Alte Bahnstrecke soll im Dezember 2013 wieder in Betrieb gehen

Asch und Selb kommen sich wieder näher

Ressorts: Bayern, Auto und Verkehr, Städte, Tschechien, Region, Hintergrund, Reisen, Umwelt, Tourismus

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Freitag, 02 Dezember 2011 11:16

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Schlagworte

Infrastruktur

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Ein Rauschen ging durch den Blätterwald: Die Bahn macht in Oberfranken Richtung Tschechien mobil, denn die Bahnlinie von Hof über Selb nach Asch soll wieder in Betrieb genommen werden. Diese Nachricht wurde nach längerem Warten in die Öffentlichkeit getragen, nachdem die Finanzierung der Bauarbeiten abgeklärt worden ist. Damit wären die beiden Grenzstädte Selb und Asch/Aš durch die reaktivierte Bahnlinie noch besser erreichbar und wo jetzt noch Gras wächst, sollen bald wieder Züge verkehren.

 

Der regionale Eigenanteil der Kosten beläuft sich 760.000 Euro. Mit dem Bau dieser Linie wird es künftig möglich sein, innerhalb von nur einer Stunde von Hof nach Eger zu kommen. Von Eger aus bieten sich dann gute Abschlussmöglichkeiten nach Karlsbad, Marienbad, Pilsen, Prag oder Nürnberg. Hinter dem Projekt steht auch das Bayerische Verkehrsministerium. Dieses betont die besondere Bedeutung der Verbindungen nach Osteuropa, verbunden mit der außenpolitischen Bedeutung. Das Projekt für die 6,9 Kilometer langen stillgelegten Strecke, davon 1,9 Kilometer auf tschechischer Seite, die reaktiviert werden sollen, müssen 9,5 Millionen Euro aufgebracht werden. Der größte Teil wird durch EU- und Bundesmittel abgedeckt. Weitere Beteiligte sind der Landkreis Wunsiedel mit 250.000 Euro, die Stadt Hof und der Landkreis Hof beteiligen sich mit jeweils 200.000 Euro. Der offene Restbetrag wird von den Städten Rehau und Schönwald mit 80.000 und 30.000 Euro abgedeckt.

Auch die Stadt Selb, über deren Gebiet die alte Bahnstrecke verläuft, hat ihre Zustimmung gegeben. Bei einem Bürgerentscheid hatten sich die Einwohner der Stadt Selb mit großer Mehrheit für eine finanzielle Beteiligung ihrer Stadt an der Streckenreaktivierung ausgesprochen. Selb ist für den Bau von Parkplätzen im Stadtteil Plößberg und für die Deckung von 50 Prozent der Erneuerung der Eisenbahnbrücke in Wildenau verantwortlich. Für beide Projekte wurde eine Förderung durch den Freistaat Bayern in Aussicht gestellt. Auch die tschechische Seite ist beteiligt und wird Gelder im staatlichen Infrastrukturfonds bereitstellen.

Folgende Baumaßen sind auf der deutschen Seite vorgesehen:

Wiederherstellung der Strecke für 70 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit;

Bau einer Brücke über die Ortsumgehung Erkersreuth;

Aufweitung der Bahnüberführung Wildenau;

Technische Sicherung von drei stark frequentierten Bahnübergängen;

Beseitigung von fünf schwach frequentierten Übergängen, ersatzweise der Bau von Parallelwegen durch die Deutsche Bahn AG;

Umbau des Bahnhofs Selb-Plößberg mit neuem Bahnsteig und neuer Signaltechnik.

Die Bahnstrecke soll vom privaten Betreiber „Agilis" betrieben werden. Eine vom Freistaat beauftragte Studie über die tägliche Auslastung der Linie hat ergeben, dass von einem Passagieraufkommen von 1.068 bis 1.732 Personen ausgegangen werden könne. Bei dieser Prognose ist bereits der erwartete Bevölkerungsrückgang bis 2025 in Oberfranken mit berücksichtigt.

Dies ist das Ergebnis eines letzten Arbeitstreffens des Regionalen Planungsverbandes Oberfranken-Ost mit Vertretern des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie und der Deutschen Bahn AG sowie den Bürgermeistern und Landräten der an die Linie Hof – Selb angrenzenden Gebietskörperschaften.

