Innenminister Friedrich bei den Egerlandtagen

40 Jahre Egerland-Kulturhaus“ und „Egerlandtag 2013

Ressorts: Bayern, Interkulturell, Politik, Region, Kultur, Heimat und Brauchtum, Hintergrund

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Autor

Karl W. Schubsky

DATUM

Donnerstag, 12 September 2013 13:46

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Wenn sich die Egerländer einzeln oder als „Gmoin" aus nah und fern – und jetzt auch aus dem „Chebsko" im einstigen egharischen Rawatz wieder zusammenfinden, um das Egerland weiterleben zu lassen, ist schon etwas geboten. Echte Egerländer gibt es immer weniger, aber trotzdem gibt es auch die „Jugend", die ihre Kultur und Tradition fortzusetzen sucht.

Die „Egerländer im Exil" haben in Marktredwitz noch immer ein Heimatrecht, da die heutige Stadt ja früher zu Eger gehört hat (bis 1816) und damit gleichzeitig auch böhmisch war, wie etwa auch Neualbenreuth oder Ottengrün in der Fraisch, wo es zu einer endgültigen offiziellen Abnabelung von Böhmen erst 1862 durch den „Wiener Vertrag" gekommen ist. Ihre stets fortbestehende Verbundenheit mit der „westböhmischen Heimat" haben die verjagten Egerländer, starrsinnig wie sie nun einmal sein können, vor 40 Jahren dadurch zum Ausdruck gebracht, dass sie in Marktredwitz ihr ureigenstes Kulturdomizil erbauten und als kulturellen Sammelpunkt Egerländer Kultur eingerichtet haben, nämlich das Egerland-Kulturhaus mit dem Egerlandmuseum.

 

Zwar sind „40" Jahre Bestand einer überregionalen Einrichtung nicht unbedingt eine Jahreszahl, die man eigentlich mit einer Jubiläumsfeier zu würdigen pflegt, aber, wie man bei der Eröffnung der Fotoausstellung „40 Jahre Egerland-Kulturhaus" am Freitag, 6. September 2013, in der Kunstgalerie im Egerland-Kulturhaus von Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder erfahren konnte, sei für das 50jährige Bestehen des Hauses eine größere Ausstellung bereits in der Planung. Aber rechtzeitig zum „Egerlandtag 2013" konnte immerhin diese Ausstellung auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt und zugänglich gemacht werden und selbst der Vizebürgermeister der Stadt Cheb/Eger, Ing. Michal Pospíšil, war zur Eröffnung der Ausstellung gekommen, was die wiederentstandene Verbundenheit der beiden Städte zeigt, wie auch bereits die damilige grenübergreifende Landesgartenschau „Marktredwitz-Cheb" gezeigt hat.

Daneben war zahlreiches Volk sowie lokale und regionale politische Prominenz gekommen, darunter auch Albrecht Schläger vom „Deutsch-Tschechischen Zukunftfonds", um sich die Begrüßungsworte von Oberberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder und vom Bundesvüarstäiha der Eghalanda Gmoin, Alfred Baumgartner, anzuhören. Die Marktredwitzer Stadtarchivarin Edith Kalbskopf hielt einen informativen Einführungsvortrag über die Hintergründe der Entstehung des Hauses und dessen feierlicher Einweihung am 13. September 1973.

Die eigentliche Eröffnung des „Egerlandtags 2013" fand aber am Morgen des 7. September statt, zu der sogar der Bundesinnenminster Dr. Hans-Peter Friedrich angreist kam, um seine Verbundenheit mit den Egerländern im Besonderen und den Vertriebenen im Allgemeinen zum Ausdruck zu bringen. In seiner Rede beschrieb der Bundesinnenminister die Egerländer mit den Worten des Liedersammlers Albert Brosch als denjenigen unter „den verschiedenen deutschen Stämmen des Sudetenlandes", der am zähesten an seinem „alten Volkstum, an Brauch und Sitte und an Mundart und Volkslied" festhalte. „Diese ganz eigene, besondere Erinnerungskultur (der Egerländer) vermittelt auf wunderbare Weise seit über 100 Jahren bis heute auch die Hoffnung, dass die Heimat weiterlebt – an einem anderen Ort zwar, aber durch Traditionen, durch vertraute Lieder und Gebräuche und nicht zuletzt durch Landsleute." Aber auch auf den Besuch des tschechischen Ministerpräsidenten in München in diesem Jahr ging der Minister ein und sprach lobende Worte über das nachbarschaftliche Verhältnis zwischen Bayern und den tschechischen Nachbarn. „Wichtig ist, eine Erinnerungskultur zu etablieren, die alle Aspekte der damaligen Ereignisse einbezieht und wachhält", so Minister Friedrich.

Am Sonntag meldete sich beim Festakt zum „Egerlandtag 2013" in der Marktredwitzer Shedhalle im Stadtteil Dörflas auch die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer zu Wort. Auch sie fand anerkennende Worte für das Egerland-Kulturhaus als einen „Ort der Kulturpflege und des Dialogs mit unseren tschechischen Nachbarn". Die Ministerin sagte: „Das Egerland-Kulturhaus ist ein kulturelles Herzstück von Marktredwitz, der Region und des gesamten Egerlands. Als Veranstaltungsraum und als Sitz der Stadtbücherei ist es ein zentraler Treffpunkt für die Bürgerinnen und Bürger. Zugleich ist es das Aushängeschild für die Egerländer: Es ist für jeden Egerländer „sein" Haus mit „seinem" Egerlandmuseum. Von hieraus entfalten die Egerländer seit 40 Jahren engagiertes und vielfältiges Wirken, pflegen ihre Kultur und stärken den Dialog mit Tschechien. So halten sie das ursprüngliche Egerland, das heute teils zu Bayern, teils zu Tschechien gehört, als Einheit zusammen." Christine Haderthauer begrüßte weiterhin die Brücken, die die Menschen mit ihrer Versöhnung noch vor der Politik geschlossen hätten und betonte, dass man dabei nicht nur die Leistung der Heimatvertriebenen, sondern auch die der tschechischen Seite anerkennen müsse. Sie erinnerte an die besondere Mittlerfunktion der deutschen Minderheit im Egerland und in Tschechien.

Bundesvüarstäiha Alfred Baumgartner brachte seine Freude über den Egerlandbrunnen vor dem Egerland-Kulturhaus zum Ausdruck, der seit einigen Wochen auch von Pflastersteinen aus der Eger umgeben ist und lud abschließend zum „Egerlandtag 2015" ein, der gemeinsam mit der Egerland-Jugend im Juli geplant ist.

Der Egerlandtag 2013 hat wieder gezeigt, dass die enge Verbundenheit mit der Heimatlandschaft auch in der „Fremde" fortbesteht, sei es etwa in Geretsried, Offenbach, Linz oder etwa auch in Neuseeland, wo sich die Egerländer immer wieder zusammenfinden. Natürlich dürfen die „Daheimverbliebenen" auch nicht vergessen werden.

 

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