Michael Alt

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Mittwoch, 31 Oktober 2012 08:47

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„Kennen Sie den schon?" Eine Frage, die sonst häufig mit dem Versuch , den „neuesten Witz" los zu werden, gestellt wird, hat am Samstagnach¬mittag im Haus des Gastes einen ganz anderen Hintergrund. Es geht um den, beziehungsweise die Akteure, mit denen Bernhard Setzwein beim „ Literarischen Cafe" die große und - wie bei dem mit seiner Familie in Waldmünchen lebenden Autor nicht anders zu erwarten - faszinierte Zuhörerschaft auf eine „fiktive Reise durch Zeit und Drei-Länder-Eck" nimmt. Nach "Die grüne Jungfer" (Böhmen), und "Ein seltsames Land" (Bayerische Wald) ist nun mit dem im Waldviertel spielenden „Der neue Ton" die dritte „Station" erreicht.

 

Ob besagte Frage nun bejaht oder verneint wird, ist Nebensache. Auch der, welcher erst im Waldviertel „zusteigt", ist als „Mitreisender" willkommen und auch ohne Kenntnis der „Vorgeschichte" ist schnell erkennbar, in welche Richtung es geht. Ohne allzu viel vom Inhalt zu verraten, sei nur soviel gesagt, dass etwa das Haar von einem Pelz, der Walther von der Vogelweide zugeschrieben wird, ein Waller, der als Fabeltier zum Museumsexponat werden soll, oder auch das echte(!) Bier aus dem Wasser der vorzeitlichen „Böhmischen Masse" eine nicht unwichtige Rolle spielen. Und irgendwie wird dann auch noch geklärt, was ein aufgelassenes Granitwerk und ein geplantes Begegnungszentrum miteinander zu tun haben.

Ob nun bereits bekannte oder auch „neue" Gesichter – Mit seinen Akteuren wie etwa Bauunternehmer, Staubsaugervertreter, Bildhauerin, wunderlicher Forscher, ins innere Exil gedrängter Schriftsteller, Gastwirtin oder verarmter Graf zeichnet der gebürtige Münchner nicht nur ein anschauliches und teilweise anrührendes Bild von bisweilen doch etwas „schrägen" Figuren. Er lässt durch seine einfühlsamen Schilderungen des „Umfeldes" die jeweiligen Schauplätze, die eigentlich fiktiv sind, zu einem realistischen Bild vor dem Auge des Zuhörers, beziehungsweise Lesers werden.

Zurück aus dem „Stifter-Walther-Hrabal-Land", in das Setzwein mit seiner Trilogie entführt zum „Literarischen Cafe. Die Lesung am Samstag ist die mittlerweile 29. seit der Premiere im Jahre 1989. Und auch Bernhard Setzwein, so Elke Pecher, die Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, in ihrer Begrüßung, ist kein Unbekannter, denn schon zweimal sei er „Literarischer Gast" gewesen. Stadtrat Wolfgang Kerscher – „Ich bin bekennender Setzwein-Leser" – überbringt bei der Veranstaltung die von Stadt Bad Kötzting, Sudetendeutscher Landsmannschaft Kötzting, Ackermanngemeinde Regensburg und Erwachsenenbildungswerk im Landkreis Cham ausgerichtet wurde, die Grüße der Stadt und unterstreicht ebenso wie Elke Pecher den „grenzübergreifenden Charakter des Schaffens von Bernhard Setzwein. Als Dankeschön für das „Mitnehmen zu fiktiven Orten" gibt es von Kerscher schließlich ein Fläschchen „Dobra voda" für Bernhard Setzwein.

Dieser wiederum beschränkt sich nicht auf die „Leseproben", sondern plaudert auch noch ein bisschen aus dem Nähkästchen. Er habe feste tägliche Arbeitszeiten, so erzählt er, und dabei es könne durchaus vorkommen, dass er einmal eine Stunde einfach auf eine „Eingebung" wartet. Ansonsten schöpfe er aus einem „Fundus", der sich im Laufe der Jahre angesammelt habe. „Man weiß selber gar nicht mehr, wann man recherchiert oder auf Urlaub ist" umreißt er die Entstehung seiner Romane. Oft lasse er sich von realen Gegebenheiten inspirieren und baue dann die Eindrücke in seine Handlungen und Personen ein. Vieles, was sich später in seinen Werken findet, so Setzwein, habe er im wahrste Sinne des Wortes „erfahren".

Die Fahrt durch das Drei-Länder-Eck ist nun – vielleicht auch nur fürs Erste - beendet, aber Bernhard Setwein hat sicher noch viele „Reiseziele", die er mit seiner „Fan-Gemeinde" erfahren will. Und vielleicht geht es ihm ja dabei wieder wie bei dieser Trilogie. Diese war nämlich, so blickt er zurück, gar nicht als solche angelegt. Bei einer Lesung von „Die grüne Jungfer" habe er dieses Buch als Erstes von Dreien bezeichnet „und so wurde eben eine Trilogie daraus". Er selbst und auch alle, welche gerne mit ihm „mitreisen", sind über diese Entwicklung sicher nicht böse.

 

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