Die Vorgeschichte der Bahnverbindung von Eger nach Hof

Die Eisenbahnstrecke von Eger bis nach Oberkotzau bei Hof wurde als Hauptbahn errichtet und verband die Königreiche Böhmen und Bayern in dieser Region. Ihren Anfang nahm sie in Eger (Eger) und führte über Franzensbad (Františkovy Lázně), Asch (Aš) und Selb nach Oberkotzau. Die damaligen Planungen sahen eine direkte Bahnverbindung zwischen Eger und Hof vor, wobei zwischen Oberkotzau und Hof die schon bestehende Ludwig-Süd-Nord-Bahn mitbenutzt werden sollte. In Betrieb sind momentan nur noch die Abschnitte Cheb–Aš auf westböhmischem und Selb-Plößberg–Oberkotzau in Deutschland.

„Zwischen Eger und Franzensbad wurde die Trasse der gleichzeitig erbauten sächsischen Strecke Herlasgrün–Eger (Voigtländische Staatseisenbahn) parallel mitbenutzt. Betrieblich blieben beide Strecken in diesem Abschnitt als eingleisige Hauptbahnen eigenständig. Von Franzensbad führte man die Trasse über Asch, Selb und Rehau nach Oberkotzau, wo die Strecke in die Ludwig-Süd-Nord-Bahn (Bahnstrecke Bamberg–Hof) einmündete. Aus topografischen Gründen konnte die Verbindung nicht direkt nach Hof geführt werden."

Die neue Strecke konnte dann am 1. November 1865 feierlich eröffnet werden und zunächst lief über diese der gesamte Zugverkehr von Hof weiter in Richtung Regensburg und München. Nachdem die Bayerische Staatsbahn im Jahre 1877 die direkte Strecke von Hof über Marktredwitz nach Regensburg eröffnet hatte, ging das Verkehrsaufkommen auf der „alten" Strecke zwar zurück, besaß aber weiterhin ihre herausragende Bedeutung für die Versorgung der Industrie im Raum Hof mit Kohle aus dem Falkenauer Becken.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der in der Tschechoslowakei liegende Streckenabschnitt entschädigungslos an die Tschechoslowakischen Staatsbahnen ČSD über. Der durchgehende Personenverkehr Hof–Eger wurde nicht wieder aufgenommen. Die Personenzüge aus Richtung Hof wurde zum Selber Stadtbahnhof verlängert. Die ČSD führte ihre Personenzüge fortan von Asch (seit 1945: Aš) weiter über die einstige Lokalbahn Asch–Adorf bis Hranice v Čechách (Roßbach)." - Den Güterverkehr konnte die Gesamtstrecke jedoch nutzen, da die Porzellanindustrie in Bayern auf die Rohstofflieferungen aus der Tschechoslowakei angewiesen war und im Gegenzug natürlich Devisen in den kommunistischen Staat kamen.

Zu Beginn der 1970er Jahre wurde auf deutscher Seite der Streckenabschnitt Selb-Plößberg–Landesgrenze (- Asch) zur Nebenbahn herabgestuft. Mitte der 90er Jahre wurde auch der Abschnitt Rehau - Selb-Plößberg zur Nebenbahn umgewandelt. In Tschechien ist die Trasse bis heute als Hauptbahn („celostátní draha") ausgewiesen. „Beim Bau einer Ortsumgehungsstraße für die Stadt Selb wurde die Bahnstrecke Hof–Eger auf bayerischer Seite in den 1990er Jahren unterbrochen und der Streckenabschnitt Selb-Plößberg–Grenze am 29. September 1996 offiziell stillgelegt. Zugverkehr von Hof über Aš nach Cheb ist somit nicht mehr möglich." Dies soll sich nun wieder ändern. Bis auf die Lücke, die durch die Ortsumgehungsstraße in Selb gerissen wurde, sind die Gleisanlagen aber noch komplett vorhanden und nach den geplanten Instandsetzungsarbeiten ist der volle Bahnbetrieb dann wieder möglich.

Und - wenn alles glatt geht - besteht ab Dezember 2013 wieder eine schnelle Bahnverbindung von Hof über Rehau, Asch und Franzensbad nach Eger und fördert damit das Zusammenwachsen der Region.

 

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