Kloster Hohenfurth (1)

Auf historischen Spuren in Südböhmen (1)

Ressorts: Reiseberichte, Tschechien, Hintergrund, Kultur, Hintergrund, Tourismus, Wissenschaft und kulturelle Bildung

Artikelinformationen

Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Freitag, 18 Mai 2012 14:05

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Anfangs hatte der Wettergott noch ein wenig Mitleid mit den Seminarteilnehmern, die sich von Oberplan aus zu einer nachmittäglichen Busfahrt in Richtung Hohenfurth/Vyšší Brod auf den Weg machten, wo sie sich über die Geschichte des Klosters und seinen Einfluss auf die Region einen Einblick verschaffen wollten. Kaum vor der Klosterpforte in Hohenfurth aber angekommen, meinte er es schon nicht mehr so gut und es begann ein leichter Regenschauer, der aber der allgemein guten Stimmung keinen Abbruch tat. - Das alte Kloster an der Moldau war das erste Etappenziel im Rahmen einer Exkursion, die, vom Adalbert-Stifter-Zentrum in Oberplan ausgehend, unter der Leitung von Horst Löffler stattfand, und zu einem Seminar mit dem Titel „Heimatliche Frühlingsbräuche" gehörte, veranstaltet von der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Dr. Zusana Finger, in Kooperation mit der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien.

 

Das Zisterzienserkloster Hohenfurth im Vorland des Böhmerwaldes erweckt abschnittsweise noch immer den Eindruck einer mittelalterlichen Befestigungsanlage, frei nach dem lutherischen Motto „Ein feste Burg". Das Kloster wurde bereits im 13. Jahrhundert gegründet und im Laufe der Jahrhunderte weiter ausgebaut. Der Gebäudekomplex ist kein Werk einheitlicher Bauarbeiten, sondern die Arbeit allmählichen und langfristigen Bauens. Heutzutage weisen Teile der Klosteranlage allerdings noch immer die Spuren der kommunistischen Herrschaft auf, so die ehemalige Brauerei und machen einen desolaten Eindruck. Diese Gebäude wurden ihren rechtmäßigen Eigentümern vom tschechischen Staat bisher noch immer nicht zurückerstattet, obwohl im Kloster jetzt wieder Mönche leben.

Rosenberger als Stifter

Hohenfurth übte wohl zunächst eine ähnlich Funktion aus wie Wildberg im nahen Oberösterreich. Der Ort diente dem Schutz des vorbeiführenden Handelswegs und es wird daher vermutet, dass hier bereits vor 1250 eine „Wachsiedlung" existierte. Für die Entstehung des Klosters im Jahre 1259 gibt eine Gründunglegende, nach welcher es durch Peter Wok von Rosenberg gestiftet wurde, der bei einer Überquerung der Moldau unterzugehen drohte und als Dank für seine Rettung das Kloster bauen ließ. Dies erklärt auch, warum sich in der Gruft der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt die Grablege der Familie Rosenberg (1261-1611) befindet. Die Kirche wurde 1259 geweiht und zwischen 1270 und 1280 aus Stein errichtet.

Zwischen 1360 und 1370 wurde das Gewölbe der dreischiffigen Kirche aber erst vollendet. Sie konnte allerdings während der Klosterführung leider nicht besichtigt werden, was sehr bedauerlich war. - Dafür aber fand der Gang in die aus der Rokokozeit stammende Klosterbibliothek aus dem Jahre 1757 im ersten Stock des südlichen Quadraturflügels vollstes Interesse, denn sie beinhaltet an die 70.000 Bände und ist damit die drittgrößte in Tschechien. Sie besitzt einen reichen Altbestand, der bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Von den Kommunisten wurde sie ab 1950 der Staatlichen wissenschaftlichen Bibliothek in Budweis zugeschlagen, aber 1991 dem Stift wieder zurückerstattet. In der Bibliothek werden wahre Schätze gehütet. Erwähnenswert, da von besonderer Bedeutung, sei hier das „Hohenfurther Liederbuch" aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Das Kloster unter wechselnden

politischen Verhältnissen

Der Anschluss nach dem Münchner Abkommen von 1938 brachte für das Kloster Hohenfurth eine größere Katastrophe, nachdem das Gebiet politisch dem damaligen Gau Oberdonau und kirchlich der Diözese Linz zugeschlagen worden war. Am 17. April 1941 wurde das Kloster Hohenfurth von der Linzer Gestapo aufgehoben und seine Gebäude dienten nun als Lager für deutsche Umsiedler aus Bessarabien und gegen Kriegsende als Reserve-Lazarett für die Wehrmacht. „Von den 21 Ordensangehörigen, die zum Krieg eingezogen waren, fielen zehn. Bereits am 1. November 1942 starb Pater Engelbert Blochl, Pfarrer von Heraffl, an Hunger und Misshandlungen im KZ Dachau."

Nach der Machtergreifung durch die Kommunisten im Februar 1948 erfolgte im Mai 1950 die Aufhebung des Klosters, diesmal unter anderen Vorzeichen, „in dem zuletzt nur noch zwei tschechische Mönche, drei Juniores, ein Novize und ein Laienbruder anwesend waren. Sie durften keine seelsorgerische Betätigung ausüben und wurden in das Internierungslager für Priester in das aufgehobene Kloster Osek verbracht... Nach 1950 dienten die Klostergebäude als Kaserne der Tschechoslowakischen Armee. Später wurden Grenzschutztruppen einquartiert, die für die Bewachung der nahen österreichischen Grenze, den sogenannten Eisernen Vorhang, benötigt wurden. Schließlich standen die Klostergebäude leer und wurden teilweise dem Verfall preisgegeben."

An dieser Stelle soll auf eine Hinweistafel im Flur des Eingangs zur Gemäldegalerie hingewiesen werden, die auf die Arbeit des „Vereins zur Förderung des Zisterzienserstiftes Hohenfurth" mit Sitz in Puchenau in Oberösterreich hinweist, der das Kloster engagiert dabei unterstützt, die Spuren des Verfalls und Verwüstung zu beseitigen, die zwischen 1950 und 1989 entstanden sind. Die Kosten für die Sanierung sind für das Kloster alleine fast unerschwinglich. „Wie auch weitgehend in der übrigen Tschechischen Republik hat der Orden zwar einen Teil der heruntergekommenen Baulichkeiten restituiert erhalten, nicht jedoch den Meierhof, die ehemalige Brauerei, die ehemalige Mühle und das Werkstättengebäude.

Das Kloster hofft auf eine Rückgabe dieser Gebäude. Nicht zurückgegeben wurden auch die Wälder, aus denen das Kloster Erträge für die erforderlichen Sanierungsarbeiten aufbringen könnte. Das Kloster, das für die Erhaltung und den Betrieb der Gebäude hohe Kosten hat, ist daher auf Spenden, auf die Einnahmen aus der Verpachtung des Klosterladens, der Räume für das „Café Convento", die sich beide im Besucherzentrum befinden sowie auf die Einnahmen aus der Verpachtung des ehemaligen Abteigebäudes an die staatliche Post, die in diesem Gebäude ein sehenswertes Postmuseum betreibt, angewiesen. Die eigene Quelle ermöglicht den Verkauf von Trinkwasser an die Stadt Vyšší Brod."

Die Arbeit der Mönche erstreckt sich auf folgende Bereiche: „Verwaltung und Erhaltung des Klosters, Renovierung der Baulichkeiten, Verwaltung und wissenschaftliche Nutzung der historischen Bibliothek, Betrieb des Kleinwasserkraftwerks und der Klosterwasserleitung, Buchbinderei, Tischlerei, Gartenarbeit (Pflege der Rasenflächen, Obst- und Gemüsebau und Haltung von kleinen Nutztieren für den Eigenbedarf), Tourismus und Haushaltsführung der Kommunität."

Wie bereits erwähnt, hatte der Himmel nach dem Rundgang der Seminaristen durch die der Öffentlichkeit zugänglichen Teile des Kloster ein Einsehen für einen trockenen Rückweg zum zentralen Parkplatz unten an der Moldau, nachdem die örtliche Polizei den Bus von seinem Stellplatz vor dem Haupteingang verwiesen hatte. Doch der Weg hinunter, entlang der mittelalterlichen Befestigungsmauer, wurde durch den Blick auf die beeindruckende Bausubstanz des Klosters entschädigt.

 

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